Ausbildungsmarkt 2020: IHK, Arbeitsagenturen und Kreishandwerkerschaften ziehen gemeinsam Bilanz

Eingeschränkte Kontaktmöglichkeiten und Unsicherheit bei allen Beteiligten – die Corona-Pandemie hat die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in diesem Jahr deutlich geprägt und die Aktivitäten um mehrere Monate nach hinten verschoben.

Region – Gemeinsam betonen die Vertreter von Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, der Kreishandwerkerschaften Niederrhein und Mönchengladbach sowie der Agenturen für Arbeit Krefeld und Mönchengladbach: Unternehmen können weiterhin Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen, Bewerberinnen und Bewerber sich auch jetzt und in den kommenden Wochen noch auf Ausbildungsstellen bewerben.

Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein:
Die Zahl der bei der IHK neu eingetragenen Ausbildungsverträge lag (Stand 30. November) mit insgesamt 4.004 Verträgen unter dem Vorjahresniveau (4.448). Das entspricht einem Minus von 9,9 Prozent. Dabei ist die Lage in den Teilregionen des IHK-Bezirks unterschiedlich. „In Mönchengladbach liegt das Minus bei 15,1, im Rhein-Kreis Neuss bei 9,2, in Krefeld bei 7,9 und im Kreis Viersen bei 7,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz.

So wurden in Krefeld 1.045 (Vorjahr: 1.135) Verträge abgeschlossen, in Mönchengladbach 880 (Vorjahr: 1.036), im Rhein-Kreis Neuss 1.310 (Vorjahr: 1.442) und im Kreis Viersen 749 (Vorjahr: 810). Im kaufmännischen Ausbildungsbereich liegt der Rückgang bei minus 7,6 Prozent, im gewerblich-technischen Bereich bei minus 15,1 Prozent. Mit diesen Werten liegt der Bezirk der IHK Mittlerer Niederrhein im NRW-Vergleich auf dem zweiten Platz – das NRW-Minus liegt bei 13,8 Prozent.

„Diese Entwicklung stimmt uns vorsichtig optimistisch, denn ganz aktuell zum Stichtag heute, 9. Dezember, haben wir mit 4.010 neuen Ausbildungsverträgen ein Minus von 9,4 Prozent – gegenüber dem Stand vom 31. Dezember 2019. Da einige Verträge noch nicht eingerechnet werden konnten, werden wir das Minus bis zum Ende des Jahres sicher noch mal verringern. Die Aufholjagd in den vergangenen Wochen und Monaten war also erfolgreich“, sagt Steinmetz. Für das neue Jahr seien bereits Bewerbungsprozesse gestartet und Verträge geschlossen. „Viele Betriebe setzen weiterhin auf Ausbildung gegen den Fachkräftemangel“, ergänzt Daniela Perner, IHK-Geschäftsführerin des Bereichs Innovation, Bildung, Fachkräfte. Um ihren Mitgliedsunternehmen noch gezielter Unterstützung anbieten zu können, plant die IHK eine Befragung der neuen Azubis und der Ausbildungsbetriebe zu den Erfolgsfaktoren bei der Azubi-Rekrutierung.

Gleichwohl zeigten sich die Schülerinnen und Schüler bei Bewerbungen zurückhaltend. Umso wichtiger seien gemeinsame Aktionen an Schulen, so der IHK-Hauptgeschäftsführer. „Als IHK unterstützen wir den Prozess der Berufsorientierung und den Übergang von der Schule in den Beruf ganz intensiv durch Initiativen und Projekte wie Check In Berufswelt, passgenaue Besetzung, Vereinskontaktmanagement und Ausbildungsbotschafter.“ Dabei berät die IHK insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen, damit sie als attraktiver Arbeitgeber bei den Bewerberinnen und Bewerbern punkten.

„Hinter jeder freien Ausbildungsstelle verbergen sich Karriereperspektiven für Jugendliche. Wir hoffen, dass in den nächsten Wochen noch Ausbildungsbetriebe und junge Menschen zusammenfinden“, so Perner. Dabei sei der Einstieg über die Ausbildung und der Abschluss der Höheren Berufsbildung auch für Schulabgänger mit Hochschulzugangsberechtigung interessant. Die duale Ausbildung biete für jeden jungen Menschen individuelle Entwicklungsmöglichkeiten.

