36. Kreuzritter Heinz Ritters ist proklamiert

Am 23. November 2019 war wieder die Zeit gekommen, um den neuen Kreuzritter bei der KG „Die Kreuzherren Wickrath“ zu proklamieren. Hierzu hatten sich viele bisherigen Kreuzritter, Karnevalisten und Vereine bei der Volksbank in Wickrath getroffen, um in einem langen Zug unter den Klängen des Bundes-Tambourcorps „Mit vereinten Kräften“ Wickrath von dort zur Stele am Bahnhof zu ziehen. Dort wurde diese vom designierten Kreuzritter enthüllt, wo bereits sein Name eingraviert war.
Von RS-Redakteurin Marlene Katz

Mönchengladbach-Wickrath – Jochem Enzenmüller, der 30. Kreuzritter, stimmte hervorragend und aktuell an der Stele auf diesen Ritterschlag ein.

Wir haben im letzten Jahr den Kreuzritter Jürgen Wackerzapp proklamiert und geehrt. Dieser ist der Beweis dafür, dass man auch trotz eines schwierigen Berufes den Humor bei sich tragen kann. Zum Leben gehört auch, dass immer wieder uns und der KG Die Kreuzherren nahestehende Personen, Mitglieder, Freunde und Gönner für immer von uns gehen.

Dieser wollen wir nun in einer stillen Minute Dankbar gedenken!

Zurück zum Leben: Er sprach weiter über Bundes- und Stadtpolitik und wer evtl. im nächsten Jahr als Oberbürgermeister für die Stadt zuständig sein würde. So erinnerte er sich an den 4. März 2019. Richtig Rosenmontag.

Da passierte folgendes:

Der Umzug der Berufs- und Freizeitkarnevalisten durch Rheydt endete, wie immer, vor dem Rathaus. Es folgte dann der sogenannte Rathaussturm. In diesem Jahr besonders bedeutsam, bekamen doch erstmals sogenannte „Weise“ die Regimentschaft, wenn auch nur für kurze Zeit. Und wo regieren schon einmal Weise? Doch dann passierte es.

Der OB sprach zur närrischen Schar, welche ihm zu Füßen stand, also unter dem Rathausbalkon auf dem Marktplatz. Und plötzlich flüchteten sie alle. War es die Rede Schuld? War es die Angst vor weiteren blauen Routen? War es die Betroffenheit, nicht mehr im Ratssaal die närrische Machtergreifung feiern zu dürfen, da der OB dies gekippt hatte?

Des Rätsels Lösung war einfach. Der Himmel lud Niederschlag in Mengen auf einen Schlag ab und das war auch noch mit Sturm gepaart. Da ließ der Wähler den OB sichtbar allein und im Regen stehen.

Enzenmüller wandte sich jetzt an den noch designierten Kreuzritter. Da nimmt man als Glücksbringer lieber mal wieder den Schornsteinfeger, he och „Scharüüt“ jenannt. Ob er nicht nur beruflich ein Feger war, wird gleich sicherlich Norbert Spieker, Sprecher der Kreuzritter, in seiner unnachahmlichen Art schildern.

Klar ist eins. Die KG hat auch in diesem wieder einen Menschen gefunden, der zu allererst Mensch ist. Der beruflich viel leistet und sich darüber hinaus in vorbildlicher Art und Weise für das Brauchtum und das Vereinswesen einsetzt.

Er bat Ritters mit ihm zur Stele zu gehen und zu prüfen, ob sein Name schon im edlen Stahl eingraviert wurde. Unter einem Tusch wurde die Stele feierlich enthüllt.

Wieder in der Voba angekommen, begrüßte Stefan Schmitz, Präsident und Vorsitzender der Gesellschaft, die zahlreich erschienenen Gäste, ganz besonders aber die wichtigste Person des Tages, Heinz Ritters mit Ehefrau Sylvia und ihren Kindern.

Des Weiteren dankte er der Volksbank, stellvertretend für diese Ute Deussen, dass diese Proklamation wieder in ihrem Hause stattfinden konnte. Nicht zu vergessen Michael Schroeren, den Bürgermeister der Stadt, der in diesem Jahr den Ritterschlag vornahm.

Leider war das amtierende Prinzen-Paar Axel und Thorsten aus terminlichen Gründen verhindert, da dieser Termin schon seit Dezember 2018 bekannt war und er nicht mehr umgelegt werden konnte. Dafür waren Dirk und Martina Weise, das Prinzenpaar der letzten Session anwesend. Ebenfalls der Ehrenvorsitzende des MKV, Bernd Gothe.

Das amtierende Kinderprinzenpaar Louis und Theresa mit Adjutant Lukas und Hofmarschall Hajo Hering waren anwesend und bekamen von Schmitz den obligatorischen Weckmann.

