6 Prognosen und eine Strategie für die Cybersicherheit im Jahr 2026

Die Kriminellen aus dem Netz organisieren sich besser. Ihre Hacks und Cyberangriffe werden raffinierter und richten sich mittlerweile auch an Privatpersonen. Große Unternehmen und Behörden sind jedoch auch weiterhin das Hauptziel. Diese sehen sich zudem mit strengeren gesetzlichen Vorgaben konfrontiert. Schon jetzt zeichnen sich einige Entwicklungen ab, welche das Thema Onlinesicherheit im kommenden Jahr bestimmen könnten.  

Service – In diesem Jahr wurden Unternehmen, Behörden und Privatleute aus NRW besonders häufig das Ziel von Cyberangriffen. Laut offiziellen Angaben des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) sind die Angriffe aus dem Netz im Verlauf des Jahres abermals angestiegen. Es ist vor allem zu einer Häufung schwerer Vorfälle gekommen. Insbesondere in industriellen Regionen wie dem Ruhrgebiet kam es zu einer großen Menge an Vorfällen.

IT-Experten gehen nicht davon aus, dass es im kommenden Jahr ruhiger zugehen wird. Ganz im Gegenteil. Die Kriminellen organisieren sich besser und passen sich den derzeitigen Sicherheitsvorkehrungen an. Unternehmen, Behörden und Privatleute sollten sich auf eine neue Welle von Cyberangriffen vorbereiten, welche vermehrt auf neuen Technologien basiert.

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1. Es ist mit gezielteren Angriffen auf mittelständische Unternehmen zu rechnen

Im Jahr 2026 werden sich die Cyberangriffe präziser gestalten. Anstatt viele Ziele gleichzeitig anzugreifen, bereiten die Hacker ihre Attacken vor und organisieren sich. Mittelständische Unternehmen, Kommunen und regionale Versorger stehen ganz besonders im Fokus.

Laut offiziellen Angaben von Bitkom wurde bereits im Jahr 2024 ein wirtschaftlicher Schaden von € 206 Milliarden durch Cyberkriminelle angerichtet. Ein Großteil musste durch Industrie- und Dienstleistungsstandorte in NRW getragen werden.

Eine Analyse des LKA NRW belegt zudem, dass die Fälle von Phishing und Ransomware-Attacken zwischen dem Jahr 2022 und dem Jahr 2024 um circa 30 % zunahmen. Anhand dieser Zahlen wird deutlich, dass regionale Strukturen schon seit langer Zeit gezielt ausgespäht werden.

2. Neue gesetzliche Vorgaben erhöhen den Druck auf Online Plattformen und Betreiber

Die EU-Kommission hat den DSA (Digital Services Act) und den CRA (Cyber Resilience Act) verabschiedet. Die Anforderungen an Softwareanbieter und Online Plattformen gestalten sich somit schon bald sehr viel strenger. Unternehmen werden dazu verpflichtet, die Umsetzung und Überwachung ihrer internen Sicherheitsmechanismen völlig transparent und detailliert zu dokumentieren.

Gerade dort, wo Nutzer versuchen, technische Schutzsysteme auszutricksen, wird deutlich, wie wichtig robuste Kontrollen sind. Die deutsche Glücksspielbranche kann hier als passendes Beispiel angeführt werden, denn sie hat schon seit langem mit dem illegalen Angebot aus dem Ausland und strengen Regulierungen zu kämpfen.

Laut Angaben der GGL (Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder) registrierte die staatliche Behörde im Jahr 2024 mehrere tausend Hinweise auf Umgehungsversuche digitaler Sperrsysteme. Um OASIS zu umgehen, greifen zahlreiche Nutzer von Online Casino Portalen vermehrt auf Informationsportale zurück und informieren sich dort zu nicht regulierten Betreibern aus dem Ausland. Diese Dynamik dient als Beispiel für ein größeres Problem. Sicherheitsregeln müssen technisch wie organisatorisch durchsetzbar sein.

