Beim närrischen Frühschoppen der GVK wurde bis spät in den Nachmittag hinein gefeiert

Es ist ein ganz besonderes „Jeföhl“, wenn die Karnevalisten zum närrischen Frühschoppen der Grossen Viersener Karnevalsgesellschaft zusammenkommen. Gemeinsam wird gefeiert, gemeinsam wird gelacht, fernab aller Unterschiede in den Vereinsfarben und begleitet von einem hochkarätigen Programm, welches auch in den närrischen Hochburgen zu Hause sein könnte.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – Wenn die Grosse Viersener Karnevalsgesellschaft zu ihrem närrischen Frühschoppen einlädt, dann ist eines garantiert: Das Programm ist hochkarätig und jedes Feierbiest kommt auf seine Kosten. Zum mittlerweile 14. Mal hatte die Gesellschaft die Einladung in die Viersener Festhalle ausgesprochen und das Publikum kam gerne. Doch nicht nur aus dem Kreis Viersen waren die Gäste angereist, sogar aus Köln und Düsseldorf hatten sich Teilnehmer auf den Weg nach Viersen gemacht – wo es sich doch sonst in der närrischen Zeit eigentlich eher umgekehrt darstellt.

Bereits der Einzug der Gesellschaft zeigte: Die GVK kann Karneval. Minutenlang schoben sich die verschiedenen Gruppierungen des Vereins, angeführt vom Viersener Tambourcorps, durch die bereits volle Halle am Morgen. Rosen flogen und auch die ersten Bützchen wurden verteilt, bis die erneut gewachsene Karnevalsgesellschaft vollständig auf der Bühne angetreten war.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Auf der sonst in blauen Farbtönen geprägten Bühne war der langjährige Moderator Frank Schippers (Schippi) im roten Herzchenanzug hervorragend zu erkennen, der an diesem Tag bereits ebenfalls zum 14. Mal gekonnt und mit viel Charme durch das Programm führte. Traditionell gehörte der erste Teil des Tages der Gesellschaft selbst auf der Bühne, die alle Prinzenpaare der Gesamtstadt – ob groß oder klein willkommen heißen konnte.

