Analyse der IHK zum Jahreswechsel: IHK kritisiert Viersener Steuererhöhung

Die Ankündigung von Politik und Verwaltung der Kreisstadt Viersen, im Jahr 2019 den Gewerbesteuerhebesatz (von 450 auf 460 Punkten) und den Grundsteuerhebesatz (von 450 auf 495 Punkten) zu erhöhen, kritisiert Steinmetz: „Viersen muss angesichts des Fortzugs beziehungsweise teilweisen Fortzugs bedeutender Betriebe für ansiedlungsinteressierte Unternehmen attraktiver werden. Das wird mit steigenden Steuersätzen nicht gelingen.“

Foto: Steve Buissinne

Viersen/Region – Die Unternehmen im Kreis Viersen gehen zuversichtlich ins Jahr 2018. Die Geschäftslage ist gut, und die positiven Erwartungen weisen darauf hin, dass die konjunkturelle Lage solide bleibt. Dies zeigt eine Analyse der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein nach Auswertungen eigener Daten und amtlicher Statistiken von IT.NRW. „Es war konjunkturell ein gutes Jahr für die Wirtschaft am Mittleren Niederrhein und auch für die Unternehmen im Kreis Viersen“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. „Wir erwarten im kommenden Jahr eine Fortsetzung der zurzeit guten Lage.“ Sorgen bereitet den Unternehmen allerdings vor allem der Fachkräftemangel, der immer mehr zu einem Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Betriebe wird.

Im Rahmen der jüngsten Konjunkturumfrage bezeichneten 47 Prozent der Unternehmen im Kreis Viersen ihre Geschäftslage als „gut“, nur 14 Prozent als „schlecht“. Zu Jahresbeginn 2017 war die Einschätzung der Betriebe noch etwas verhaltener: 29 Prozent nannten ihre Geschäftslage „gut“, 8 Prozent „schlecht“. Auch die Industrie im Kreis machte im Jahr 2017 bessere Geschäfte als im Vorjahr. Das Verarbeitende Gewerbe steigerte seine Umsätze von Januar bis Oktober um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Plus war damit allerdings geringer als in NRW (5,8 Prozent) und der Region Mittlerer Niederrhein (9 Prozent) im Durchschnitt.

Die positive konjunkturelle Lage ist auch am Arbeitsmarkt spürbar. Die Anzahl der Arbeitslosen liegt um 6,9 Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres. „Wir denken, dass sich dieser positive Trend im Jahr 2018 fortsetzt“, erklärt Steinmetz. So planten die Unternehmen im Kreis, auch im Jahr 2018 ihre Beschäftigtenzahl per Saldo zu erhöhen. 20 Prozent der Betriebe möchten weitere Mitarbeiter einstellen, 8 Prozent befürchten eine Kürzung der Beschäftigtenzahl. „Die Frage ist, ob die Unternehmen mit Personalbedarf auch geeignete Mitarbeiter finden“, erklärt Steinmetz. „Schließlich wird der Fachkräftemangel auch im Kreis Viersen zu einer immer stärkeren Konjunkturbremse.“ Mittlerweile ist für 31 Prozent der Unternehmen der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern ein wesentliches Risiko für die weitere konjunkturelle Entwicklung. Noch im Herbst 2014 hatte der entsprechende Wert bei 19 Prozent gelegen.

Auch für das Jahr 2018 rechnet der IHK-Hauptgeschäftsführer damit, dass die Unternehmen im Kreis Viersen von der positiven Konjunktur profitieren: „28 Prozent der Betriebe von noch von einmal besseren Geschäften in den kommenden sechs Monaten aus, 6 Prozent befürchten eine Verschlechterung ihrer Situation.“

Die gute wirtschaftliche Lage 2017 hat auch dazu geführt, dass die Kommunen im Bezirk der IHK Mittlerer Niederrhein auf weitere Erhöhungen der Gewerbesteuer verzichtet haben. „Die konjunkturell bedingt höheren Steuereinnahmen verschaffen den Kämmerern Luft“, erläutert Steinmetz. „Diese gute Phase sollten die Städte und Gemeinden nutzen, um ihre Kommunalfinanzen krisenfester zu machen.“ Es sei derzeit nicht einzuschätzen, ob die Konjunktur über das Jahr 2018 hinaus weiterhin auf einem derart hohen Niveau bleibt. Der IHK-Hauptgeschäftsführer warnt vor weiteren Steuererhöhungen: „Die Steuererhöhungswelle zwischen 2010 und 2016 hat gezeigt, dass in Zeiten knapper Kassen zuerst an der Steuerschraube gedreht wird – das hat der Standortqualität geschadet.“

Die Ankündigung von Politik und Verwaltung der Kreisstadt Viersen, im Jahr 2019 den Gewerbesteuerhebesatz (von 450 auf 460 Punkten) und den Grundsteuerhebesatz (von 450 auf 495 Punkten) zu erhöhen, kritisiert Steinmetz: „Viersen muss angesichts des Fortzugs beziehungsweise teilweisen Fortzugs bedeutender Betriebe für ansiedlungsinteressierte Unternehmen attraktiver werden. Das wird mit steigenden Steuersätzen nicht gelingen.“