Impuls von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, MdB – „Bildung macht Kinder stark“

Bildung macht Kinder stark. Bildung ermöglicht, eigene Talente zu entfalten. Durch Bildung entwickeln wir uns zu Persönlichkeiten, die am gesellschaftlichen Leben teilhaben können und es bereichern. Bildung macht Deutschland stark und trägt dazu bei, dass wir unseren Wohlstand bewahren und international wettbewerbsfähig bleiben. Deswegen brauchen wir mehr Ehrgeiz für die Bildung.

KKV-Impuls – Gute Voraussetzungen haben wir: engagierte Lehrerinnen und Lehrer; viele gute Schulen im ganzen Land. Wir werden international um unsere berufliche Bildung beneidet; wir haben eine exzellente Hochschullandschaft.

Und doch zeigen nationale und internationale Vergleichsstudien regelmäßig, dass unsere Schülerinnen und Schüler in vielen Bildungsbereichen lediglich im Mittelfeld liegen – sei es bei den mathematisch-naturwissenschaftlichen Kompetenzen, beim Leseverstehen oder beim Einsatz digitaler Medien im Unterricht. Auch der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg ist nach wie vor ausgeprägt.

Die jüngste Pisa-Studie hat das gerade belegt: Zwar liegen Fünfzehnjährige in Deutschland in den Fächern Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften weiterhin leicht über dem OECD-Durchschnitt – was vor allem den Lehrerinnen und Lehrern zu verdanken ist, die sehr viel für unsere Kinder und somit für uns alle leisten. Doch gibt es noch viel Luft nach oben, gerade bei den Lesefähigkeiten. Es darf uns nicht gleichgültig sein, wenn jeder fünfte Fünfzehnjährige nicht einmal auf Grundschulniveau lesen kann, und wenn andere Länder an uns vorbeiziehen. Wie sollen Jugendliche mit so geringen Kompetenzen eine Ausbildung erfolgreich absolvieren? Wie sollen sie mündige Bürgerinnen und Bürger werden?

Foto: jarmoluk/Pixabay

In einem Land ohne Rohstoffe sind Bildung und Forschung die Basis für Innovationen. Wenn wir es nicht schaffen, international ganz vorn zu sein, gefährden wir unseren Wohlstand und die Zukunft unserer Kinder, gerade angesichts des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels. Ich meine, dass jedes Kind, jeder Jugendliche einen Anspruch auf gute Bildung hat, unabhängig von der sozialen Herkunft.

Bund und Länder sind gemeinsam gefordert, unser Bildungssystem weiter zu verbessern, jeder in seinem Verantwortungsbereich. Ich fordere eine gemeinsame nationale Kraftanstrengung von Bund und Ländern – damit Deutschland künftig wieder zu den führenden Bildungsnationen aufschließt. Wir brauchen einen kooperativen und dynamischen Bildungsföderalismus. Ich möchte, dass der Föderalismus weiterhin die Stärke unseres Landes ist, dass jede Stadt, jede Region und jedes Dorf Bildungsorte sind, in denen Menschen ihre Stärken entfalten können und Gemeinschaft und Zusammenhalt gelebt werden. Darum müssen Bund und Länder den Bildungsföderalismus weiterentwickeln und sich eng austauschen. Unsere Aufgabe ist es, deutschlandweit eine zukunftsfähige transparente Schulstruktur zu schaffen, regional unterschiedliche Bildungsgänge besser aufeinander abzustimmen und die Vergleichbarkeit von Abschlüssen sicherzustellen.

Wir müssen unsere Kräfte bündeln und uns darüber verständigen, was gute Bildung sein kann – über alle Bildungsetappen hinweg. Die Bürgerinnen und Bürger erwarten das von uns. Sie erwarten zum Beispiel, dass der Schulwechsel bei einem Umzug von einem Bundesland ins andere keine negativen Folgen für die Bildungswege ihrer Kinder hat. Sie erwarten, dass Abiturleistungen vergleichbar sind – schließlich bewerben sich Abiturienten aus ganz Deutschland um dieselben Studienplätze. Alle Kinder und Jugendliche in Deutschland müssen Zugang zu guter Bildung haben, egal ob sie in Flensburg oder Füssen, in Düren oder Dresden leben. Der Bund ist bereit, seinen Beitrag zu leisten. Wir haben bereits viel auf den Weg gebracht: Mit dem Digitalpakt schaffen wir die Voraussetzungen für digitale Bildung in allen Klassenzimmern. Wir stärken Schulen in sozial schwierigem Umfeld. Wir investieren in die ganztägige Bildung und Betreuung, damit Kinder auch am Nachmittag in ihrer Entwicklung gestärkt werden. Und mit der Leseförderung setzten wir bewusst früh an: Bereits im Kleinkindalter fördern wir das Vorlesen durch die Eltern. So machen wir gute Bildung möglich.

