55 Jahre Vaterstädtischer Verein und kein bisschen leise

In Dülken dürfen die Karnevalisten in der gerade anbrechenden Session ein besonderes Jubiläum feiern. Närrische 55 Jahre ist der Vaterstädtische Verein mittlerweile aktiv, der mit seinem beliebten Frühschoppen in das Winterbrauchtum startete.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Viersen-Dülken – Heute machen wir zunächst einen Sprung in die Vergangenheit und schreiben das Jahr 1948 in der Narrenstadt Dülken. Unter dem Rector magnificus Ernst Hellmund wird erstmals ein Ausschuss für Rosenmontagszüge ins Leben gerufen, der sich in den folgenden Jahren für die Planung des närrischen Lindwurms verantwortlich zeigte. Über zehn Jahre später, 1960, übernimmt die Führung die Narrenakademie, die dem „Kind“ den Namen Rosenmontagsausschuss gab, bevor gerade einmal fünf Jahre später eine Neuorganisation notwendig wurde. Mittlerweile haben wir Sommer, der Kalender zeigt den 15. Juli 1965. Heute wird der Grundstein für den Vaterstädtischen Verein gelegt. In der Gaststätte zur Börse am Hühnermarkt wird der „Vaterstädtische Verein zur Förderung des Rosenmontagszuges Dülken e. V.“ aus der Taufe gehoben, der sich seitdem engagiert und mit viel jecker Leidenschaft um den Rosenmontagszug bemüht.

Foto: Rheinischer Spiegel

Nicht ganz 55 Jahre später sind wir wieder im November 2019 angekommen. In blau und gelb erstrahlt das Dülkener Bürgerhaus, denn der Vaterstädtische Verein lud am Sonntag zu seinem beliebten Frühschoppen in seiner Jubiläumssession. Eingespielt vom Tambour Corps Dülken 1926 waren bereits zum Beginn zur typisch Dülkener Zeit nicht wenige Karnevalisten zu Gast, wollten gemeinsam mit dem Vaterstädtischen Verein das niederrheinische Brauchtum feiern, welches der Dülkener Verein seit bereits so vielen Jahrzehnten im Herzen trägt. Erster Gast auf der Bühne war der gerade frisch gewählte neue Präsident des Regionalverbandes Linksrheinischer Karneval, Frank Schreiber. Er hatte die große Ehre ein verdientes Mitglied mit dem BDK-Verdienstorden in Gold auszuzeichnen.

„Der Vaterstädtische Verein feiert in diesem Jahr 5 x 11 Jahre und der zu Ehrende ist bereits 4 x 11 Jahre ununterbrochen im Vorstand des Vaterstädtischen Vereins aktiv, das ist doch schon einmal einen Applaus wert“, so Frank Schreiber. „Hans-Willi Rankers war seinerzeit mit seinem Blumenfachgeschäft in ganz Dülken bekannt.“ Er stand als kreativer Kopf hinter den Blumendekorationen passend zum Sessionsmotto auf der Bühne oder am Wagen. Im Jahre 1990 erfüllte er sich einen großen Wunsch, wurde Karnevalsprinz in der Narrenstadt Dülken. „Seinerzeit unter etwas widrigen Wetterumständen, denn es herrschte am Rosenmontag ein starkes Sturmtief. Es war am Morgen nicht klar, ob der Zug am Nachmittag ziehen kann“, berichtete Frank Schreiber. Als das Sturmtief hereinbrach, wurde innerhalb von Sekunden das Dach des Wagens abgedeckt, dennoch fuhrt der Prinzenwagen und das Wetter ließ damals nach – der Prinz trotzte dem Sturm und vom Wagen herab erschall „Gloria tibi Dülken“ in bester Stimmung.

Foto: Rheinischer Spiegel

Beste Stimmung hatte ebenfalls der Frühschoppen in diesem Jahr zu bieten. Während die Coverband Thommes Rot Weiß aus Schwalmtal Lieder quer durch die karnevalistische Landschaft, dargebracht von Sängerin Maike, präsentierten, hatten die Karnevalisten allerorts zu Gesprächen zusammengefunden. Mit dem Start in die kommende Session wurden Neuigkeiten ausgetauscht und das Lachen verband sich mit der steigenden Feierlaune, die nochmals durch eine weitere Besonderheit anstieg. Für beide unerwartet und mit großer Freude erhielten Präsident Günter Jansen (Vaterstädtischer Verein) und Jessica Topeters (Crazy Kids) begleitet von flammendem Beifall den „Narr von Europa“ in Bronze der Föderation Europäischer Narren durch FEN-Regionalpräsidentin Ingeborg Gartz in Anerkennung der besonderen Verdienste zur Erhaltung und Förderung des karnevalistischen Brauchtums.

Enthusiastisches Klatschen, welches ebenfalls die Bühnenauftritte der Crazy Kids mit dem noch amtierenden Dülkener Kinderprinzenpaar, der KG De Üüle und der Ki Ka Kai a, die selbstverständlich das neu gekürte Prinzenpaar Frank I. und Annabelle I. mit nach Dülken gebracht hatten, begleitete. Für das Prinzenpaar kein ganz so weiter Weg, denn auch wenn sie in Boisheim regieren, sie wohnen im Schatten der altehrwürdigen Narrenmühle. Nach dem erfolgreichen Frühschoppen heißt es für den Vaterstädtischen Verein nun vor der Proklamation, denn das Prinzenpaar Marco I. und Sonja I. in Wartestellung stammt aus den eigenen Reihen und wird am 16. November im Bürgerhaus ihre Insignien der Macht erhalten. (cs)

Foto: Rheinischer Spiegel