3. Der digitale Identitätsdiebstahl wird zu einem großen Risiko

Angriffe, welche auf dem Diebstahl von Identitäten basieren, zählen auch weiterhin zu den größten Risikofaktoren. Verizon veröffentlichte seinen „Data Breach Investigations Report“ für das Jahr 2024. Dieser zeigt, dass bereits damals circa 74 % aller IT-Sicherheitsvorfälle weltweit auf kompromittierte Zugangsdaten zurückzuführen waren.

Für zahlreiche Unternehmen und Organisationen in NRW deutet dies auf einen aufwändigen, anstehenden Strukturwandel hin. Eine Studie des Branchenverbands eco zeigt, dass bloß 55 % der Unternehmen in Deutschland flächendeckende Mehrfaktor-Authentifizierung nutzen. Im Jahr 2026 könnte diese Kluft eine willkommene Angriffsfläche für Cyberkriminelle liefern.

4. Cyberangriffe und Abwehr werden von KI geprägt

Im Jahr 2026 wird KI auf beiden Seiten zum Standard. Hacker und Cyberkriminelle nutzen KI, um täuschend echte Phishing-E-Mails zu erstellen. Außerdem nutzen sie Algorithmen, um die Analyse von Schwachstellen in Sicherheitssystemen zu automatisieren. Die Onlinesicherheit hingegen setzt Künstliche Intelligenz ein, um auffällige und verdächtige Muster schneller erkennen zu können.

Laut offiziellen Schätzungen von Deloitte wird erwartet, dass bis Ende des Jahres 2026 circa 60 % aller großen Unternehmen in der EU KI-basierte Sicherheitslösungen nutzen werden. In NRW spielt dabei zudem die Nähe zu Forschungsstandorten und Technologiezentren eine Rolle. So etwa im Umfeld von „Industrie 4.0“ und „Smart-City“-Projekten.

5. Lieferketten könnten zu einem Risikofaktor werden

Nordrhein-Westfalen ist sehr stark vernetzt. Die Industrie und die Logistik sind eng mit externen IT-Dienstleistern verknüpft. Laut OECD haben mehr als 70 % der europäischen Unternehmen ihre kritischen Geschäftsprozesse an externe Partner ausgelagert.

Laut einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft sind mittelständische Zulieferer sehr häufig nicht in die Sicherheitskonzepte der großen Auftraggeber eingebunden. Für das Jahr 2026 wird deshalb mit einer Zunahme indirekter Angriffe über kleinere Dienstleister gerechnet.

6. Onlinesicherheit wird 2026 zu einem Hauptthema für Unternehmen

Ab 2026 ist die Cybersicherheit endgültig kein reines Thema der IT-Abteilung mehr. Aufgrund der neuen EU-Vorgaben rücken Haftungsfragen und Reputationsrisiken in den Fokus der Geschäftsleitungen. Laut PwC konnten Unternehmen mit direkter Einbindung der Führungsebene ihre Reaktionszeit bei Sicherheitsvorfällen in diesem Jahr im Schnitt um rund 30 % verkürzen.

Gerade für kommunale Betriebe und mittelständische Unternehmen in Nordrhein-Westfalen bedeutet das einen kulturellen Wandel. Sicherheitsentscheidungen werden strategisch, nicht operativ getroffen.

Strategische Roadmap für die Cybersicherheit im Jahr 2026

Anhand der Prognosen für das kommende Jahr lässt sich ein klarer Handlungsrahmen ableiten:

  • klare Zuständigkeiten für Cybersicherheit auf Führungsebene
  • konsequente Absicherung von Identitäten und Zugriffsrechten
  • überprüfbare Sicherheitsanforderungen an regionale Dienstleister
  • regelmäßige Schulungen für Mitarbeitende
  • kontinuierliches Monitoring statt punktueller Prüfungen

2026 werden Cyberangriffe gezielter, Regulierungen verbindlicher und Abhängigkeiten komplexer. Wer Onlinesicherheit weiterhin ignoriert, riskiert wirtschaftliche Schäden und Reputationsverlust. Unternehmen, die Verantwortungen klar festlegen und Sicherheitsstrategien konsequent umsetzen, stärken sich selbst und den gesamten Digitalstandort NRW. (opm)