Alkoholverbotszonen – zwei Sichtweisen, zwei Seiten einer Medaille

Es sind zwei Sichtweisen, zwei Seiten der gleichen Medaille, kommt es in Gesprächen zu den Alkoholverbotszonen in Viersen. Vor rund zwei Jahren gestartet, sieht die Stadt Viersen eine positive Veränderung der Vorfälle, durch die Spaltung der Gruppen hat sich Wahrnehmung innerhalb der betroffenen Anwohner, Passanten und Händler jedoch meist negativ gestaltet oder nicht verändert. 
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Viersen – Die Ausführungen der Verwaltung, die für den kommenden Ordnungs- und Straßenverkehrsausschuss zu den Alkoholverbotszonen in Viersen zusammengestellt wurden, sind durchweg positiv. Vor zwei Jahren zunächst in bestimmten Bereichen der Viersener Innenstadt gestartet und vor einem Jahr auf Teile des Casinogartens ausgedehnt, seien die Störungen der Allgemeinheit signifikant rückläufig. Ebenfalls die Befürchtungen, dass durch die Verbotszonen eine Verlagerung der Szene erfolgte, hätten sich nicht bewahrheitet. Tatsächlich habe sich die ehemalige „Trinkerszene“ in kleinere Grüppchen aufgespalten, die zwar immer noch im Stadtgebiet zu verzeichnen seien, aufgrund der geringen Personenstärke der einzelnen Gruppen führe dies jedoch im Regelfall nicht zu übermäßigen Belästigungen der Allgemeinheit.

Rheinischer Spiegel im Dialog – Die Stadt Viersen erwägt die Verlängerung des Alkoholverbots in Teilen der Viersener Innenstadt. Wir waren vor Ort und befragten Passanten, Händler und Anwohner zu ihren Erfahrungen. Überwiegend wurde dabei von negativen Eindrücken und von einer Verlagerung der Brennpunkte berichtet. Hat sich die Situation verbessert? Hat sie sich verschlechtert? Wie ist Ihre Meinung? Schreiben Sie uns (redaktion@rheinischer-spiegel.de)!

Wie unterschiedlich dies wahrgenommen wird, wird offensichtlich, wenn Bürger befragt werden, die täglich mit den kleinen Gruppen in Kontakt kommen, denn aus den bisherigen Brennpunkten Lyzeums- oder Casinogarten, hat sich die Szene nicht nur in den alten Stadtgarten, sondern auch in die Fußgängerzone oder Randparks, darunter am Steinkreis, verlagert – was fehle sei die Möglichkeit einer „Anlaufstelle“, vor allen Dingen mit Blick auf die Verlängerung des Alkoholverbotes, wie es zurzeit von der Stadt Viersen geplant ist. Diese allerdings wird von der Stadtverwaltung nicht als zielführend erachtet.

Foto: pl/Rheinischer Spiegel

Bereits 2018 war eine solche Anlaufstelle von Mitgliedern des Ordnungs- und Straßenverkehrsausschusses zur Sprache gebracht worden, weshalb sich die Verwaltung bei der Stadt Dortmund zum dortigen Projekt Café Berta informiert hatte. Das Café steht für Beratung und Tagesaufenthalt zur Verfügung und wurde bereits 2012 eröffnet. Nicht nur die Größenverhältnisse wären allerdings nicht auf Viersen zu übertragen, auch stünde innerhalb der Viersener Innenstadt keine entsprechende Lokalität zur Verfügung.

Neben den enormen Kosten für Betreuung und Miete sieht die Stadt Viersen zudem die Gefahr in einer Sogwirkung auf die Alkoholszene in den benachbarten Städten: „Eine stationäre Anlaufstelle nach Beispiel der Stadt Dortmund wird auch aufgrund der zahlenmäßig überschaubaren Anzahl (alkohol-)abhängiger Personen, aber auch aus finanziellen Gründen sowie der Gefahr einer Sogwirkung auf entsprechendes Klientel umliegender Kommunen ordnungsbehördlich nicht als notwendig und zielführend erachtet.“ Die aktuellen Planungen sehen keine Ausweitung der Alkoholverbotszonen vor, allerdings eine Verlängerung des Zeitraums der bereits bestehenden Zonen und ein weiteres Zusammenwirken mit der Sozialverwaltung sowie begleitenden Maßnahmen von „Kontakt, Rat, Hilfe“. (dt)

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