150 Jahre närrisches Theaterspiel: Das Orpheum taufte seine „Heidenkinder“

Zu dem 150-jährigen Jubiläum hatte die Große Karnevalsgesellschaft Orpheum 1869 Dülken zu einem besonderen Familienfest auf den Alten Markt eingeladen. Nicht nur Stimmung bis spät in die Nacht wurde geboten, auch die „Heidenkinder“, die Anwärter auf die Mitgliedschaft in der Orpheumsfamilie wurden im Brunnen der „Vier Winde“ im Schatten der St. Corneliuskirche getauft.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Viersen-Dülken – Bereits nach dem beeindruckenden Einzug der Großen Karnevalsgesellschaft Orpheum auf dem Alten Markt mit den bekannt roten Gewändern, legte der Orpheumschor los und nahm mit „Hello Again“ nicht nur die Herzen der zahlreichen Karnevalisten ein, die zur Feier des 150-jährigen Jubiläums nach Dülken gekommen waren. Spätestens als „In allen Dingen“ über den Alten Markt erschallte hatte wirklich jeder mitbekommen, das Orpheum kann auch Open-Air.

„Es kamen einige auf die Schnapsidee 150 Jahre Orpheum zu feiern im Smoking, im Festsaal mit schönem Essen. Das wurde sehr schnell verworfen, denn wir haben gesagt, wir sind ein Dülkener Karnevalsverein, Dülken ist unsere Heimat und das Zentrum unserer Heimat ist der Alte Markt. Und wir feiern 150 Jahre mit allen Dülkenern und mit allen Gästen aus nah und fern hier auf dem Alten Markt“, so Orpheumspräsident Günter Kamp.
„Für uns ist die Familienfeier immer der große Auftakt die neuen Mitglieder zu taufen. Wir haben heute vier neu gewählte Mitglieder, die wir anlässlich unseres Jubiläums in unserem Dülkener Brunnen taufen. Und die Taufe ist etwas ganz Besonderes, die Herren werden sich extra schick machen, das Outfit wird sensationell sein. Der Höhepunkt dann wird sein, wenn der Bischof den neuen lateinischen Namen vergibt und die Mitglieder die Chance erhalten diesen fehlerfrei auszusprechen. Falls das nicht schnell genug gelingt, wird es heißen: Wasser marsch.“

Foto: Rheinischer Spiegel

Dass die Taufen natürlich zu einem Spektakel der besonderen Art wurden, daran hatte nur wirklich niemand im Vorfeld gezweifelt, und dass das Wasser fließen muss bei einer Taufe, das gehört nun eben einmal dazu. So wurde mit dem Brunnenwasser nicht gespart – Eimer und Kanne immer wieder gefüllt, bis auch jedes Fleckchen des Täuflings wirklich nass war. Kalt war es glücklicherweise nicht und spätestens nach der Taufverköstigung – einem Glas Gerstensaft, einem Glas Rebensaft und einem Glas „Ich weiß nicht“, welche alle mit einem Zug geleert werden mussten, wurden die durchweichten Taufgewänder zur Nebensache.
Im Bühnenoutfit wurden so aus Heidenkindern „vollwertige“ Mitglieder Andreas Debock alias Amicus moderatus pedifolis (der besonnene Fußballfreund), Stefan Mindt alias Benignum exoramus ab exterminatore (der Kulissenzerstörer), Ralf Schaffelke Bobby alias Qui numquam fuerunt Curabitur Der Schupo (der noch nie in New York war) und Christian Dommers alias Mercurius a Christianus crispis (der lockige Christian Mercury). (Anm. der Reaktion: Der Redakteur ist wasserscheu, er hofft daher, dass die lateinischen Namen korrekt sind.) 

Foto: Rheinischer Spiegel

Immer wieder präsentierten die Orpheumsmitglieder, mit musikalischen Pausen durch die Mönchengladbacher Band Remember, bekannte Stücke, auf Dülkener Art mit viel Leidenschaft und Herzblut neu aufgeführt und spätestens als „Bohemian Rhapsody“, „Highway to hell“, „Music“ und zum krönenden Abschluss „Ein schöner Tag“ erklang war sicher, über dieses Familienfest wird noch lange gesprochen werden.
So können sich die Gäste in der sich nähernden 151. Session sicher sein, dass das Orpheum noch viele Glanzstücke präsentieren wird, mit denen die Mitglieder die Besucher der Orpheumsabende mitreißen werden. (dt)

Foto: Rheinischer Spiegel