„Das gute Zusammenspiel aller Akteure hat dazu geführt, dass der Ausbildungsmarkt in diesem Jahr durch die Corona-Pandemie nicht komplett eingebrochen ist, sondern für viele Schulabgänger und Betriebe Perspektiven geboten hat“, so das Fazit des IHK-Hauptgeschäftsführers. „Nun gilt es, im neuen Jahr nicht nachzulassen und weiterhin gemeinsam für den hohen Stellenwert der dualen Berufsausbildung zu werben, damit auch 2021 viele Schüler und Ausbildungsbetriebe zusammenfinden. Nur so kann die Wirtschaftsleistung trotz Fachkräftemangel und demographischem Wandel wirksam gesichert werden.“

Gemeinsam mit den Arbeitsagenturen Krefeld und Mönchengladbach sowie den Kreishandwerkerschaften Niederrhein und Mönchengladbach zogen IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz und IHK-Geschäftsführerin Daniela Perner in einer gemeinsamen Video-Pressekonferenz Bilanz zum Ausbildungsmarkt 2020. Foto: IHK

Agentur für Arbeit Krefeld und Kreis Viersen:
Die Corona-Pandemie verändert die Situation auf dem Ausbildungsmarkt. Voraussichtlich wird eine deutlich größere Zahl Jugendlicher als sonst üblich zu einem späteren Zeitpunkt eine duale Ausbildung beginnen. Auch im Agenturbezirk Krefeld/Kreis Viersen sind alle Partner (Kammern, Berufsschulen etc.) auf einen späteren Ausbildungsstart eingestellt. Die notwendigen Rahmenbedingungen für einen Ausbildungsstart auch noch im Herbst und Winter wurden also geschaffen.

Insgesamt haben bisher mit 3.555 Bewerberinnen und Bewerbern 548 junge Leute weniger als im Vorjahr bei der Berufsberatung nach einer Ausbildungsstelle nachgefragt. Das ist ein Rückgang von 13,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ihnen standen 3.503 bei der Arbeitsagentur erfasste Ausbildungsstellen gegenüber. Dies ist ein um 399 Stellen (minus 10,2 Prozent) verringertes Angebot. Rein rechnerisch standen somit über das Ausbildungsjahr 100 Bewerberinnen und Bewerbern 99 Ausbildungsangebote offen (Vorjahr 100 zu 95).

„In diesem Jahr gibt es im 5. Quartal des Berufsberatungsjahres eine deutlich höhere Dynamik als in anderen Jahren. Die Pandemie verzögerte die Prozesse merklich, so dass auch jetzt noch Ausbildungsverhältnisse abgeschlossen wurden. Dies ist auch noch bis Ende Januar möglich. Für die Jugendlichen, die noch auf der Suche sind, gilt: Es gibt noch Chancen auf dem Ausbildungsmarkt“, so Dr. Bettina Rademacher-Bensing, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Krefeld.

Zum Ende des Berufsberatungsjahres am 30. September waren 405 Jugendliche bei der Agentur für Arbeit Krefeld/Kreis Viersen gemeldet, die noch eine Ausbildungsstelle suchten und auch noch keine Alternative gefunden hatten. Dies entspricht einem Rückgang von 22 Jugendlichen im Vergleich zum Vorjahr. Zu Ende September waren aber auch noch nicht alle Ausbildungsstellen besetzt. Für 321 Stellen, und damit für 38 weniger als im Vorjahr, waren die Arbeitgeber noch auf der Suche nach den geeigneten Auszubildenden. Zwei Monate später, Ende November, waren noch 287 Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz und 136 Ausbildungsstellen unbesetzt. In den letzten Wochen haben die Betriebe im Agenturbezirk noch 70 neue Ausbildungsstellen für dieses Jahr gemeldet. Es gibt also weiter Möglichkeiten auf dem Ausbildungsmarkt.

„Bei der angesprochenen Vielfalt und noch offenen Ausbildungsstellen gibt es auch jetzt noch Chancen. Der Prozess der Ausbildungssuche verläuft über das ganze Beratungsjahr. Wir werden auch in den nächsten Wochen gemeinsam mit unseren Partnern im Ausbildungskonsens weiter alle Anstrengungen unternehmen, diese Jugendlichen auf die freien Ausbildungsstellen zu vermitteln“, erläutert Rademacher-Bensing.

Jugendliche erreichen die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Krefeld/Kreis Viersen unter der 02151/92-2200. Den Ausbildungssuchenden bietet die Agentur für Arbeit viele Unterstützungsmöglichkeiten an: Neben der individuellen Beratung und der Vermittlung von Ausbildungsstellen können auch Kosten übernommen werden, die bei Vorstellungsgesprächen oder der Aufnahme eines weiter entfernten Ausbildungsplatzes anfallen.

Die Unternehmen bittet Rademacher-Bensing, freie oder zusätzliche Ausbildungs-stellen dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit zu melden. Betriebe erreichen diesen entweder unter der kostenfreien Servicenummer 0800 4 5555 20 oder direkt über den persönlichen Ansprechpartner. Hier werden auch Fragen zu einer möglichen Ausbildungsprämie geklärt.

Arbeitsagentur für Arbeit Mönchengladbach und Rhein-Kreis Neuss:
Am Ausbildungsmarkt in Mönchengladbach und im Rhein-Kreis Neuss zeigt sich eine für diese Jahreszeit ungewöhnliche Bewegung. Angela Schoofs, Geschäftsführerin der zuständigen Arbeitsagentur, bezeichnet das als „höchsterfreulich“. Dazu erklärt sie: „Wir hatten mit unseren Partnern am regionalen Ausbildungsmarkt im September angekündigt, dass wir den jungen Menschen trotz Corona alle Chancen auf einen Berufseinstieg noch in diesem Jahr ermöglichen wollen. Und inzwischen zeigt sich: Der Ausbildungskonsens hat sich bewährt. Alle haben die Botschaft verstanden, dass die duale Ausbildung gerade in Krisenzeiten eine gute Basis für die Zukunft bietet. Ausbilder gleichermaßen wie junge Menschen, die noch eine Ausbildung gesucht haben.“

Durch die Corona-Pandemie war es im Frühjahr zu einer Verzögerung am Ausbildungsmarkt gekommen. Die Schließung der Schulen fiel in die heiße Phase der Berufswahl, in der viele Jugendliche sich auf Ausbildungsplätze bewerben und üblicherweise die meisten Auswahlge-spräche stattfinden. Deshalb hatten sich die Partner am Ausbildungsmarkt auf eine Verlängerung des Ausbildungsstartes bis zum Jahreswechsel geeinigt. „Als Arbeitsagentur für Mönchengladbach und den Rhein-Kreis Neuss haben wir diese Zeit – das sogenannte fünfte Quartal – zu unzähligen Beratungsgesprächen genutzt, teils persönlich, viele telefonisch und immer öfter im Video-Chat“, berichtet Angela Schoofs. „Das Ziel unserer Berufsberatung ist es dabei immer gewesen, jedem Ausbildungssuchenden ein Stellenangebot oder eine Vorbereitungsmaßnahme zu unterbreiten.“ Ermöglicht haben das die Betriebe zwischen Rhein und Niers. „Uns freut es sehr, dass sie den jungen Menschen diese Chancen eröffnet haben“, bedankt sich Angela Schoofs bei den Unternehmen, die unter anderem in der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein, der Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach und der Kreishandwerkerschaft Niederrhein organisiert sind. Die Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Mönchengladbach verknüpft damit aber auch eine Hoffnung: „Es ist wichtig, dass wir alle gemeinsam eine Corona-Lücke am Ausbildungsmarkt für dieses wie auch für nächstes Jahr verhindern. Jede nicht besetzte Ausbildungsstelle bedeutet in Zukunft eine Fachkraft weniger.“

