Anne-Frank-Gesamtschule: Vorabi im Container

Seit Montag lernen die 627 Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule in zweistöckigen Containern am Pestalozziweg. Während die Schüler froh sind, dass die Heizung funktioniert, gibt es nicht nur Unmut bei den Vorabi-Klausuren, denn in die untere Etage der Container hallen Schritte und stören die Konzentration. 

Viersen – Bereits im Dezember hatte der Aufbau der 120 Container begonnen, die als Ausweichquartier für die Schülerinnen und Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule (AFG) dienen werden. Seit Anfang dieser Woche sind die Schülerinnen und Schüler eingezogen und deshalb lassen wir jemanden berichten, der die ersten Tage hautnah miterlebt hat:

„Am Montag war der erste Schultag am neuen Standort am Pestalozziweg. Für uns hieß es die erste Vorabiturklausur zu schreiben. Wir konnten von Glück reden, dass wir einen Ort hatten, an dem wir die Klausuren schreiben konnten. Denn wären die Schüler und Schülerinnen der 9. Klasse anwesend gewesen und nicht im Betriebspraktikum hätte sich die Suche nach einem freien Raums schwierig gestaltet. Das Grundschulgebäude war am Montag aufgrund der Bauarbeiten geschlossen und in dem Hauptschulgebäude gibt es nicht genügend Räume, um in Ruhe ein Klausur zu schreiben, welche 4 Stunden und 50 Minuten gedauert hat. Es wurden also in den Containern, welche im „Erdgeschoss“ sind, die Klausur geschrieben. Die Räume sind gut ausgestattet mit Tischen, Stühlen, Schränken, manchmal sogar Pflanzen, welche die jeweiligen Klassenlehrer vom Standort Lindenstraße mitgebracht haben. Die Fenster lassen sich öffnen und man hat nicht mehr die Angst vom geöffneten Fenster erschlagen zu werden, da die Scharniere nicht mehr in Ordnung sind – so wie es an der Lindenstraße war“, störend empfand sie vor allen Dingen die Schüler der 10. Klasse, die in den Containern über ihnen Unterricht hatten und deren Schritte zu hören waren.

„Außerdem haben sie sich in den Pausen auf dem Schulhof neben den Containern aufgehalten, was auch sehr störend war. Denn bei uns hieß es höchste Konzentration. Meiner Meinung nach sollte man die Schüler bei der nächsten Vorabiturklausur auf den Schulhof der Grundschule schicken, so haben wir Ruhe und können uns voll und ganz auf die Aufgaben konzentrieren. Nach fast fünf Stunden war die Klausur vorbei und wir hatten Schule aus. Ich denke, nach den ersten drei Tagen konnte sich jeder Schüler ein gutes Bild vom neuen Standort machen. Hier nur ein Ausschnitt bestehend aus meiner Meinung, Meinungen die man auf dem Flur aufgeschnappt hat oder in Unterrichtsdiskussionen aufgenommen wurden und Meinungen, der Lehrer.
Die Sanitäranlagen sind schmutzig und man muss sich fast auf den Boden setzen um als Frau anständig und ohne Probleme sein Geschäft zu verrichten. Das Hauptschulgebäude macht von außen einen ziemlich schäbigen Eindruck. Die Räume der Hauptschule sind nicht sonderlich schlimm, aber die eigentlichen Fachräume für den Bio- oder Chemie-LK sind nicht ordnungsgemäß ausgestattet, meiner Meinung nach. Im Gegensatz zur Lindenstraße fehlen ordnungsgemäße Tische, welche hoch genug sind um Experimente zu machen. Denn diese sollte man laut Vorschrift im Stehen ausführen. Momentan fehlt außerdem eine richtige Schulklingel, welche signalisiert wann der Unterricht anfängt und endet. Deswegen wird meistens leider der Unterricht überzogen und die Zeit zum Raumwechsel verkürzt sich. Im Treppenhaus des Hauptschulgebäudes riecht es momentan sehr muffig und nach „feuchtem Keller“. Manche Lehrer vermuten, dass sich irgendwo Schimmel ausbreitet, aber laut der Stadt soll dies geprüft worden sein. Zum Grundschulgebäude lassen sich bis jetzt kaum Aussagen treffen, da dieses wegen noch laufender Bauarbeiten gesperrt ist.

