Älteste Frau Deutschlands aus Viersen friedlich eingeschlafen

Anfang März feierte sie ihren 112. Geburtstag, im April wurde sie zur ältesten Frau Deutschlands. Nun ist Therese Fenners gestern Abend friedlich im Seniorenzentrum Haus Maria-Hilf eingeschlafen. Eine Hommage an eine faszinierende Frau.

Viersen – Nicht nur ihr Heiratsschein ließ das Herz jedes Historikers schneller schlagen, ihre Erinnerungen waren ein Juwel der Zeitgeschichte. Nicht irgendwo in einem Buch niedergeschrieben denn sie erzählte sie gerne, erinnerte sich als jemand der an den Ereignissen unserer Geschichte teilnahm. Ereignisse, die sonst nur in Geschichtsbüchern zu finden sind, denn als der erste Weltkrieg ausbrach war die zu dieser Zeit im Rahser lebende Therese Fenners gerade einmal acht Jahre alt. Im Keller versteckte sie sich bei Angriffen, Lebensmittel wurden getauscht, alles war knapp – noch vor wenigen Monaten erinnerte sie sich immer noch mit einem Glanz in den Augen an ihre Kindheit, an die schönen Erinnerungen, fernab der Bomben.

Foto: Volkmar Hess

Sieben Schwestern und drei Brüder waren mit ihr aufgewachsen. „Eine schöne Kindheit“, sagte sie im Gespräch, „mit Spielen auf dem Gelände der Rahser Firma Zahn und dem Spielplatz mit einer Rutschbahn.“ Eine lang vergangene Zeit, denn Pongs und Zahn verschwand 1970 in den historischen Büchern der Viersener Vergangenheit. Von allen hatte sie sich im Laufe ihres Lebens verabschieden müssen. 1906 in Viersen geboren, absolvierte sie nach der Schule eine Lehre in einem Schreibwarengeschäft, arbeitete im Goeters-Textilbetrieb, heiratete 1929 ihren gleichaltrigen Ehemann, der 1991 von ihr ging. Zuletzt lebte sie im Seniorenzentrum Haus Maria-Hilf. Hier ist die älteste Deutsche gestern Abend friedlich eingeschlafen, nachdem sie in den vergangenen Wochen langsam aber stetig gesundheitlich abbaute.

Wie sie so alt geworden ist, das wusste sie selber nicht, als sie vor ihrem Geburtstag gefragt wurde. Aber von Zigaretten, Alkohol und von Ärzten habe sie immer die Finger gelassen – nur beim Kegeln hätte sie diese Grundsätze schon mal vergessen – die Familie an die erste Stelle gestellt. Als sie in das Seniorenzentrum Maria-Hilf zog, verbrachte sie ihre Zeit mit Lesen, in weit über 500 Bücher tauchte sie ein, als die Augen nachließen, wechselte sie in den Hörbereich.
Ein Leben, das für viele unvorstellbar ist. 1906, als Therese Fenners geboren wurde, feierten Bayern und Württemberg ihr hundertjähriges Bestehen als Königreich, die Abgeordnetendiäten wurden in den Deutschen Reichstag eingeführt, bevor dieser dann m Dezember aufgelöst wurde. Albert Einstein veröffentlichte seine Theorie der spezifischen Wärme und Alois Alzheimer diagnostizierte erstmals die Alzheimer-Krankheit an der Patientin Auguste D. Ein Jahr, das die deutsche Geschichte geprägt hat.
Die Viersenerin Therese Fenners gehörte mittlerweile zu den Supercentenarians, ein englisches Wort das Menschen bezeichnet, die mindestens 110 Jahre alt geworden sind. Derzeit leben geschätzt 300 bis 450 Supercentenarians weltweit. Als erster Supercentenarian gilt der Niederländer Geert Adriaans Boomgaard, der 1899 im Alter von 110 Jahren und 135 Tagen starb. Ein Alter, das Therese Fenners bereits überschritten hatte. (pl)

Foto: Volkmar Hess