Abfallplage durch Littering: „Ich finde, dass Viersen täglich dreckiger wird.“

Pappkartons, Gläser, Plastiktaschen, Porzellanteller, ein ganzer Kühlschrank oder ein Sofa in der Südstadt. E. Schmitz (59) regen die ständigen wilden Müllkippen in der Gesamtstadt Viersen auf. Dabei nehme das sogenannte „Littering“ (Vermüllung) täglich zu, da ist sich die leidenschaftliche Spaziergängerin sicher.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Viersen – „Ich finde es traurig, ständig sind die städtischen Abfalleimer zugemüllt, an den Wegen liegen irgendwelche Reste“, so E. Schmitz. Experten bezeichnen dieses Wegwerfen oder Liegenlassen kleiner Mengen Siedlungsabfall als „Littering“, ein gesellschaftliches Problem, welches nur im Verbund mit allen Beteiligten zu lösen ist. Immer wieder versuchen Städte mit Sensibilisierungs- und Informationsarbeit dem Problem zu Leibe zu rücken. Denn Littering ist nicht nur ein Ärgernis für alle, es generiert ebenfalls hohe Kosten.

Dabei sind die Ursachen vielfältig und auf das veränderte Konsum- und Ernährungsgewohnheiten bzw. das Freizeitverhalten zurückzuführen, denn der öffentliche Raum wird zum mobilen Raum. Zudem weist der öffentliche Raum eine geringe soziale Kontrolle auf und das Littering wird durch diese Anonymität oder sogar durch Gruppeneffekte nochmals verstärkt. Rund ein Drittel des Mülls machen dabei „Take Away“-Reste aus, danach folgen Getränkeverpackungen.

Dülken: Restmüll neben den Glascontainern – Foto: Rheinischer Spiegel

Eine stärkere persönliche Werterhaltung muss mit Aufklärung auf den öffentlichen Raum übertragen werden, ebenso müssen die Müllgebühren der jeweiligen Kommune auf den Prüfstand gestellt werden. Nur so können die ästhetischen, ökologischen und ökonomischen Auswirkungen schrumpfen. Nicht nur das Image der Stadt leidet, ebenfalls die Qualität des Lebensraumes sinkt. Dazu wird der wilde Müll nicht in den Stoffkreislauf zurückgeführt, die Wiederverwertung entfällt. Littering ist weiterhin eine Gefahr für Tiere und Pflanzen – und teuer, denn jeder bezahlt für die Reinigung des öffentlichen Raumes.

Eine erfolgreiche Bekämpfung sehen Fachleute nur in der ständigen Anwendung verschiedener Maßnahmen aus Aufklärung, Vorbeugung und die Heranführung an den verantwortungsbewussten Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Der Aufbau von umweltbezogenem Wissen mit passenden Handlungskompetenzen ist jedoch teuer und langwierig. „Auf diesem Weg muss die Stadt Viersen mit gutem Beispiel vorangehen, auch im Lockdown oder der aktuellen Corona-Pandemie“, sagt Schmitz und ihr Blick verfinstert sich. „Ein gutes Vorbild, auch wenn es um Baumfällungen oder die für mich unsinnige Bauprojekte geht.“ Sie zeigt auf die Freiheitsstraße, die noch immer eine riesige Baustelle ist, winkt ab, „vergessen wir das“, sagt sie, dann würde sie sich nur noch mehr aufregen. Sie hebt eine Dose auf und zieht eine kleine Tüte aus ihrer Tasche. „Ich räume ein wenig auf“, sie lacht, schaut verschmitzt unter der Brille durch und setzt ihren täglichen Spaziergang fort. (dt)

Ein Kommentar

  1. Es ist wirklich eine Schande. Um noch einen drauf zu setzen:
    Massenweise Hundesch……, unverschämter Weise sogar oft in diesen bekannten pinkfarbenen Tütchen.
    Da werden auch schicke kleine Gassen, so z. B. zwischen Winkelstr./Krefelder Str/ Alte Bruchstr., regelrecht als Hundeklo zweckentfremdet

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