Die Angebote der Arbeitsagentur Mönchengladbach an Ausbildungssuchende und Betriebe werden über den Jahreswechsel hinaus Bestand haben. Damit meint Angela Schoofs nicht nur die seit Oktober noch einmal ausgeweiteten Hotline-Angebote der Berufsberatung. Vielmehr nehmen sie und ihr Team nun die Hilfen für jene in den Blick, die am liebsten sofort in eine Ausbildung starten würden, aber immer noch eine Stelle suchen oder bei einem verspäteten Einstieg in das laufende Ausbildungsjahr befürchten, zu viel Lehrstoff verpasst zu haben: „Bewährt hat sich die Möglichkeit, den Weg über eine Einstiegsqualifizierung zu gehen. Diese wird der regulären Ausbildung vorgeschaltet, die dann im nächsten Sommer beginnen würde. Aus-zubildender und ausbildender Betrieb lernen sich in der Zeit zuvor schon einmal bei der praktischen Arbeit kennen. Das dort Gelernte kann später angerechnet werden. Und eine finanzielle Unterstützung von der Arbeitsagentur gibt es auch.“

Beraten wird zur Einstiegsqualifizierung und über weitere berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen an den Hotlines der Arbeitsagentur: für Mönchengladbach 02161 4042500 oder für den Rhein-Kreis Neuss 02131 9542500 (Montag bis Donnerstag von 10 bis 15 Uhr, Freitag von 10 bis 12 Uhr).

Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach:
Durch die Corona-Krise ist der Ausbildungsmarkt in ein schweres Fahrwasser geraten. Der Shutdown im Zuge der Corona-Krise hat für Unsicherheiten bei Schülern, Bewerbern sowie bei ihren Eltern und Lehrern gesorgt, ob eine Ausbildung überhaupt stattfinden könne. „In den vergangenen Monaten hatten wir das Problem, dass es kein Matching zwischen Betrieben und Jugendlichen gab und auf den üblichen Wegen keine Berufsorientierung stattgefunden hat. Corona bedingt gab es keine Praktika und keine Ausbildungsmessen, persönliche Berufsorientierungsgespräche waren kaum durchzuführen“, erläutert Stefan Bresser, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach.

Erstmals seit Jahren sind die Ausbildungszahlen im Mönchengladbacher Handwerk rückläufig. Die Zahl der bei der Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach neu eingetragenen Ausbildungsverträge lag zum Stichtag 30. November mit insgesamt 400 Verträgen unter dem Vorjahresniveau (460 Ausbildungsverträge). Die Situation des regionalen Ausbildungsmarktes ähnelt dem bundesweiten Trend. Derzeit wurden in Mönchengladbach ca. 13 Prozent weniger neue Ausbildungsverträge abgeschlossen als gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Wie in den vergangenen Jahren sind die technisch anspruchsvollen Ausbildungsberufe, der Kfz-Mechatroniker (56 Ausbildungsverträge), der Elektroniker (61 Ausbildungsverträge), sowie der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung-, Klimatechnik (58 Ausbildungsverträge) die zahlenmäßig stärksten Ausbildungsberufe.

Bresser: „Bemerkenswert ist, dass Stand jetzt weniger Ausbildungsstellen gegenüber dem Vorjahreszeitraum besetzt werden konnten, demgegenüber aber die Zahl der nicht besetzten Ausbildungsstellen hoch ist.“ Im Bezirk der Handwerkskammer Düsseldorf sind derzeit etwa 2.500 Ausbildungsstellen nicht besetzt. „In Mönchengladbach gehen wir derzeit von etwa 60 unbesetzten Ausbildungsstellen aus. Derzeit bemühen wir uns, Betriebe und Azubis zusammenzubringen, so dass sich die Lage verbessert.“ Bei der Beratung der jungen Menschen werde immer wieder darauf hingewiesen, dass in „normalen Ausbildungsjahren“ das Ausbildungsverhältnis offiziell meist zum 01. August eines Jahres startet. „In diesem Jahr haben wir eine außergewöhnliche Situation. Daher ist der Einstieg in eine duale Berufsausbildung sogar noch zum Januar 2021 hin möglich“, so Bresser. „Man kann es also auf den Punkt bringen: Für eine gute Ausbildung im Handwerk mit besten Perspektiven für die Zukunft ist es nie zu spät.“ Nach wie vor sei der Fachkräftebedarf im Handwerk sehr hoch. Die handwerkliche Ausbildung biete beste Perspektiven und mit bestandener Prüfung auch hinreichende Möglichkeiten, sich weiter zu entwickeln. „Zusammenfassend kann man also sagen, dass die meisten Betriebe im Handwerk weiter ausbilden wollen und hier jungen Menschen zum Ausdruck bringen, dass Bewerbungen herzlich willkommen sind.“

