30.000 Unterschriften gegen den Affenhaus-Neubau – PETA kritisiert Krefelder Affenhaus-Pläne als Katastrophe für den Artenschutz

„Für viele Millionen Euro ein neues Tiergefängnis zu bauen und dieses auch noch als ‚Artenschutzzentrum‘ betiteln zu wollen, ist blanker Hohn für die Bemühungen von Artenschützern weltweit, die das Geld vor Ort weitaus besser einsetzen könnten“, so Biologin Dr. Yvonne Würz, PETAs Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche.

Krefeld – Die Kosten für einen Neubau im Krefelder Zoo werden bislang auf mindestens 20 Millionen Euro angesetzt. Finanziert durch öffentliche Gelder und Spenden sollen dort bis zu 40 Menschenaffen und weitere Tierarten zu sehen sein werden. Nachdem die Baupläne kürzlich der Öffentlichkeit präsentiert wurden, forderte PETA vergangene Woche Oberbürgermeister Frank Meyer und die Stadtratsmitglieder auf, ihr Vorhaben unverzüglich zu stoppen und die finanziellen Mittel stattdessen Schutzmaßnahmen in den Herkunftsländern der Tiere zukommen zu lassen. In ihrem Schreiben listet die Tierrechtsorganisation exemplarisch auf, wie eine internationale Artenschutzorganisation mit etwa drei Millionen Euro Spendengeldern in fünf Projekten in Afrika und Südostasien mehr als 8.000 Quadratkilometer Regenwald schützt, um die Heimat der dort lebenden Menschenaffen langfristig zu erhalten. Zusammen mit dem Schreiben übermittelte PETA den Kommunalpolitikern auch knapp 30.000 Unterschriften gegen den Affenhaus-Neubau, die im Rahmen einer Petition seit Anfang Januar gesammelt wurden.

„Für viele Millionen Euro ein neues Tiergefängnis zu bauen und dieses auch noch als ‚Artenschutzzentrum‘ betiteln zu wollen, ist blanker Hohn für die Bemühungen von Artenschützern weltweit, die das Geld vor Ort weitaus besser einsetzen könnten“, so Biologin Dr. Yvonne Würz, PETAs Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche. „Der Neubau in Krefeld soll lediglich den lokalen Tourismus ankurbeln – und während die dort eingesperrten Menschenaffen als Besuchermagneten missbraucht werden, sind ihre freilebenden Artgenossen auch wegen fehlender finanzieller Mittel für Schutzmaßnahmen weiterhin zum Aussterben verdammt. Die Krefelder Politiker müssen die Fehlinvestition stoppen und endlich einsehen, dass nur der Erhalt der natürlichen Lebensräume das Überleben bedrohter Arten effektiv sichern kann.“

Über Silvester war das Affenhaus im Krefelder Zoo abgebrannt. Foto: Tobias Großer/Rheinischer Spiegel

„Deutsche Zoos wildern keine Menschenaffen aus, denn in den Schaugehegen können die Tiere wichtige Verhaltensweisen für ein Überleben in der Natur nicht erlernen. Vielmehr tragen die Einrichtungen indirekt zum Aussterben der Tiere in freier Natur bei, da sie Steuergelder und Spenden ineffizient verwenden: Während Millionen in Zuchtprogramme und kostenintensive Zoo-Bauprojekte fließen, sind die Abgaben an Organisationen, die direkt in den natürlichen Lebensräumen bedrohter Tierarten echten Artenschutz betreiben, verschwindend gering. Der Zoo Krefeld vermeldete 2017 beispielsweise eine „Rekordsumme“ von insgesamt 21.200 Euro Spenden an Artenschutzpartner, gab jedoch allein für sein 2012 gebautes Gorillagehege 2,3 Millionen Euro aus“, so PETA weiter.

Viele Natur- und Artenschützer, die für den Lebensraumerhalt bedrohter Arten kämpfen, zeigen wenig Verständnis für die Zuwendungen an Zoos in Millionenhöhe: Der Chefberater der Vereinten Nationen für Menschenaffen, Ian Redmond, kommentierte schon 2007 das damals neue Gorillagehege im Londoner Zoo: „Fünf Millionen Pfund für drei Gorillas, während in Nationalparks die gleiche Anzahl an Tieren jeden Tag getötet wird, nur weil es an einigen Land Rovern, ausgebildeten Männern und Wilderei-Patrouillen mangelt – so etwas zu hören, muss für einen Parkaufseher schon sehr frustrierend sein.“ Will Travers von der Born Free Foundation in Großbritannien erklärte im gleichen Artikel, seine Organisation könnte die Schutzbemühungen für Gorillas im Kongo für die nächsten fünf Jahre vervierfachen, wenn er nur zehn Prozent der Gelder zur Verfügung hätte, die das Gorillagehege im Londoner Zoo gekostet hat. Mit 20 Millionen Euro könnten demnach in Afrika und Asien riesige Gebiete unter Schutz gestellt werden.
Die Ansprüche von Menschenaffen seien so komplex, dass ihnen kein Zoo einen artgerechten Lebensraum bieten könnte. Studien zufolge litten die Tiere in Zoos häufig unter schweren Verhaltensstörungen – auch in vergleichsweise großen Gehegen. Laut einer von PETA in Auftrag gegebenen INSA-Meinungsumfrage vom April 2020 befürworten 41 Prozent der Befragten ein Ende der Zucht und Haltung von Menschenaffen in deutschen Zoos. Im Rahmen der Kampagne „Menschenaffen raus aus Zoos“ fordert PETA, die Haltung der Tiere in Zoos und Tierparks auslaufen zu lassen.

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