Ausschuss vertagt Antrag zur Umgestaltung der Großen Bruchstraße

Die erwarteten Verkehrsprobleme beim Bau des Tiefensammlers an der Freiheitsstraße waren ebenso wie die Umgestaltung der Großen Bruchstraße Thema im Viersener Ordnungs- und Straßenverkehrsausschuss.

Viersen – Mindestens drei Jahre soll die Freiheitsstraße, die Hauptverkehrsader der Stadt, zur Großbaustelle werden. Ob der Bau überhaupt gerechtfertigt ist, darüber lässt sich trefflich streiten, denn laut NEW, können die Werte 9,0 mm und 13,2 mm bei 15 Minuten und 12,5 mm und 20,6 mm bei 60 Minuten Ereignissen als Kenngrößen für die Verbesserung der Kanalleistung durch den Tiefensammler herangezogen werden. Die Werte 9,0 mm und 12,5 mm sind die Werte auf denen der Bau des Kanals zurzeit als gesetzlicher Vorgabe basieren soll. Welche Leistung er wirklich hat, ist nicht bekannt. In der Tat bedeutet dies eine ca. 47%ige Kapazitätserhöhung beim 15 minütigen Ereignis, im Falle des 60 Minuten Ereignisses sogar eine 65%ige Erhöhung.

Allerdings sind die mit dem Tiefensammler abgedeckten Regenereignisse mit maximal 20,6 mm/m² weit entfernt von Regenereignissen um 200 mm/m² in teilweise nur 45 Minuten, wie wir sie jetzt in Berlin erlebt haben. Im Bereich von 20,6 mm/m² und 200 mm/m² befinden sich Regenereignisse, die bei zunehmender Klimaveränderung schnell in den Bereich von Ereignissen kommen, die jederzeit in Viersen möglich sind.

Der Sprecher der Bürgerinitiative Viersen-Hamm e.V. (BIVH), Dr. Volker Breme, hatte von NEW die zuvor genannten Leistungszahlen erbeten und anschließend auch mit NEW diskutiert. Eine unterschiedliche Wertung blieb jedoch bestehen. Immerhin soll der Tiefensammler 20 Millionen Euro kosten. Bei einer solchen Investition und den damit verbundenen Verkehrsbehinderungen über Jahre sollten Aufwand und Verbesserung der Leistungsfähigkeit des Regenwassersystems in einem sinnvollen Verhältnis stehen. Bezahlt wird er aus dem Gebührenhaushalt der Abwasserzahlungen, also von allen Bürgern. „Ich würde die Verbesserung als zu gering bezeichnen“, so Dr. Volker Breme. „Warum baut man nicht größer, wenn man eh weiß, dass stärkere Regenereignisse zu erwarten sind? Man erfüllt eben nur die gesetzlichen Vorgaben. Es kann jedoch bezweifelt werden, dass die gesetzlichen Vorgaben die Entwicklung der Klimaveränderung ausreichend berücksichtigen. Und ob dafür der ganze Aufwand dann noch gerechtfertigt ist erscheint fraglich. Wenn man schon ein solches Bauwerk errichtet, dann sollte es mehr Sicherheit geben.“
Derartige Fragen wurden im Ausschuss am 4. Juli 2017 nicht mehr diskutiert. Im Rahmen der Bürgerinformation am 1. Juni 2017 war diese Diskussion nicht möglich, da zu dem Zeitpunkt die oben genannten Zahlen nicht vorlagen.

Im Ausschuss standen die zu erwartenden, erheblichen Verkehrsprobleme der Freiheitsstraße im Vordergrund. Um für Feuerwehr und Rettungswagen die vorgeschriebene maximale Zeit von acht Minuten für die Ankunft am Einsatzort garantieren zu können, muss eine Spur ständig für diese Zwecke zur Verfügung stehen. Dadurch wird für jede Fahrtrichtung auf der Freiheitsstraße zwischen Süchtelner Straße und Brüsseler Allee/Josefsring nur ein Fahrstreifen frei sein.
In diesem Zusammenhang wurde der vorgesehene Antrag der Verwaltung über die Umgestaltung der Großen Bruchstraße mehrheitlich vertagt. Die Bedenken, dass eine teilweise Umgestaltung in eine Einbahnstraße zum Zeitpunkt der Bauarbeiten für den Tiefensammler zu noch wesentlich größeren Verkehrsproblemen führen wird, war hierfür entscheidend.

Die Viersener Baudezernentin Kamper versuchte vehement für eine Entscheidung zu werben, um die Fördermittel Ende des Jahres beantragen zu können, was bei den Zuschauern und Anwohnern, die sich um Absenkungen, Verkehrsprobleme und Lärm enorme Sorgen machen, für Irritationen sorgte und die Prioritätensetzung der Verwaltung in den Planungen um den Tiefensammler in Frage stellten. (cs)

Foto: Viersen inside