So sehe ich unsere Aufgabe: Wir sind Möglichmacher. Wir schaffen Bildungschancen für alle in unserem Land. Denn wir haben eine klare Vorstellung davon, was wir für gute Bildung benötigen. Das sind vor allem gute Lehrerinnen und Lehrer. Unsere Aufgabe ist es, langfristig dafür zu sorgen, dass in unseren Bildungseinrichtungen talentierte und hoch qualifizierte Pädagogen unterrichten. Nur mit ihnen ist guter Unterricht möglich, gerade angesichts der zunehmenden Heterogenität der Schulklassen. Unsere Gesellschaft verlangt viel von Lehrerinnen und Lehrern. Sie vermitteln nicht nur Wissen und Fähigkeiten, sondern leisten oft auch Erziehungsarbeit, die mitunter im Elternhaus ausbleibt. Niemand hat so großen Einfluss auf Lernprozesse wie Erzieherinnen und Erzieher, Lehrkräfte, Ausbildende und Hochschullehrerinnen und -lehrer. Auch das ist mittlerweile wissenschaftlich gut belegt. Darum können wir die Arbeit unserer Lehrerinnen und Lehrer gar nicht genug wertschätzen. Wir sind ihnen alle zu Dank verpflichtet. Unser Ziel ist klar: Kinder und Jugendliche stark zu machen für eine Welt im Wandel. Damit sie einen Beruf finden, der sie erfüllt und ihnen auch finanziell ein zufriedenes Leben ermöglicht. Es ist unsere Aufgabe, dafür zeitgemäße Bildungsziele zu formulieren und moderne Lehrmittel und -methoden bereitzustellen. Klar ist, dass Grundkompetenzen wie die Beherrschung von Sprache und Schrift ebenso wie mathematische und naturwissenschaftliche Kenntnisse unerlässlich sind. Die MINT-Fächer sind im Zeitalter der Digitalisierung besonders wichtig. Wichtig ist aber auch die Fähigkeit, sich immer wieder neue Kompetenzen anzueignen. Unsere Aufgabe ist es, für Bildung zu begeistern und ein positives Klima für Leistung und Eigenverantwortung zu schaffen. Etwas zu meistern, erfüllt und gibt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Gerade Kinder und Jugendliche brauchen die Erfahrung, dass ihre Anstrengungen sich lohnen, dass Leistung anerkannt wird. Das gilt für Mathematik und Deutsch genauso wie für Werken, Musik und Sport. Gute Bildung fördert aber nicht nur Leistung, sie stärkt auch die Persönlichkeit.

Unsere Aufgabe ist es, unseren Kindern Selbstbewusstsein und Verantwortungsgefühl mit auf den Weg zu geben. Damit sie sich immer wieder behaupten können, sich einbringen und die sich schnell wandelnde Welt aktiv gestalten: für die Demokratie, für unsere Mitmenschen, für unsere Lebensgrundlagen. Das geht nicht von heute auf morgen. Das braucht Zeit. Unsere Aufgabe ist es, Kindern diese Zeit zu geben. Dazu gehört auch, Raum für Fehler zu schaffen. Wir lernen Neues oft auf Umwegen und durch Irrtümer. Übung macht den Meister. Schule muss die Zeit dafür haben, denn sie schafft eine Grundlage für lebenslange Lernbereitschaft. Das ist einer der Gründe, warum der Ausbau der Bildungs- und Betreuungsangebote für Kinder im Grundschulalter für uns höchste Priorität hat. Wichtig dabei ist, dass gute Ganztagsangebote auch qualitativ gut sein müssen. Angesichts des raschen Wandels der Welt, angesichts von Globalisierung und Digitalisierung brauchen wir eine feste Wertebasis. Gerade bei der Bildung dürfen wir nicht das Wesentliche aus dem Blick verlieren.

Dazu gehört für uns auch das vieldiskutierte Bildungsideal Wilhelm von Humboldts. Eines der bekanntesten Zitate des großen liberalen Bildungsreformers lautet: „Jeder ist offenbar nur dann ein guter Handwerker, Kaufmann, Soldat und Geschäftsmann, wenn er an sich und ohne Hinsicht auf seinen besonderen Beruf ein guter, anständiger, seinem Stande nach aufgeklärter Mensch und Bürger ist. Gibt ihm der Schulunterricht, was hierfür erforderlich ist, so erwirbt er die besondere Fähigkeit seines Berufs nachher sehr leicht und behält immer die Freiheit, wie im Leben so oft geschieht, von einem zum anderen überzugehen.“ Nie war diese Erkenntnis aktueller als heute. Anja Karliczek Mitglied des Deutschen Bundestages / Bundesministerin für Bildung und Forschung

Impulsgeberin
Anja Karliczek MdB, Bundesministerin für Bildung und Forschung

Anja Karliczek ist seit dem 14. März 2018 Bundesministerin für Bildung und Forschung. 1971 kam die dreifache Mutter in Ibbenbüren zur Welt. Nach dem Abitur begann Karliczek 1990 eine Ausbildung zur Bankkauffrau, worauf drei Jahre später, eine Ausbildung zur Hotelkauffrau im familieneigenen Hotel Teutoburger Wald inne. Danach war sie leitende Angestellte im Hotel. Von 2003 bis 2008 studierte sie an der Fernuniversität Hagen Betriebswirtschaftslehre und machte einen Abschluss zur Diplom-Kauffrau. 1998 trat Anja Karliczek in die CDU ein und saß für diese von 2004 bis 2014 im Rat der Stadt Tecklenburg. Seit Januar 2011 ist sie Vorsitzende des Stadtverbandes der CDU Tecklenburg. Seit 2013 sitzt sie für den Wahlkreis Steinfurt III im deutschen Bundestag. 2017 war sie für ein Jahr die Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, bevor sie zur Bundesministerin ernannt wurde.

Foto: BMBF/Laurence Chaperon

Die Impuls-Beiträge des Rheinischen Spiegels werden in Kooperation mit dem KKV – Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung gestaltet. Im KKV bilden Angestellte, selbstständige Kaufleute, Handwerker, Angehörige freier Berufe und des öffentlichen Dienstes eine paritätische, christlich geprägte Gemeinschaft. Rund 5.500 Mitgliedern in gut 60 Ortsgemeinschaften brennen deutschlandweit ehrenamtlich für die katholischen Soziallehre, die Soziale Marktwirtschaft, Wirtschaftsethik und soziale Projekte. Weitere Informationen bietet die Seite des KKV-Bundesverbandes kkv-bund.de!