In den Vereinen oder Stadtteilen getrennt, aber im Brauchtum vereint, das macht die närrische Zeit aus und das wurde an diesem Tag gefeiert. Die Stimmung war bereits energiegeladen und das Publikum in Vorfreude auf die kommenden Stunden, als die Prinzengarde ihre Füße gekonnt über den Bühnenboden bewegte und sich blaue, rote und gelbe Ornate auf der Bühne zu vermischen schienen. Bevor dann wieder die blauen Uniformen überwogen auch in diesem Jahr eine gute Tradition, denn mit 999 Euro unterstützt die GVK bereits seit Langem und regelmäßig den karnevalistischen Nachwuchs in Form der jeweiligen Kinderprinzenpaare.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Hieran schlossen sich die Auftritte der eigenen Gesellschaft an, schließlich hatten die Herren wochenlang geprobt um mit der weiblichen Tanzgarde Schritt halten zu können. Kraftvolle Hebefiguren krönten den gemeinsamen Auftritt, der die Bühne vorbereitete auf den überzeugenden neuen Sessionstanz der weiblichen Tanzgarde und die umjubelte Zugabe. Von den Damen in Blau ging es weiter zu Damen in braunen Stewardesskostümen, denn diese prägten den diesjährigen Auftritt der Fauth Dance Company Teens, die mittlerweile bei den Veranstaltungen der GVK dazugehören und längst bewiesen haben, dass der Nachwuchs der Tanzschule Fauth gesichert ist.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Fast schon leer wirkte die Bühne im Anschluss an den begeisternden Auftakt der Gesellschaft mit Daniel, Dirk, Henning und René, die sich als FIASKO einen Namen gemacht haben. Ansteckende Energie schwappen von der Bühne in den Saal, in dem es längst nicht mehr ohne Tanzen und Mitsingen ging. 2015 gewann die Band den Wettbewerb „Unser Song für Köln“ und veröffentlichen seitdem einen Hit nach dem anderen. In dieser Session schicken sie ihren Titel „Immer wenn et Naach weed“ in den Ring, der eine proppenvolle Viersener Festhalle zum Gruppenschunkeln animierte.
Ein weiteres Schwergewicht auf der Bühne stellte die Kölner Tanzgruppe „De Höppemötzjer“ dar, die in weiß, schwarz und pinken Tanzkostümen längst nicht nur alteingesessene Schritte im Gepäck hatte und mit ihren synchronisierten Hebefiguren mehr als nur einmal Beifall erhaschen konnte.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Schlag auf Schlag ging es im Programm weiter, für das Publikum gab es keine Chance auf eine Pause, denn auch der nächste Künstler gehört zur A-Klasse der jecken Welt. Viele kennen Torben Klein noch als Mitglied der „Räuber“ oder der Boygroup „Verliebte Jungs“. Der sympathische Sänger und Musiker hat allerdings mittlerweile bewiesen, dass er auch als Solokünstler eine hervorragende Figur macht. Seine Stücke erobern regelmäßig die Charts und ebenfalls seine im letzten Jahr veröffentlichte Solo-Single „Fründe für et Levve“ schaffte es direkt auf die vorderen Plätze der Top-10-Listen. Er setzte dem Vormittag ein weiteres i-Tüpfelchen auf, welches von den Altstädtern Köln nochmals dick unterstrichen wurde.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Die Altstädter Köln 1922 e. V. sind eines der fünf Ur-Traditionscorps im Kölner Karneval. In ihren grün-roten Farben eröffnen sie seit 1953 an Weiberfastnacht auf dem Alten Markt in Köln offiziell den Straßenkarneval und machten auch auf der Viersener Festhallenbühne eine hervorragende Figur. Ihr aktuelles Mariechen erholt sich gerade von einer Lungenentzündung, weshalb der Gesellschaft nach ihrem beeindruckenden Auftritt nicht nur Genesungswünsche mit auf den Weg gegeben wurden. Nicht nur ist dabei genau die richtige Darstellung, denn unter den Auszug der Grün-Roten von der Bühne hatte sich die Standarte der Garde der Grossen Viersener Karnvalsgesellschaft gemischt, die im Rundgang der Festhalle auf ihre Auslösung wartete.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Während draußen die Gesellschaften mit viel Lachen und Freude zusammenfangen, übernahm drinnen die Krefelder Band „Oedingsche Jonges“ das weitere Programm. Mit kölschen Klassikern, zu denen der Saal nicht nur tanzen konnte, sondern die zudem im Chor mitgeschmettert wurden, brachte die sechsköpfige, 1993 gegründete Band die Festhalle zum Beben und bereitete vor auf Norman Langen, auf den viele der Damen den ganzen Tag lang gewartet hatten.

Der Sänger aus Würselen-Bardenberg war 2011 durch seine Teilnahme an der TV-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ bekannt geworden. An den siebten Platz bei DSDS reihten sich zahlreiche Auftritt an und sein neustes Studioalbum „Dieses Gefühl“ schaffte es mit Leichtigkeit auf die deutschen Chartplatzierungen. Umjubelt von den weiblichen Fans wurde sein Auftritt und als dann die Gesellschaft sich mit einem gekonnten Lied von Sänger und DJ Detlef Belk an diesem Tag verabschiedete, herrschte eine umfassende Party-Stimmung, die viele der Gäste noch nicht nach Hause gehen ließ – so wiederholte sich ein bekanntes Bild, als die Farben der Ornate sich erneut vermischten. Nicht auf der Bühne, aber an den Theken, denn gemeinsam feiern ist doch doppelt so schön. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Es war einmal: Entstehung der Grossen Viersener Karnevalsgesellschaft