Alles was das Herz begehrte: Vom Elfenkostüm bis zum Königinnenkleid

Bereits am Morgen stöberten zahlreiche Interessierte durch die Gänge des Süchtelner Josefshauses bei der Kostüm- und Schützenkleiderbörse, die die Sebastianerinnen mittlerweile im 15. Jahr ausrichteten.

Viersen-Süchteln – Das grüne Kostüm mit den bunten Blumen, das sollte es für Lia (9) sein. Mit großen Augen stand sie davor und versuchte mit aller Macht ihre Mutter zu überreden, die gerade selbst ein Stück ausgewählt hatte – ein blaues Schützenfestkleid mit weißer Spitze. An allen Ständen wird gestöbert, Erfahrungen zu den verschiedenen Kleidern werden ausgetauscht.
Mittlerweile seit 15 Jahren veranstalten die Damen der St. Sebastianus Bruderschaft Süchteln Sittard 1407 die Schützenkleiderbörse, in den letzten Jahren ist die Kostümbörse passend zur närrischen fünften Jahreszeit hinzugekommen. Die Idee selbst entstand bei dem Besuch einer ähnlichen Börse in Mönchengladbach, bei dem sich die mittlerweile 22 Sebastianerinnen dachten: ‚Das können wir doch auch!‘ – schließlich hingen in den Kleiderschränken der St. Sebastianus-Gruppe, die selber im Karnevalszug in Süchteln mitzieht, bereits viele ungenutzt Kostüme.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Kurzerhand wurde die Idee umgesetzt und bis heute zieht die Kleiderbörse in jedem Jahr mehr Käuferinnen an.
„Es wäre viel zu schade, die Kostüme oder Schützenfestkleider wegschmeißen zu müssen“, sagte eine der Verkäuferinnen und zupft an dem dunkelgrünen Festkleid. „Und im Kleiderschrank werden die Stücke auch nicht besser.“ Zustimmendes Nicken von Elisabeth Weil, die auf der anderen Seite des Standes gerade ein rotes Kleid bewunderte. Selber ist sie seit rund 30 Jahren im Karneval und Schützenwesen in Brüggen aktiv und hat vor drei Jahren eine Freundin nach Süchteln begleitet.

„Seitdem komme ich jedes Jahr“, so Elisabeth Weil. „Und ich bin im letzten Jahr direkt mit drei Kleidern nach Hause gefahren.“ Ob es sie stört, dass die Kleider gebraucht sind? Nein, auf keinen Fall, ganz im Gegenteil, lächelte sie, gerade die Möglichkeit, dass so schöne Stücke nicht einfach in dunklen Schränken verschwinden würden, würde sie besonders reizen. Sie nahm das rote Kleid vom Kleiderhaken und hielt es sich an den Körper. „Ich glaube, das hier wird es sein“, schmunzelte sie und hatte direkt noch ein Kleid entdeckt, das ihre Augen aufleuchten ließ. (cs)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming