Bauarbeiten gestoppt: Germanischer Friedhof auf dem Alten Markt in Dülken entdeckt

Die Baustellenfahrzeuge auf dem Alten Markt in Dülken werden in den kommenden Monaten nicht mehr gebraucht, denn bei Baggerarbeiten wurden nicht nur Reste von Brandschüttungsgräbern aus den 2. Jahrhundert entdeckt, sondern auch das Grab eines Hoppeditz. Die närrische Fachwelt nun hofft auf eine Wiederauferstehung am 11.11. 

Viersen-Dülken – Zunächst glaubten Mitarbeiter an Überreste einer Grillfeier als auf der Baggerschaufel verbrannte Erdbereiche zum Vorschein kamen, doch unter dem Aushub wurden zudem Knochen und ein Steinsarg gefunden. Ein Fund, der die Bauarbeiten gestern unverzüglich stoppen ließ. Ein hinzugezogener Fachmann der Denkmalbehörde legte Reste einer Brandgrabsitte frei, die bis ins 3. Jahrhundert in Niedergermanien praktiziert wurde. Beim Öffnen des Steinsarges fanden sie einen in altertümlichen Korn schwimmenden, vollständig erhaltenen Körper, der einen goldenen Narrenstab und einen Spiegel hielt. Wie die verantwortlichen Viersener im Vorfeld einen solchen Fund übersehen konnten, konnte bisher nicht geklärt werden, erste Stimmen sprechen von einem Skandal, durch den ein nicht unerheblicher Teil historischer Funde zerstört wurde.

Mittlerweile streiten hinzugezogene Wissenschaftler aus Köln und Düsseldorf über eine mögliche Wiederauferstehung des als Hoppeditz identifizierten Körpers zu Karnevalsbeginn. In einer Pressekonferenz forderte die Viersener Verwaltungsspitze bereits die Herausgabe des Korns als kommunale Ausgleichszahlung und legte den 1970 zustande gekommenen Verkauf von Dülken an Viersen zugrunde.

Ein letzter Blick auf den Alten Markt, an den Bäumen pendeln noch die Trauerbänder zu den bevorstehenden Fällungen.
Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Voraussichtlich mindestens fünf Jahre werden die gesamten Ausgrabungsarbeiten in Anspruch nehmen, während mit anthropologischen Auswertungen ein bedeutender Einblick in das Leben der römischen Provinz „Germania inferior“ dargelegt werden soll, zu der auch das heutige Dülken gehörte. Die 85 n. Chr. unter dem römischen Kaiser Domitian eingerichtete Provinz umfasste die westliche Region des Rheins, darunter Teile der Niederlande und Belgien. Ursprünglich gehörte der Bereich als Heeresbezirk zu Gallien.
Von den Ausgrabungen verspricht sich die kurzfristig eingerichtete Forschungsgruppe neue Erkenntnisse über die Bestattungssitten in Niedergermanien, wo bis in das 3. Jahrhundert dieser Ritus vorherrschte, aber auch zu dem Ursprung des karnevalistischen Brauchtums, welches in Dülken entstanden sein könnte. Dies würde die bis heute tiefe Verbundenheit der Dülkener zum Karneval erklären.

Durch Aschenkisten, Urnen oder Brandschüttungsgräber sowie in der Form des Bustum (ein offenes Verbrennen des Verstorbenen durch einen Scheiterhaufen direkt über der Grabgrube) gibt es heute noch Nachweise der germanischen Sitten, der gefundene Hoppeditz wurde dagegen wie ein Herrscher beerdigt – als König der Jecken. Erst Ende des 2. Jahrhunderts nahm die Zahl der Körpergräber zu, so wurden beispielsweise menschliche Knochen aus den antiken städtischen Gräberfeldern von Köln als Reliquien verehrt. „Warum sollte dies bei dem Hoppeditz anders gewesen sein“, so die Archäologin Tikki Ila. „Die Besonderheit an dem in Dülken gemachten Fund lässt sich mit der Geschichte belegen, denn solche Grabfunde waren bisher in Köln und dem südlichen Niedergermanien häufig, bereits in Krefeld allerdings nur noch selten.“

Ebenfalls die Freilegung weiterer Grabbeigaben werden während der Ausgrabungen erwartet. Meist waren es Gebrauchsgüter, die in Niedergermanien den Verstorbenen mitgegeben wurden. Öllampen, Geschirr, Parfumflaschen und weitere Kornvorräte werden in seitlichen Nischen vermutet. „Hierzu muss unbedingt der gesamte Bereich des Alten Marktes freigelegt werden. Wir gehen fest von einer Wiederauferstehung am 11.11. aus und planen bereits eine germanische Mondfeier mit berittenen Gelehrten“, ergänzt Tikki Ila. „Um auch im Nachhinein sicherzustellen, dass weitere Stücke nicht zerstört werden, wird zudem nach den Ausgrabungen der ursprüngliche Zustand des Platzes wieder hergestellt. Stellen Sie sich vor wir würden aus Unachtsamkeit das närrische Brauchtum auslöschen und der Viersener Verwaltung damit in die Karten spielen.“ Zwar würde der Bereich nicht ausreichen um an das in Neuss gefundene Gräberfeldareal heranzureichen oder gar an die Ausschnitte von Vicusgräberfeldern in Rheydt-Mülfort sowie Jülich, von historischer und karnevalistischer Bedeutung sei der Dülkener Fund, der zeitlich passend zum Erhalt des Alten Marktes gemacht wurde, allerdings bereits jetzt. (S. A. Tire)

Mit der Idee eines solchen Fundes sind wir vorab mit Dülkenern ins Gespräch gekommen – meist aus dem Unmut vieler Beobachter über die aktuellen Umbauarbeiten am Alten Markt heraus. Es entsteht eine moderne Fläche durch die Planungen der Stadt Viersen, die das aktuelle Flair vollständig zerstören wird, so die fast einhellige Meinung. „Die Möglichkeit sich vollständig gegen eine Umgestaltung auszusprechen gab es nicht, bereits bei der ersten Vorstellung ging es nur noch um Variationen“, sagte uns Hildegard S. „Demokratie sieht anders aus.“ An der Theke gab es dafür zustimmendes Nicken. Bei den Ur-Dülkenern kocht der Gedanke an den „Verkauf von Dülken an Viersen“, der Umbau wird diese Gefühle wohl nicht schmälern.

Trotzdem, der Fund des germanischen Friedhofs und des Hoppeditz bleiben eine Satire, die Informationen zu den Bestattungsriten dagegen haben eine geschichtliche Grundlage. (dt)


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3 Kommentare

  1. Wenn nicht so viel Wahrheit in dem Text stecken würde wäre der zum Lachen. Aber die Stadt zerstört unser Dülken, ganz vorne dabei die Bürgermeisterin. So hilft man Dülken nicht.

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