Altes Königssilber zurück bei der St. Paulus Bruderschaft in Mülfort

Für diesen denkwürdigen Tag hatte die St. Paulus Bruderschaft den Vorplatz von St. Paul festlich hergerichtet. Es stand die Segnung des nach 68 Jahren wieder zurückgekehrten Königssilbers an.
von RS-Redakteurin Marlene Katz

Mönchengladbach-Mülfort – Im Jahre 1928 wurde Die St. Paulus Schützenbruderschaft Mülfort gegründet und ließ durch den Mönchengladbacher Goldschmied Friedrich Prinz ein Königssilber herstellen. Vorne befindet sich ein großes Schild mit der Jahreszahl 1928, dem Wappen von Odenkirchen und mit den Namen der Könige bis 1948. Die einzelnen Glieder werden verbunden mit Emailleplatten in den Farben rot, gelb und blau, den Farben der damaligen Stadt Odenkirchen, zu der auch Mülfort gehörte. Hiervon gehen 15 Glieder ab, jeweils bestückt mit Münzen aus der Kaiserzeit.

Nach dem 2. Weltkrieg war alles anders in den Bruderschaften und so wurde die St. Paulus Bruderschaft 1948 ruhend gestellt.

Da aber viele Bürger der Ortschaft nicht ohne Schützenfest sein wollten, gründeten sie 1950 die Bürgerschützengesellschaft Haus Altenbroich.

Im Jahre 1953 muss dann etwas Gravierendes geschehen sein, denn irgendjemand hat das Silber an sich genommen und seitdem war es verschwunden. Wie sich jetzt herausstellte, war das Silber die ganze Zeit über im Besitz des damaligen Pfarrers Heinrich Justen (*1914 – 1974). Dieser bewahrte es im Pfarrhaus auf. Durch seinen plötzlichen Unfalltod konnte der Hausrat nicht ordnungsgemäß an seinen Nachfolger Josef Lind übergeben werden und so verblieb das Silber im Pfarrhaus. Als Lind 1986 nach Viersen versetzt wurde, nahm er alles aus dem Pfarrhaus mit, so auch das Königssilber.

Im Jahre 1978 bereits begann der Brudermeister Hans Dieter Möller mit der Suche nach dem Silber. Durch Nachforschungen wurde dann ermittelt, dass Pfarrer Lind in Viersen dieses Silber verwaltete. Auf gut Glück fuhren Mitglieder der Bürgerschützengesellschaft nach Viersen, um dieses wieder zurückzuholen. Aber vor ihnen musste wohl jemand in Viersen gewesen sein, um es abzuholen. Es blieb weiterhin verschollen.

Am 22. September 2001 wurde dann aus der Bürgerschützengesellschaft die wieder gegründete St. Paulus Schützenbruderschaft, die in den Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften aufgenommen wurde. Die Aufnahmeurkunde wurde während eines Gottesdienstes am 19. Januar 2002 überreicht.

Bundespräses Dr. Heiner Koch hatte es sich nicht nehmen lassen, das Festhochamt am Schützensonntag zu zelebrieren, um die neue Bruderschaft willkommen zu heißen.

Irgendjemand hat dann Anfang 2009 das schlechte Gewissen geplagt und er wollte das Silber nicht mehr zu Hause haben. Er wandte sich deshalb an einen Priester mit dem Verbot, die Bruderschaft dürfte es nicht zu Gesicht bekommen.

Der Priester beriet sich mit einer dritten Person, die ihm ein Museum vorschlug. So wurde es dann auch gemacht.

Im Mai 2021 traf es den Brudermeister Hans Dieter Möller wie einen Paukenschlag, als er einen anonymen Brief erhielt und darin erklärt wurde, wo sich das Silber aufhalte und wie es aussieht. Es befand sich seit 11 Jahren im Museum Schloss Rheydt.

Möller sowie der Präses der Bruderschaft, Pfarrer Achim Köhler, nahmen Kontakt zum Museumsleiter Dr. Karlheinz Wiegmann auf und die Mitarbeiterin Nina Schulz holte eine kleine Holzkiste aus dem Archiv, in dem sich das Königssilber und ein Zettel mit dem Namen Heinrich Justen befand.

So kam es endlich wieder in die Hände der Bruderschaft und wurde den Mitgliedern und geladenen Gästen in einer feierlichen Zeremonie vorgestellt.

Hierzu zogen in einer kleinen feierlichen Prozession aus der Kirche St. Paul die Messdiener sowie Bezirkspräses Pfarrer Johannes van der Vorst, Bruderschaftspräses Pfarrer Achim Köhler, Monsignore Tomo Kuesevic aus Sarajevo und Diakon Klemens Kölling auf den Vorplatz der Kirche. Die Totenehrung mit Kranzniederlegung erfolgte unter den Klängen der Rurtaler Musikanten.

Möller und Köhler begrüßten neben den Mitgliedern und Zuschauern den stellvertretenden Diözesanbundesmeister Hans-Willi Pergens (re.) sowie Bezirksbundesmeister Horst Thoren.

Jetzt wurde es für die Anwesenden spannend. Jungkönigin 2020 Janina Passage und Ritterin Christina Silva trugen das kostbare Silber aus der Sakristei, wo Marlene Katz aufgepasst hatte, auf den Vorplatz der Kirche.

Präses Achim Köhler segnete das alte (neue) Königssilber und übergab es in die Hände der Bruderschaft. Auch die übrigen Silberketten wurden bei dieser Gelegenheit gesegnet.

Bezirksbundesmeister Horst Thoren begann seine Begrüßung mit den Worten: es ist ein schöner Tag, ein Tag der Freude. Es ist ein Tag, auf den die Bruderschaft so lange gewartet hat. Das Silber wurde in einer schwierigen Zeit angeschafft, ging dann 1953 verloren, aber ist jetzt zurück und es ist wertvoll im ideellen Sinn. Die Bruderschaft pflegt die Tradition aus Überzeugung und jeder der in Zukunft dieses Silber trägt, steht für die Gemeinschaft. Er gratulierte weiter zu diesem Fund und hofft, dass das Silber mit Stolz getragen wird.

Nach dem Spielen der Nationalhymne zogen die Messdiener, das wiedergefundene Silber, die Bruderschaftler sowie die Geistlichkeit unter den Klängen von Tochter Zion in die Kirche ein, um die Hl. Messe zu feiern. Pfarrer Köhler ging in seiner Predigt noch einmal auf die Odyssee des Königssilbers ein.

Der Abschluss dieses vormittags war ein geselliges Zusammenkommen von Freunden unter Freunden.