Analoge Fotografien ergänzen das Viersener Stadtfenster

Die analogen Fotografien von Johannes Wobus sind Zeitzeugnisse mit fast morbidem Charme, fangen sie doch einen Hauch des Verfalls in verlassenen Orten ein. Der Leipziger hat die Wende als Jugendlicher miterlebt, überzeugt mit seinen Lost Places-Dokumentationen, die den Verfall, Kälte und Feuchtigkeit ausstrahlen. Eine Auswahl seiner Werke ist aktuell im Viersener Stadtfenster zu sehen.

Foto: Rheinischer Spiegel

Viersen – Graue DDR-Vergangenheit bietet eine perfekte Kulisse für eine künstlerische Reihe analoger Fotografien des Leipzigers Johannes Wobus. Einsamkeit, Rost und Staub spiegeln sich wieder auf den Zeitzeugnissen. Leipzigs Lost Places sind verlassene Wohngebäude, Kasernen, Fabrikanlagen, die nicht selten längst dem Untergang geweiht sind. Ihrem besonderen Reiz verfallen ist der Johannes Wobus, der es sich zur Aufgabe gemacht hat Leipzigs Lost Places fotografisch zu dokumentieren und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seine Werke stellt bis zum 1. August das „Guckloch – Das Viersener Stadtfenster aus“.

„Lost Places üben eine besondere Anziehungskraft auf uns aus. Immer mehr tauchen Bilder auf, erzählen von urbanen Abenteuern und Vergänglichkeit“, so Stadtfenster-Initiatorin und Viersener Unternehmerin Iris Kater. „Sie faszinieren nicht nur den Fotografen, sondern ebenfalls den Betrachter und diese Faszination herauszuarbeiten gelingt Johannes Wobus.“ Immer auf der Suche nach besonderen Strukturen, Einzigartigkeiten und Texturen ist der Künstler. Das können angeschriebene Hinweise, Lichtstimmungen, Muster, Farben, interessante architektonische Elemente oder Materialen sein, die Johannes Wobus dokumentiert. Er lässt sich dabei immer von seinem Spürsinn für das Einzigartige leiten. Jedes Objekt ist einzigartig, unterschiedlich zugänglich und birgt fast immer Geheimnisse, die es für Johannes Wobus zu ergründen gilt. Mal ist es Mobiliar, das erstaunlicherweise zurückgelassen wurde, mal sind es handschriftliche Dokumente – stumme Zeugen, denen Johannes Wobus mit seiner Kamera eine Stimme gibt.

Foto: Rheinischer Spiegel

Johannes Wobus Lost Places sind eine Sammlung, die immer wieder um neue verlassene Orte ergänzt wird. Er kehrt immer wieder zurück, lässt sich immer wieder von neuem in den Bann ziehen. Er hält den zunehmenden Verfall fest und entdeckt immer wieder neue Motive. Neue verlassene Orte entdeckt er selbst oder wird von seiner Internet Gemeinde auf Lost Places aufmerksam gemacht. Johannes Wobus Lost Places sind aber auch Zeugnisse deutsch-deutscher Geschichte. Sie dokumentieren Besatzung, Planwirtschaft, das Leben in der DDR.

Dazu kommen fotografische Experimente, die jetzt in Viersen zu sehen sind. Selbst gemixte Entwicklerlösungen mit ungewöhnlichen Komponenten (bspw. Rotwein) sorgen für überraschende Effekte. Auch die verwendete Fototechnik hat es in sich. Bewusst wird teilweise eine russische Zenith Kamera eingesetzt mit recht seltenen Objektiven. Bei den Fotopapieren sucht Wobus gezielt nach älteren Posten von Qualitätspapier und spielt mit der Alterung des Materials. Natürlich gibt es auch moderne Aufnahmen, die mit aktuellen Digitalkameras erstellt werden. Viel Charme haben jedoch die handgefertigten Abzüge in Schwarz Weiß oder die bewusst veränderten Farbaufnahmen aus dem eigenen Labor. Mehr auf Momentaufnahme (cs/Wobus & Lehmann GbR)