Dann wurde es spannend, denn Norbert Spieker, Sprecher der Kreuzritter, zog mit zwei Mariechen ein, um seine, wie immer großartige, Laudatio zu halten.

„Schön dat de do bes“ war das Eröffnungslied,
bevor Spieker mit der Laudatio begann.

Er erzählte von Menschen, die einem auf der Straße begegnen. Aber kennt man sie wirklich oder nur die äußere Fassade. Was tun sie, wie denken sie, wie leben sie?

Spieker betonte, dass der neue Kreuzritter kein Mensch mit zwei Gesichtern sei. Er ist ein Ehrenmann und ein Mittler zwischen Menschen, Armen und Reichen, eben eine Person, die in unsere Welt passt. Er stellte das abwechslungsreiche Leben von Heinz Ritters vor mit den Worten „Schön dat de do bes“.

Am 15. Juni klingelten Spieker und Schmitz an der Tür der Ritters und fragten sich, ob sie wohl falsch angezogen waren, denn als Ritters die Tür öffnete, stand er vor ihnen im schwarzen Zwirn, mit Krawatte und blütenweißem Hemd. Es stellte sich schnell heraus, dass dieses Outfit für die Hochzeit seiner Tochter war, die drei Stunden später heiratete. Mit der Wahl zum Kreuzritter war er sofort einverstanden und stellte sich sofort für das Pressebild zur Verfügung.

Ritters wurde am 29. März 1956 in Bettrath geboren. Im Sternzeichen Widder geboren, machte er zunächst den Eltern große Freude. Seine Eltern übernahmen eine Gaststätte, wo Ritters bereits als 3-jähriger Stammgast war und als 4-jähriger bereits „Tuppen“ bevor er lesen konnte. Mit 12 Jahren war er Skatweltmeister und wurde nicht mehr eingeladen, weil er immer gewann.

Seine Sylvia heiratete er 1991 und die Beiden bekamen vier wunderbare Kinder. Eigentlich sollte Ritters Banker werden, aber dann überlegte er und dachte, dann kann ich auch Schornsteinfeger werden, denn in beiden Fällen kann man sich die Finger schmutzig machen.

Jetzt zog Spieker sich die Mütze eines Schornsteinfegers an, bevor er den beruflichen Werdegang von Ritters beschrieb.

Nach seiner Lehre begann er nach wenigen Gesellenjahren schon früh mit der Vorbereitung zur Meisterprüfung und war bereits mit 21 Jahren Meister seines Fachs. Er schaute sich ab dann die Welt von oben an. Mit 35 Jahren hat er dann den Bezirk der Gladbacher Altstadt übernommen.

Es wurde dann immer wieder das Lied „Su simmer all he hinjekumme“ eingespielt.

Jetzt wechselte Spieker von der normalen Schornsteinfegermütze zum Zylinder. Dann bewarb sich Ritters am 1. Januar 208 für den Bezirk Alt-Wickrath und übernahm diesen von Richard Vasters (D’r Scharüüt), der am Jahresende in den Ruhestand gegangen war. Jetzt war er angekommen. Wickrath wurde sein Arbeitsplatz, seine Heimat und sein zu Hause. Er hat viele Freunde gefunden und Nationalitäten dabei überwunden.

Dann kam Spieker zum besinnlichen Teil seiner Laudatio. Im Jahre 2013 musste Ritters als Brudermeister der St. Hubertus Bruderschaft Wickrathhahn das Königssilber tragen, weil der amtierende Schützenkönig auf tragische Weise ums Leben gekommen war. So kann Brauchtum auch seine Schattenseiten haben.

Bei seinen Reden zum Volkstrauertag oder am Ehrenmal bei Gedenkfeiern fand er bei seinen Ansprachen immer die richtigen, gefühlvollen Worte. Für Brauchtum, Tradition und Glaube setzt Ritters sich ebenfalls ein und wünscht sich, dass die Bürger das Brauchtum erleben. Auch als Feuerwehrmann hat er manchen Einsatz gefahren und hat mehr als 100 Mal Blut gespendet.

Jetzt kam es zur fröhlichen Seite von Ritters, wobei Spieker sich eine schwarze Perücke anzog.

Ritters fröhliche Seite sind die Urlaube auf Mallorca, denn dort kann er entspannen. Bereits als Kind hatte er sich mit seinem Bruder darauf eingestimmt, einmal Sangria aus einem Eimer zu trinken. Denn er bastelte aus mehreren Strohhalmen einen langen Halm von zwei Metern, um seine Cola zu trinken. Er war geboren, um das Leben zu lieben, was auch mit dem entsprechenden Lied untermalt wurde.

Spieker zog nun die Borussen-Mütze und den Schal an und wechselte zum Thema Heimat.

