12. Ausstellung im „Viersener Salon“: 50 Jahre Viersen – Wie es dazu kam und was daraus geworden ist

Im Mittelpunkt der mittlerweile 12. Ausstellung im „Viersener Salon“ des Heimatvereins Viersen steht die spannende, an Wendungen und Überraschungen reiche, streitige und zum Teil dramatische Geschichte der Kommunalen Neugliederung 1966-70, die im Gegensatz zu einem ersten Versuch im Jahre 1928 dann letztlich erfolgreich war.

Viersen – Mitte der 1960er Jahre war in Nordrhein-Westfalen die Zeit des Wiederaufbaus beendet. Auch am Niederrhein ging es darum, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Als Antwort auf das Bevölkerungswachstum und die wirtschaftliche Entwicklung wurden im Regierungsbezirk Düsseldorf die Gemeindegebiete neu strukturiert. Ein Ergebnis dieser Gebietsreform war 1975 die Verlegung der Kreisverwaltung von Kempen nach Viersen. Ein entscheidender Schritt auf dem Weg dahin war die Vereinigung der Städte Dülken, Süchteln und Viersen sowie der Gemeinde Boisheim zur neuen Stadt Viersen. Der Zusammenschluss verlief nicht ohne Widerstände. Vor allem die kleineren Städte Dülken und Süchteln wehrten sich gegen ihre „Eingemeindung“. Alt-Viersen hingegen stand dem Zusammenschluss positiv gegenüber. Für das neue kommunale Gebilde einigte man sich auf Namen Dreistadt, doch die Landesregierung entschied sich für Viersen.

„‚Täter‘ von einst bereuen nichts“ titelte eine Zeitung 1995 im Rückblick auf die Debatten jener Jahre. Was ist aus den Befürchtungen und Hoffnungen von damals geworden? Was macht die örtliche Verbundenheit der Dülkener, Süchtelner und Viersener aus und was haben sie in die neue Stadt eingebracht?

Foto: Heimatverein Viersen

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die spannende, an Wendungen und Überraschungen reiche, streitige und zum Teil dramatische Geschichte der Kommunalen Neugliederung 1966-70, die im Gegensatz zu einem ersten Versuch im Jahre 1928 dann letztlich erfolgreich war. In einem sog. Zeitstrahl von 6 Metern Länge wird der Prozess mit den handelnden Personen nachgezeichnet: Beginnend mit dem Vorschlag von Innenminister Willi Weyer, Viersen, Dülken und Süchteln zusammenzulegen, anders gearteten Initiativen der Dreistadtgegner, des Oberkreisdirektors, dem Besuch der Bäumer Kommission und dem „Frieden von Boisheim“. Der Stadtrat von Süchteln spricht sich am Ende mit 15 zu 8 Stimmen, bei einer Enthaltung für die Dreistadt aus. Der Stadtrat von Dülken stimmt mit 17 zu 14 Stimmen für die Dreistadt, wonach Bürgermeister Ferschoth zurücktritt. Der Stadtrat von Viersen stimmte einstimmig zu, was den Namen „Dreistadt“ anbelangt mit 23 zu 8 Gegenstimmen ebenfalls.
Der gemeinsam gewählte Name „Dreistadt“ wird von Innenminister Weyer mit der Bemerkung abgelehnt: „Mir gefällt der Name Dreistadt nicht. Er ist lieblos und leblos“, woraufhin der zuständige Ausschuss des Landtags entscheidet, dass die neue Stadt „Viersen“ heißt.

Natürlich hat die Vereinigung mit Viersen gerade in Dülken die Bevölkerung bewegt bzw. gespalten. Die SPD-Fraktion in Dülken ließ die Bewohner abstimmen, ob Dülken Dülken bleiben sollte. Die CDU-Fraktion in Dülken bezeichnete dies als „Falsches Spiel“ und warb mit dem Slogan “Dülken bleibt Dülken“, auch nach der Vereinigung mit Viersen. Auch im Rosenmontagszug von Dülken 1970 war das natürlich ein Thema: So beispielsweise bei einem Wagen der Sportgemeinschaft Dülken, der betitelt war mit „Dreistadtzirkus. Im Zug ging der in Dülken wohl bekannte Karnevalist Willi Wüllenweber mit, im Wehrmachtsmantel mit Schiffchen und trug ein Transparent mit der Aufschrift „Spätheimkehrer sucht Heimatstadt Dülken“.

Auf dem großen Bildschirm ist der Stummfilm von 1928 mit dem Titel „Der schöne Kreis-Kempen-Krefeld“ zu sehen: Gezeigt werden die Bierkutscher bei der Auslieferung, die Landwirte beim Aufstellen der Getreide-Garben, Festzüge der Schützengesellschaften und kirchliche Prozessionen zu Fronleichnam, vorbei an historischen Burgen, Schlösser und Herrenhäuser, entlang der Niers bzw. am Rande der Seen. Nur Viersen wird nicht gezeigt, weil die Stadt zu dieser Zeit kreisfrei war und deshalb dem Kreis Kempen-Krefeld nicht angehörte.
Auf einem touchscreens werden inzwischen historisch zu nennende Filme gezeigt: Das „Radrennen rund um Kaiser´s“, der Abbruch der Schokoladenfabrik von Kaiser´s, der Neubau der Kreisverwaltung, die Geschichte der Galerie,

Viersen wird an Hand vieler Plakate als „Die Kulturstadt im Grenzland vorgestellt, Süchteln mit den Süchtelner Höhen, dem Tierpark, der Freilichtbühne und dem ASV samt Waldkampfbahn und Bergfest als „Meine Stadt im Grünen“, Dülken mit der Narrenakademie und der „Karnevalsgesellschaft Orpheum“ als Hort der Narretei. Boisheim wird bei allem oft vergessen, weswegen die Karnevalsgesellschaft Ki-KA-KaI-A als Orden ein neues Wappen der neuen Stadt kreiert hat, das statt 3 nun vier Mispelblüten zeigt . Aber die Frage bleibt, was macht Boisheim aus? Diese Frage soll nach Gesprächen mit den Besuchern am Ende der Ausstellung beantwortet werden.

Einen besonders großen Platz in der Ausstellung nehmen zwei Stadt-Modelle ein, die in einer perfekten, akribischen und originalgetreuen Art die Innenstadt von Dülken bzw. Süchteln zeigen, Haus für Haus, Straße für Straße, mit Kirchen, Rathäusern und Plätzen. Die Rathäuser der Stadtteile sowie die Wasserversorgung werden in einer gesonderten Präsentation vorgestellt, sowie die Amtsketten des Oberbürgermeisters Dr. Zevels bzw. der nachfolgenden Bürgermeister/innen nach der kommunalen Neugliederung nebst dem „Goldenen Buch der Stadt“.

50 Jahre kommunale Neugliederung – statt Grenzbrück oder Dreistadt dann doch Viersen
Wie es dazu kam und was daraus geworden ist.
Kurator: Dr. Alexander Grönert
20. September – 13. Dezember 2020

Öffnungszeiten
Donnerstag – Samstag: 15 – 18 Uhr
Sonntag und Feiertage: 11 – 18 Uhr
Eintritt frei
Montag – Mittwoch ist reserviert für den Besuch von Schulklassen und privaten Gruppen nach Vereinbarung. Anmeldung bei Ursula Klemm, Tel. 02162/17106, Email: ursula.klemm@gmx.de

Der Zugang zum „Viersener Salon“ ist inzwischen barrierefrei.