Artenschutzkonferenz in Düsseldorf: Wir-Gefühl für den Erhalt der heimischen Natur und Umwelt

„Gemeinsam schützen und fördern“ – unter diesem Titel wurde in dieser Woche, zwei Wochen nach der Weltnaturschutzkonferenz in China, im Umweltministerium in Düsseldorf über die aktuelle Situation und die Zukunft der Artenvielfalt in Nordrhein-Westfalen diskutiert.

NRW – „Wir haben gemeinsam bereits Vieles erreicht, um den Zustand unserer Natur zu erhalten und zu verbessern. Aber wir müssen gemeinsam noch schneller und ambitionierter werden, um diese Dekade zum Jahrzehnt des Artenschutzes machen“, appellierte Umweltministerin Ursula Heinen-Esser zum Auftakt der Artenschutzkonferenz.

Die Veranstaltung wird sowohl in Präsenz, als auch online durchgeführt. Insgesamt rund 200 Teilnehmer aus Natur- und Umweltschutz, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft sind der Einladung gefolgt. Es geht um ein überlebenswichtiges Thema. „Der Klimawandel und der Artenschwund sind existentielle Bedrohungen für Natur, Umwelt und uns Menschen. Oftmals verstärken Sie sich gegenseitig. Diesen Teufelskreis müssen wir unterbrechen. Die Ziele der Weltnaturschutzkonferenz müssen wir hier bei uns vor der eignen Haustür und in der Region erfüllen. Die Verbannung des Schottergartens und dauerhaft hell beleuchteter Straßen und Gebäude sind nur zwei kleine Beispiele, die in der Summe Großes bewirken können. Der Schutz der Natur ist Daseinsvorsorge“, sagte Heinen-Esser in ihrer Begrüßung.

Ziel müsse es sein, dass Best-Practice-Beispiele zur Regel werden. Heinen-Esser: „Eine insektenfreundliche Gesellschaft hat viele Gesichter – eine nachhaltige Landwirtschaft, klimastabile Mischwälder, renaturierte und wiederbelebte Gewässer, blühende Vorgärten, artenreiche Parks und Grünanlagen, weniger Lichtverschmutzung, weniger Flächenverbrauch. Corona und die Hitze- und Überschwemmungskatastrophen haben dazu geführt, dass viele Menschen den Wert der Natur wieder für sich entdeckt oder neu entdeckt haben. Dies ist eine gute Grundlage für ein neues Wir-Gefühl für den Erhalt unserer heimischen Natur und Umwelt.“

Kooperation und Forschung
Der Erhalt der Biologischen Vielfalt benötigt ein breites gesellschaftliches Bündnis. „Dabei setze ich auf Kooperation statt Konfrontation, auf Anreize statt Verbote. Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Städteplanung und Naturschutz müssen hier Hand in Hand arbeiten“, so die Ministerin. Eine wichtige Grundlage ist auch die Forschung. So ist in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2017 ein Projekt für ein landesweites Insekten-Monitoring gestartet. Bis 2022 werden auf 120 Probeflächen die Biomassen flugfähiger Insekten erhoben. Bis Ende 2021 werden in Kooperation mit der Universität Osnabrück Tagfalter und Heuschrecken untersucht.

„Damit schaffen wir eine valide Grundlage für ein dauerhaftes Insektenmonitoring in Nordrhein-Westfalen, das lückenlos fortgeführt und verstetigt wird. Das alles wird durch ein Netz von 40 Biologischen Stationen unterstützt, sie betreuen die Hälfte aller Naturschutzgebiete, und begleiten Arten- und Biotopschutzprojekte“, betonte die Ministerin. Kein anderes Bundesland hat eine vergleichbare Struktur. 2021 investierte das Land dafür Landesmittel in Höhe von 11 Millionen Euro.

Zusammenarbeit von Naturschutz und Landwirtschaft
Zur Förderung der Biodiversität bedarf es einer Landwirtschaftspolitik, die starke Anreize für ökologische Leistungen setzt. Schon heute arbeiten Naturschutz und Landwirtschaft erfolgreich zusammen. So ist die Zahl der Betriebe, die Agrarumweltmaßmaßnahmen umsetzen, zwischen 2016 und 2020 von 7.700 auf 11.500 gestiegen. Die betreute Fläche wuchs in diesem Zeitraum von 137.000 auf 295.000 Hektar. Im Jahr 2020 erhielten 5.314 Betriebe Förderungen für Vertragsnaturschutzmaßnahmen auf ca. 34.000 ha (plus 62%), im Jahr 2015 waren es 3.873 Betriebe auf ca. 21.000 ha.