Kreishandwerkerschaft Niederrhein Krefeld-Viersen-Neuss:
Das Handwerk in der Region konnte in diesem Jahr das Ausbildungsniveau vom letzten Jahr nicht erreichen. Zum Stichtag 30. November wurden im Bereich der Kreishandwerkerschaft Niederrhein Krefeld-Viersen-Neuss 1.432 Lehrverträge neu abgeschlossen (nach 1.635 im Vorjahr – minus 203 Verträge = – 12,42 Prozent).

Durch den Corona bedingten Lockdown im März dieses Jahres sind viele Veranstaltung und Initiativen zur Nachwuchswerbung und Berufsorientierung ausgefallen. Hinzu kam die große Unsicherheit bei Schülern und deren Eltern, ob eine Ausbildung überhaupt möglich ist. Und bei vielen Betrieben kam die Unsicherheit auf, ob man überhaupt eine Ausbildung in unsicheren Zeiten stemmen kann.

Besonders stark von der Corona-Krise waren die Berufe Friseur/in (- 36 Prozent) und die Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk Bäckerei (- 11,9 Prozent) und Fleischerei (- 64 Prozent), die Bäckerbetriebe (- 25 Prozent) sowie die Kaufleute für Bürokommunikation (- 32 Prozent) betroffen.

„Die Zahlen belegen aber, dass das Handwerk trotzdem nach wie vor für junge Menschen attraktiv ist“, sagt Klaus Koralewski, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein. „Gerade die technisch anspruchsvollen Handwerksberufe wie Elektroniker, Kfz-Mechatroniker oder Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bieten sehr sichere Arbeitsplätze und hervorragende Zukunftsperspektiven.“ Hinzu komme, dass zahlreiche Betriebe schon jetzt nicht nur gut ausgebildete Fachkräfte suchen, sondern auch Nachfolger für die Unternehmensführung. „Das zieht sich durch nahezu alle Handwerksbranchen“, so Koralewski. „Somit ist eine handwerkliche Ausbildung eine hervorragende Basis, beispielsweise für eine spätere Selbstständigkeit.“ Für die berufliche Karriere brauche man nicht unbedingt ein Studium. „Wer ehrgeizig ist, hat dazu im Handwerk allerbeste Chancen.“

Besonders freut sich die Kreishandwerkerschaft Niederrhein darüber, dass die Ausbildungsbereitschaft der Handwerksunternehmen in der Region trotz des Rückgangs bei den Neuabschlüssen weiterhin auf hohem Niveau geblieben ist. „Viele Betriebsinhaber haben erkannt, dass selbst ausgebildete Fachkräfte eine Art unternehmerische Lebensversicherung für die Zukunft darstellen“, berichtet Koralewski. „Sie setzen auf nachwachsende Ressourcen – nämlich Auszubildende.“ Es gab aber auch Zuwächse und zwar in folgenden Berufen: Straßenbauer (33), Tiefbaufacharbeiter (21), Land- und Baumaschinenmechaniker (70) und Fleischer (12). Gleichbleibend auf hohem Niveau bilden die Elektroniker (172), Maurer (22), Maler- und Lackierer (56) und die Anlagenmechaniker für Sanitär-Heizung-Klimatechnik (184) aus. In den Berufen Zimmerer, Dachdecker und Metallbauer konnten die Zahlen vom letzten Jahr bisher leider noch nicht erreicht werden.

Obwohl das Ausbildungsjahr 2020 fast gelaufen ist, sind noch genügend Ausbildungsplätze im Handwerk nicht besetzt. Die Betriebe suchen auch weiterhin qualifizierte Jugendliche für eine Ausbildung. Eine Deadline für die Einstellung eines Auszubildenden gibt es nicht. Noch ist es nicht zu spät.