75 Jahre Kita St. Franziskus in Süchteln

Die Kindertageseinrichtung St. Franziskus in Viersen-Süchteln würde in diesem Jahr ihr 75-jähriges Bestehen feiern. Doch wegen der Corona-Pandemie wird zunächst auf eine Jubiläumsfeier verzichtet.

Viersen-Süchteln – „Die Gesundheit unserer Kinder und unserer Mitarbeiter steht im Vordergrund!“, erklärt Gabriele van den Heuvel, Leiterin der Kita. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Geplant war eigentlich ein Tag der offenen Tür, in dem wir die Süchteln-Vorster Gemeinde einladen wollten, mal wieder ihren „alten“ Kindergarten zu besuchen. Die Hygienemaßnahmen, die wir hätten ergreifen müssen, wären zu aufwändig geworden. Die Besucher hätten nur in Kleingruppen und unter strengen Vorkehrungen „durchgeschläust“ werden können. Und nach jeder Besuchsgruppe müssten wir desinfizieren. So macht feiern keinen Spaß. Gemeinsam mit Pastor Dr. Schlößer haben wir daher beschlossen, in diesem Jahr kein Jubiläum zu feiern. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wir werden das Fest in ein oder zwei Jahren nachholen. Und dann wollen wir richtig groß feiern!“, versichert die Kita-Leitung.

Anfang März 1945: die Alliierten besetzen den Niederrhein, Süchteln steht unter dem Kommando des britischen Feldmarschalls Bernhard L. Montgomery. Der Krieg ist noch nicht zu Ende, es herrscht Zerstörung, Chaos und Elend. Die Lage ist unübersichtlich und gefährlich, alles ist provisorisch. Es geht darum, zu überleben und das in Trümmern liegende Land wieder aufzubauen. Vor allem die Frauen tragen die Verantwortung, da viele Männer gefallen oder noch in Kriegsgefangenschaft sind.

Foto: Horizonte

Doch wohin mit den Kindern? Wer kümmert sich um sie, wenn die Mütter arbeiten, um das Überleben aller zu sichern? In dieser Situation reagierte der Seelsorger des damaligen Gemeinderektorats St. Franziskus, Herr Rektor Paul Koß, schnell. Noch vor offiziellem Kriegsende im Mai nahm er seinen früheren Plan wieder auf, einen Kindergarten einzurichten. Seine größte Sorge galt der Raumbeschaffung, das Gemeinderektorat selbst hatte keine passenden Räumlichkeiten. Koß setzt sich mit dem Gastwirt Konrad Eickes in Verbindung. Sein Gasthof hatte einen großen Spielplatz neben dem Haus. Man wurde sich einig, den kleinen Vorraum des Saalbaus für den provisorischen Kindergarten zu nutzen. Am 4. Juni eröffnete der Kindergarten mit ca. 40 Kindern unter der Leitung von Schwester Maria Notburga Kowalski. Betreut wurden die Kinder von Fräulein Fine (Josefine) Kahlen, die später die Leitung übernahm, und zwei 14-jährigen Mädchen.

Solange der Sommer währte, spielten die Kinder im Freien. Doch der strenge Winter 1945 zwang den Kindergarten zur Schließung, denn es gab nicht genügend Heizmaterial. Zwar eröffnete er im Frühjahr wieder, aber die Umstände blieben die nächsten vier Jahre schwierig. Platzmangel und schlechte hygienische Bedingungen machten es den Betreuerinnen schwer. Die Kinder wurden mehrfach „umgesiedelt“, unter anderem in den Keller der Notkirche, zwei Kleinkinder starben an Diphtherie. Rektor Koß und sein Nachfolger Rektor Karl Kirschgen wagten trotz schwieriger Finanzlage den Neubau des Kindergartens, der im März 1949 begann und schon am 29. Mai eingeweiht werden konnte. Fröhlich zogen die Kinder in den neuen Kindergarten, der heute noch an der Stelle steht, an der er zu damaliger Zeit erbaut wurde.

Doch die schnelle Bauweise hatte auch ihre Nachteile. Die damals zur Verfügung stehenden Materialien waren teilweise von geringer Qualität und der Bau wurde mit den Jahren zu klein. Pläne zur Erweiterung und Renovierung reiften. Nach mehrjährigen Verhandlungen gelang es der Kirchengemeinde St. Clemens, den städtischen Spielplatz, der an die Kita grenzte, im Jahr 1968 zu erwerben. Somit war der Weg für eine erste Erweiterung und größere Außenspielfläche geebnet. 1970 konnte der Erweiterungsbau eingeweiht werden.

Es folgten in den nächsten Jahrzehnten noch zwei weitere Veränderungen: Mit der Umstellung auf die Ganztagsbetreuung 1989 benötigten die Kinder wieder mehr Platz. Daher erhielt die Kita zwischen 1992 und 1994 ihr charakteristisches Spitzdach, in dem ein Schlafraum und eine Mehrzweckhalle untergebracht werden konnten.

2014 übertrug die Kirchengemeinde der gemeinnützigen Trägergesellschaft Horizonte die Kita. Die Horizonte erweiterte die Kita im Jahr 2019 um 110qm auf ihre heutige Größe und renovierte die bestehenden Räumlichkeiten. Seitdem können dort 106 Kindern spielen, toben und lernen. In der Kita St. Franziskus haben Generationen von Kinder aus Süchteln und der näheren Umgebung in den letzten 75 Jahren ihre Kindergartenzeit verbracht. Zwölf Kita-Leitungen hinterließen in dieser Zeit ihren pädagogischen Fußabdruck, seit 2010 tut dies Frau Gabriele van den Heuvel. Die Geschäftsführung der Horizonte, Frau Sylwia Digiacomo, wünscht gemeinsam mit der Kirchengemeinde St. Clemens allen Kindern, Eltern und Mitarbeitern – trotz der heute herrschenden schwierigen Bedingungen – eine glückliche und schöne Kita-Zeit! „Wir freuen und auf das noch ausstehende Fest!“, so Digiacomo.