Aktuell keine weiteren Schnappschildkröten im De Wittsee gesichtet

Die angebliche Erschießung von zwei aufgefundenen Schnappschildkröten im Nettetaler De Wittsee hatte im Sommer eine Diskussion um die Haltung und den Schutz der Tiere angestoßen. Nun konnte zumindest eine teilweise Entwarnung gegeben werden, denn in diesem Jahr wurden keine weiteren Tiere gefangen.
Von RS-Redakteurin Ebru Ataman

Kreis Viersen – Seit 2013 wurden gut 40 Schnappschildkröten rund um den Nettetaler De Wittsee gesichert. Nachdem im Juli zwei neue Exemplare hinzukamen, befürchteten Fachleute eine zunehmende Verbreitung der Tiere, begünstigt von den erneut hohen Sommertemperaturen. Nun konnte zumindest eine teilweise Entwarnung gegeben werden, denn bisher wurden keine weiteren Tiere gesichtet. Die in diesem Sommer aufgegriffenen Tiere sind aktuell noch bei Experten untergebracht, sie sollen in Zukunft ein neues Zuhause im Brüggener Tierpark finden.

Ausgesetzte Schildkröten und Exoten, die sich in den heimischen Gewässern ausbreiten, sind längst keine Seltenheit mehr. Nicht nur für die heimische Natur werden die Tiere zum Problem, sie stellen auch Behörden und Tierschützer vor eine schwierige Aufgabe, denn die neuen Bewohner verdrängen ihre heimischen Artgenossen und haben Geschmack an kleinen Vögeln oder Fischen gefunden. Schließlich möchte sich eine ausgewachsene Schnappschildkröte von rund einem halben Meter gerne satt in der Sonne aalen und dabei nicht gestört werden.
Beim Kauf sind diese sehr wehrhaften und als aggressiv geltenden Tiere gewohnt süß und klein, mit der Zeit wird die Haltung schwieriger und so kommt es zunehmend häufiger vor, dass die Tierbesitzer ihre „Lieblinge“ im nächsten Weiher aussehen – schließlich leben hier bereits Schildkröten.

Ein schwerwiegendes Problem für die Natur und die Tiere, über die in einem solchen Moment nicht nachgedacht wird. Schmuckschildkröten sind in öffentlichen Parks, Artenschutzgewässern und Weihern keine Seltenheit mehr. Nach Möglichkeit werden sie von den Tierschützern gemeinsam mit den Mitarbeitern der Unteren Naturschutzbehörde eingefangen, doch auch hier sind Grenzen gesetzt – denn wohin dann mit den Tieren, wenn die meisten Tierheime in diesem Bereich schon aus allen Nähten platzen.

Gefährlich werden die Tiere zudem nicht nur für andere Tiere, auch für den Menschen birgt die Größe der wehrhaften Schnappschildkröten eine Gefahr, die mittlerweile auch in Badegewässern ausgesetzt worden sind. Ihr Gebiss ist kräftig und der menschliche Eindringling wird zum Angreifer. Einmal zugeschnappt kann die Schildkröte sogar Zehen oder Finger durchbeißen. Umso wichtiger ist es, ein gefundenes Tier beim Ordnungsamt oder der Unteren Naturschutzbehörde zu melden, denn so kann das Tier nicht nur vor dem Erfrierungstod bewahrt werden, auch Mensch und Natur werden durch die Meldung geschützt. Schließlich ist nicht nur zu kalt für die Tiere verheerend, auch zu warm birgt eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Steigt die Temperatur in unseren Breitengraden weiter an, wird die Population der Schildkröten explodieren und dann werden die tierischen Einwanderer zu einer Tiervernichtungsmaschine heimischer Arten, der kaum noch Herr zu werden sein wird. (ea)

Gefährlich werden die Tiere zudem nicht nur für andere Tiere, auch für den Menschen birgt die Größe der wehrhaften Schnappschildkröten eine Gefahr, die mittlerweile auch an Badegewässern ihre Eier ablegen. Foto: Scottslm/Pixabay