Ein Erfolgsmodell ist die Biodiversitätsberatung. Sie wurde ausgebaut; zehn dauerhafte Stellen wurden neu geschaffen und allein in diesem Jahr rund 684.000 Euro für die Biodiversitätsberatung bereitgestellt. Auch die 14 Leitbetriebe Biodiversität wurden verstetigt und bis ins Jahr 2030 verlängert. Positiv ist auch die Entwicklung beim Ökolandbau: In 2015 erhielten etwa 1.331 Betriebe eine Förderung für etwa 49.511 Hektar, 2020 waren es 1.833 Betriebe und 68.900 ha (plus 39%). Künftig werden Fördermittel noch stärker an ökologische Leistungen gekoppelt: Jeder Euro Fördergeld aus Brüssel wird an noch höhere Umwelt-, Biodiversitäts- und Klimaauflagen geknüpft sein. Jährlich sind 25 Prozent der Direktzahlungen für zusätzliche Öko-Regelungen vorgesehen.

Foto: Johannes Plenio/Pixabay

Wälder mit und für die Zukunft
Das NRW-Waldbaukonzept zielt auf die künftige Entwicklung klimastabiler Mischwälder auf der Basis heimischer Laubhölzer ab, die sich positiv auf die Biologische Vielfalt auswirken. Zudem hat Nordrhein-Westfalen das Ziel der Nationalen Biodiversitätsstrategie, 10 Prozent des öffentlichen Waldes für die natürliche Entwicklung bereitzustellen, im NRW-Staatswald bereits übertroffen (Nationalpark Eifel, Naturwaldzellen, Wildnisentwicklungsgebiete). In einem eigenen Programm zur Erhaltung von Totholz („Biotopholzstrategie Xylobius“) konnten 23.362 sogenannte „Biotopbäume“ zum Stichtag 31.12.2020 im Staatswald erfasst werden.

Mehr Parks und Grün in die Städte
Städtisch geprägte Räume werden immer wichtiger für die Artenvielfalt.
Über den Förderaufruf „Grüne Infrastruktur NRW“ werden seit 2016 in rund 60 Maßnahmen mit ca. 65 Millionen Euro durch die EU und das NRW- Umweltministerium gefördert. Ziel des Aufrufes ist es, Gesundheit und Lebensqualität der Menschen durch mehr Grün und vernetztes Grün zu verbessern. Davon profitiert die Vielfalt der Arten und Lebensräume erheblich. Für die neue Förderperiode bis 2027 ist der Start des Förderaufrufs für Anfang 2022 vorgesehen. Weitere Förderprogramme bzw. Projekte zur grünen Infrastruktur werden im Rahmen der Konjunkturförderung des Landes, der Ruhr-Konferenz und des Rheinischen Reviers umgesetzt.

Naturnahe und lebendige Gewässer
Im Rahmen der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union sind bis 2027 über 10.000 Gewässer-Maßnahmen geplant. Sie alle haben zum Ziel, die Qualität der nordrhein-westfälischen Gewässer spürbar zu verbessern. Beispiele sind Neubau und Ertüchtigung von Kläranlagen, die Reduzierung von Schadstoff-Einträgen, die Entwicklung von Auen oder die Beseitigung oder Überbrückung von Hindernissen für die Fischwanderung. Im Rahmen des Wanderfischprogramms beteiligt sich Nordrhein-Westfalen an den internationalen Schutzmaßnahmen zur Wiederansiedlung bedrohter oder einstmals ausgestorbener Arten wie Aal, Lachs, Maifisch und Nordseeschnäpel.

Naturland Nordrhein-Westfalen
Neben 24 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche besteht Nordrhein-Westfalen zu 47 Prozent aus landwirtschaftlich genutzter Fläche, 27 Prozent Wald und 2 Prozent Gewässerfläche. Zusammengenommen durchströmen Nordrhein-Westfalen rund 50.000 km Flüsse und Bäche. Dieser Raum bietet rund 43.000 verschiedenen Tier-, Pilz- und Pflanzenarten in rund 70 verschiedenen Lebensräumen eine Heimat. Dabei steht mittlerweile 11,8 Prozent der Landesfläche unter Schutz. So besteht ein landesweiter Biotopverbund, der aus dem Nationalpark Eifel, 3.289 Naturschutzgebieten und 545 europäisch geschützten Natura 2000-Gebieten (FFH- und Vogelschutzgebiete) besteht. Diese geschützten Flächen werden ergänzt um Maßnahmen auf landwirtschaftlichen Flächen (Agrar-Umweltmaßnahmen) in Wäldern (NRW-Waldbaukonzept) und Ballungsräumen (Entwicklung einer Grünen Infrastruktur). (opm/land.nrw)