„Aufbruch 2017“: Ausgezeichnet für neue Arbeitsmarktchancen

Zu Beginn dieses Jahres entstand beim Jobcenter Kreis Viersen die Idee Betriebe zu prämieren, die auch Menschen eine Chance geben, die bereits längere Zeit arbeitssuchend sind. Nun konnten direkt zwei Viersener und ein Kempener Betrieb ausgezeichnet werden.

Viersen/Kempen – Im Juni wurden über 400 Betriebe im ganzen Kreisgebiet angeschrieben, die in den letzten zwei Jahren Menschen eingestellt hatten, die bereits längere Zeit ohne eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung waren. In die engere Wahl kamen 25 Betriebe, in die Jurysitzung schafften es zwölf.

Gerade diese Betriebe eröffnen arbeitslosen Menschen neue Arbeitsmarktchancen und sollen für ihre innovative Mitarbeit und ihr soziales Engagement geehrt werden.

In die engere Auswahl wurden Unternehmen gewählt, die in den letzten zwei Jahren auf das Potenzial der Kundinnen und Kunden des Jobcenters Kreis Viersen zurückgegriffen haben. Eine Jury aus Vertretern der Wirtschaft, der Verbände und der Politik sichtete und bewertete alle eingereichten Bewerbungen. Die Preisträger wurden nun im Rahmen einer festlichen Veranstaltung im Kreishaus Viersen ausgezeichnet. Die ersten drei Gewinner wurden hierbei in einem kurzen Imagefilm persönlich vorgestellt.

Dabei direkt zwei Unternehmen aus Viersen und auf dem ersten Platz die Mercoro GmbH aus Dülken. Die Firma, deren Name ein Mix aus den beiden Firmengründern Mertens und Coronator ist, wurde 2012 gegründet. Mertens selbst stand zu dieser Zeit im Alter von 58 Jahren vor der Entscheidung in Rente zu gehen oder einen neuen Lebensabschnitt mit einer Selbstständigkeit einzuschlagen. Mit seinem Kollegen wagte er den Sprung. Seit dieser Zeit haben sie zwölf Mitarbeiter eingestellt, von denen neun zuvor arbeitslos, teilweise langzeitarbeitslos waren. Die Firma, die sich auf den Vertrieb von Spiralhülsen für das Aufwickeln von Stoffen oder Folien spezialisiert hat rechnet derzeit damit in 2018 den Dreischichtbetrieb aufnehmen zu können. „Wir wollen Menschen eine Chance geben“, so Firmengründer Mertens bei seiner Ansprache, denn viele Arbeiten könnten ebenfalls mittlerweile von Robotern erledigt werden. Hier ist es jedoch anders und das zeigt sich auch darin, dass die Mitarbeiter maßgeblich an der Entscheidung beteiligt werden, wer als neuer Mitarbeiter eingestellt wird. Das Ergebnis ist ein entsprechend geprägtes Betriebsklima mit einem reibungslosen Ablauf untereinander.

Weiterhin ausgezeichnet wurde die Haustechnik Michael Smets aus Kempen, die 1994 gegründet wurde und im Bereich Sanitär- und Heizungsbau tätig ist. Acht Mitarbeiter sind hier mit Spaß bei der Arbeit, zwei der Verträge kamen vor rund einem Jahr durch Mitwirkung des Jobcenters zustande. Bei Smets beginnt der Tag noch mit einer gemeinsamen Kaffeepause und einem regen Austausch. So kann auch Michael Smets auf ein gutes Miteinander verweisen. Ein Miteinander zwischen Chef und Angestellten auf einer festen Vertrauensbasis – egal ob auf persönlicher, privater oder geschäftlicher Ebene.

Rundum geborgen und wohl fühlen sich daher ebenfalls im Viersener Haus Greefsgarten, dem Seniorenzentrum der Ev. Kirchengemeinde gGmbH, nicht nur die Mitarbeiter. Das Seniorenzentrum wurde mit dem dritten Platz des frisch gestarteten Wettbewerbes ausgezeichnet. Ein besonders familiäres und liebevolles Miteinander der Hausgemeinschaft ist hier das A und O. Das Unternehmen gibt Quereinsteigern eine neue berufliche Chance, auch, wenn zuvor Langzeitarbeitslosigkeit bestand. Es werden nicht nur viele interne Weiterbildungen angeboten, sondern auch Ausbildungen zu examinierten Pflegekräften, aber auch Verwaltungsfachangestellten oder Kauffrauen/-männern für Büromanagement. So wird hausintern dem Fachkräftemangel entgegengewirkt.

„Mit diesem Wettbewerb haben wir Arbeitgeber in einem würdigen Rahmen ausgezeichnet, die sich ganz bewusst dazu entschieden haben, Menschen eine berufliche Chance zu geben, die schon länger aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind“, erläutert Franz-Josef Schmitz, Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Viersen. „Die erzielten Erfolge zeigen eindeutig, dass die Richtung stimmt. Nun geht es darum, die Arbeitgeber in Zukunft noch mehr ins Boot zu holen und für die Thematik zu sensibilisieren. Auch das ist eine wichtige Intention des Wettbewerbs. Schließlich stecken auch in den Langzeitleistungsbeziehern Kompetenzen, die auf dem Arbeitsmarkt benötigt werden und dem Fachkräftemangel entgegenwirken.“  So sei natürlich eine Wiederholung des Wettbewerb geplant, allerdings gerne im Frühjahr, also erst in eineinhalb Jahren, wenn es nach Franz-Josef Schmitz geht. Die Firmen werden sicherlich einen Anstoß darin sehen den Blick einmal genauer über die Angebote des Jobcenters schweifen zu lassen und spätestens dann, wenn davon Langzeitarbeitslose profitieren können und eine neue Chance erhalten, hat die Idee dieses Wettbewerbes Früchte getragen. (dt)

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