Ritters weiß, wo er hingehört. Seine Heimat ist da, wo der Tabellenführer der Bundesliga spielt, denn seine Vereine sind sein Leben und bedeuten ihm neben seiner Familie einfach alles. Auch ist er Mitglied in zahlreichen Vereinen und seit 2014 für den Wickrather Bezirk als Ratsherr tätig. Ohne seine Frau Sylvia könnte er dies alles nicht schaffen und dafür ist er ihr außerordentlich dankbar.

Das alles wurde musikalisch untermalt mit dem Lied „Heimat es jo nit bloß e Woot nur“.

Ein Verein ist seine zweite Heimat und zwar die St. Hubertus Bruderschaft Wickrathhahn. Dort ist er Brudermeister, kennt jeden Zentimeter Straße und Bürgersteig. Aber er kennt auch jeden Winkel von oben und man nennt ihn auch die „Drohne“ von Wickrathhahn. Er war 2 Mal König in Wickrathhahn, Bezirksminister, nahm am Bundeskönigsschiessen teil und erwarb damit die Eintrittskare für das Europakönigsschiessen in Leudal in den Niederlanden.

Auch war er Prinz im Dreigestirn von Wanlo und warf Rosenmontag die Kamelle extra hoch und hat damit die Dachrinnen getroffen. So konnte er am darauffolgenden Tag diese dort wieder einsammeln. Unterstützt wird er immer und immer wieder von seiner Frau Sylvia, denn ohne einen starken Partner an seine Seite kann so vieles nicht durchgeführt werden. Der Applaus, den Spieker nach seiner emotionellen Laudatio erhielt, wollte einfach nicht aufhören.

Bevor Michael Schroeren zum eigentlichen Ritterschlag überging, richtete er ein paar Worte an die Gäste.

Er dankte der KG Die Kreuzherren, die jedes Jahr einen Bürger zum Kreuzritter ernennt, der sich um Wickrath verdient gemacht hat. Das besondere an dieser KG ist, dass diese aus einer Schützengruppe entstanden ist. Er hob ganz besonders hervor, dass Ritters das Brauchtum lebt und zwar als König oder im Dreigestirn in Wanlo.

Er dankte Spieker für die Laudatio, wo Lichteffekte und Lieder passen und alles omiziös geplant war. Weiter war es für ihn eine ehrenvolle Aufgabe, Ritters zum Ritter zu schlagen. Er kennt Ritters schon seit 45 Jahren und in Eicken wäre er für sein Engagement bereits heiliggesprochen worden. Auch hatte Schroeren vorher schon den Ritterschlag geübt, damit er ihm ja kein Ohr abschlagen würde.

Ritters kniete nieder, was Schroeren zu der Bemerkung veranlasste „noch nie hat ein SPD-Mann vor einem CDU-Mann niedergekniet“ und ernannte ihn dann zum 36. Kreuzritter von Wickrath.

Schmitz las dann die Urkunde vor, setzte Ritters die Mütze auf und erhielt gleichzeitig den Orden als Kreuzritter.

Dann wurde der diesjährige Sessionsorden zum Motto „Gladbach Jeckes Narrennest“ vorgestellt. Die Idee für diesen Orden hatte Spieker und sein Zwillingsbruder Herbert hatte das dann zeichnerisch und gestalterisch umgesetzt. Da auf dem Orden ein Baum zu sehen ist, wurde das Lied „Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde“ von Willi Schneider als Hintergrundmusik gespielt.

Christoph Krüppel von der Volksbank bescheinigte den Kreuzherren eine phantastische Veranstaltung und sein großes Lob ging an Spieker, der in jedem Jahr eine so tolle Laudatio hält. Anschließend überreichte er die Voba-Orden an Heinz Ritters, Stefan Schmitz und Norbert Spieker.

Bernd Gothe, der Ehrenvorsitzende des Mönchengladbach Karnevals-Verbandes, hob besonders hervor, was Ritters für die Menschen alles getan habe. Er bemerkte, dass der Rheinländer das Herz am richtigen Fleck hab und was im Osten abgeht, würde es im Westen nicht geben. Weiter führte er an, dass die Stadt ärmer wäre, wenn es Wickrath nicht gäbe. Bei der Zusammenlegung der Städte 1975 war es richtig, Wickrath hinzuzunehmen.

Ritters bedankte sich bei allen, aber ganz besonders bei seiner Frau Sylvia. Als er 1985 nach Wickrath zog suchte er Freunde und so war sein Weg zur Feuerwehr, die er dort auch fand. Er dankte Spieker für die Laudatio, denn durch diese ist sein Leben nur so an ihm vorbei gerauscht.

Für die musikalische Untermalung sorgte Andreas Bottermann und anschließend wurden bei kalten Getränken und einem Imbiss noch viele freundschaftliche Gespräche geführt.