Vereinzelt fanden schon die ersten Unterrichtsstunden statt, aber zum Großteil wurden die Stunden in anderen Räumen ausgeführt. Ich selber hatte dort schon eine Stunde und kann sagen, dass die Räume in Ordnung sind. Trotzdem will man so wenig wie möglich anfassen, da die Lehrer uns selber sagen sie müssten einen Schrank vier Mal auswaschen, bis dieser endgültig sauber ist. Die Flure sind noch ziemlich dreckig und es steht Werkzeug herum, aber das darf man den Bauarbeitern nicht übel nehmen. Die wollen auch nur ihre Arbeit verrichten und stören uns damit auch nicht erheblich. Jedoch möchte ich noch auf eine Aussage meiner Lehrerin zurückkommen. Sie leider unter einer Hausstauballergie und für sie ist es momentan kein schöner Schulalltag. Aufgrund von dem ganzen Staub und Dreck und der schlechten Luft im Flur der Hauptschule ist leidet sie sehr unter ihrer Allergie. Das tut sogar mir als Schüler sehr leid, denn die meisten Lehrer bleiben ja noch länger da als wir Abiturienten. Ein weiterer negativer Punkt ist die Busanbindung. Für die Schüler und Schülerinnen der Q2 (d. h. Schüler und Schülerinnen der Jahrgangsstufe 12 + 13) fängt der Unterricht teilweise um 7.55 Uhr an und endet teilweise um 16.15 Uhr.
An der Lindenstraße war dies kein Problem, die meisten Schüler kamen pünktlich (außer die Chaoten, die immer zu spät kommen). Aber nun stehen viele Schüler vor dem Problem, dass sie wenige Minuten zu spät kommen oder nachmittags ihren Bus nicht kriegen. Die 019, welche in Richtung Grefrath/Vinkrath fährt, kommt leider ab 15 Uhr nur einmal in der Stunde und das um viertel nach. Ich und viele andere Schüler kommen somit erst sehr spät nach Hause, wenn die Lehrer ihren Unterricht streng bis zum Ende durchziehen wollen. Mit den meisten Lehrern lässt sich aber reden und sie verstehen die Problematik.
Weiterer negativer Aspekt, es gibt keinen Wasserspender noch eine Cafeteria. Klingt harmlos, aber wenn man einen 8 Stunden Tag hat und viel denken muss, grade in den letzten Zügen vom Abitur, dann wünscht man sich auch nachmittags um drei nochmal frisches Wasser aus dem Wasserspender oder in der Mittagspause einen kleinen Snack vom Schulkiosk. Laut Lehreraussagen ist dies aber in Bearbeitung und nach Karneval soll dann eine Cafeteria öffnen, vom Wasserspender gibt es bis jetzt keine Information. Ich hoffe ich konnte somit einen wahren Einblick in den momentanen Schulalltag am neuen Standort gewähren und nicht eine kleine Lügengeschichte um den neuen Standort erschaffen. Leider habe ich in der bisherigen Berichterstattung nur Positives gelesen, aber das zeigt nicht die wahren Begebenheiten auf.
Ich hoffe, dass in Zukunft alles reibungslos verläuft und wir als Abiturienten nicht zu sehr von dem Umzug gestört werden. Auch für alle anderen Schüler hoffe ich, dass die von der Stadt vorgesehenen 15 Monate ausreichen um die Lindenstraße wieder auf Vordermann zu bringen.“

Im vergangen Jahr war bei einer Prüfung festgestellt worden, dass unter anderem die über 200 Stützen und Riegel des Betontragwerks der Anne-Frank-Gesamtschule in einem enormen Ausmaß verwittert waren und eine Betonsanierung erforderlich wurde. Da die Standfestigkeit der Tragkonstruktion auf Dauer nicht gewährleistet werden konnte, bestand kurzfristiger Handlungsbedarf. Die Maßnahme „Energetische Sanierung Anne-Frank-Gesamtschule Lindenstraße“ mit der nun stattfindenden Sanierung ist im Haushaltsplan 2017 (inkl. mittelfristiger Finanzplanung bis 2018/2019) mit förderfähigen Gesamtkosten von rund 6,85 Mio. € veranschlagt, denen Fördermittel des Landes i.H.v. rd. 5,48 Mio. € gegenüberstehen – der städtische Eigenanteil beläuft sich auf rd. 1,37 Mio. €. Um das Gebäude der alten Hauptschule wieder nutzbar zu machen muss die Stadt Viersen fast 300.000 € anfassen, während die Miete und die Errichtung der Container mit fast 600.000 € zu Buche schlägt.

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