Anna und die Operationen an ihren Händen

Schon als die kleine Anna auf die Welt kam, war sie anders. Anders als ihre beiden Brüder, die im Ausland geboren wurden, ist Anna in Deutschland zur Welt gekommen, spricht wie ihre Familie gut Deutsch und ist voll integriert. Aber dennoch ist Anna anders als die meisten Kinder dieser Welt. Denn ihre beiden Händchen wiesen Fehlbildungen auf. Sie waren so genannte Spalthände. Nur eines von 100.000 Kindern wird so geboren. An ihrer linken Hand hatten sich zudem zwei Daumen ausgebildet – diese Wahrscheinlichkeit liegt bei 1:3.000. Und beide kleinen Finger waren proportional zu klein.

Viersen-Süchteln – „Wir wollten Anna aber nicht nur vor dem Anderssein bewahren“, erläutert Dr. Valérie Stephan, Chefärztin der Klinik für Chirurgie mit Schwerpunkt Hand- und Plastische Chirurgie am St. Irmgardis-Krankenhaus Süchteln, die Notwendigkeit der Operation.

„Die Eingriffe hatten auch ganz praktische Gründe. Anna sollte ihre Hände auch wirklich nutzen können.“ Denn durch die Fehlbildungen war keines ihrer Hände normal funktionsfähig.

Ein langer Weg liegt vor Anna

Die Eltern stellten sie bei Valérie Stephan vor, als Baby Anna gerade einen Monat alt war. Es bedarf mehrerer Operationen, um beide Hände vollständig wieder­herzustellen. Die erste fand vor einem Jahr statt, um ein normales Wachstum des linken Daumens zu gewährleisten. „Der schwächere des doppelten Daumens wurde entfernt, für den verbleibenden mussten wir alle Bänder und Sehnen rekonstruieren. Außerdem mussten wir das Nagelbett plastisch modellieren“, berichtet die Chefärztin. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn inzwischen wächst ihr Nagel bereits fast normal nach. Und nach intensiver Ergotherapie kann Anna mit dem Daumen bereits richtig greifen.

Vor kurzem erfolgte der zweite Eingriff, bei dem die linke Spalthand operiert wurde. Auch hier verlief alles nach Plan, die Wundheilung schritt gut voran und „die Stellung der Fingerchen ist wieder so, wie sie sein soll“, freut sich die Chefärztin. Ob die Behebung der rechten Spalthand im nächsten Jahr durchgeführt werden kann, ist noch unklar. Denn der Familie wurde kein Asyl gewährt.

„Mit den Operationen wurde und wird der kleinen Anna der fast normale Einsatz ihrer Hände ermöglicht. Und sie bewahren sie vor dem Stigma, anders zu sein. Wir sind froh, ihr und damit auch ihrer Familie so helfen zu können, denn in ihrem Heimatland Syrien sind solche Eingriffe derzeit nicht möglich“, so Thomas Becker, der Kaufmännische Direktor des Hauses.

Foto: St. Irmgardis