Ärzte warnen vor trügerischer Sicherheit: „Einmalhandschuhe sind Keimschleudern“

Mit der Ausbreitung der #Coronaviren sind Einmalhandschuhe häufig zu einem stetigen Begleiter geworden. Doch nicht nur, dass sie für die Umwelt zu einer übermächtigen Herausforderung werden, immer mehr Ärzte warnen vor Einmalhandschuhen als Keimschleudern. 
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Gesundheit – Fast kein Einkauf mehr, bei welchem nicht jemand mit Einmalhandschuhen den Einkaufswagen vor sich herschiebt oder die Latexhandschuhe zum Müllproblem auf dem Parkplatz werden. Immer mehr Menschen greifen zu dem gefühlt sicheren Schutz, vor dem mittlerweile immer mehr Ärzte warnen. Denn was im medizinischen Bereich sinnvoll ist, verfehlt das Ziel im Alltag. Hygieneexperte Ojan Assadian und Allgemeinmediziner Dr. Marc Hanefeld stehen nicht alleine mit ihrer Aussage, auch wenn sie zurzeit in den Berichten häufig genannt werden.

Der österreichische Mediziner Ojan Assadian warnt auf dem Portal pflege-online auch Pflegekräfte und Ärzte vor Einmalhandschuhen, denn gerade diese gäben, wenn sie kontaminiert sind, rund 100.000 Bakterien ab, das Tausendfache mehr als die menschliche Haut. Ähnlich äußert sich der Allgemeinmediziner Dr. Marc Hanefeld auf seinem Twitteraccount und spricht von einer hygienischen Sauerei großen Ausmaßes.

Quelle: Twitter

„Medizinische Handschuhe sind porös. Und unter Alltagsgebrauch werden sie noch poröser. Im medizinischen Alltag sind sie zur Reduktion größerer Verunreinigungen, z. B. durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten gedacht“, so Dr. Marc Hanefeld. „Weder Träger noch Patient/Berührter werden durch med. Handschuhe geschützt. Vor und nach Gebrauch ist eine hygienische Händedesinfektion notwendig. Unter dem Handschuh vermehren sich Bakterien mit Freude, in der feucht-warmen Kammer. Spätestens nach dem Ausziehen hat man ohne Desinfektion eine Kloake an den Händen. Herzlichen Glückwunsch!“

Hinzu käme, dass Plastik zigfach mehr Keime an die Umgebung abgebe als die Haut. „Man rennt nicht mit Gummihandschuhen durch die Gegend, es sei denn, man möchte eine Hygiene-Sau sein“, ergänzt der Facharzt für Allgemeinmedizin, Anästhesie und Intensivmedizin. Vor einer Corona-Infektion schützten die Handschuhe nicht, denn durch die gesunde, nackte Haut können die Viren nicht in den Körper eindringen. Durch das trügerische Sicherheitsgefühl jedoch würden die Handschuhe häufig länger getragen, doch bei dieser verlängerten Tragezeit sammeln sich mehr Bakterien an als auf regelmäßig gewaschenen Händen. Ein kurzer Reflex und eine Berührung mit diesen Handschuhen dann an den Augen, dem Mund oder der Nase gibt eine wesentlich höhere Keimladung ab. Ärzte verweisen deshalb auf das regelmäßige Händewaschen, denn wie der Name schon sagt: Einmalhandschuhe sind nur für den einmaligen Gebrauch gedacht. Nach jedem Tragen muss der Handschuh entsorgt werden und wird so zudem zu einem völlig unnötigen Plastikproblem. (dt)

Foto: Rheinischer Spiegel