Blau-Wette Jonges feierten das Beste aus sechzig Jahren

Kein närrisches, aber doch ein Jubiläum feierten die Karnevalsgesellschaft Blau-Wette Jonges am vergangenen Freitag im bunt geschmückten Ev. Gemeindehaus. Sechzig Jahre, neue Sitzungspräsidenten und ein abwechslungsreiches Programm feierten die Karnevalisten gerne mit und stießen bis spät in die Nacht auf die Gesellschaft an.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Foto: Rheinischer Spiegel/Joachim Müller

Viersen – Es ist im November 1959, als im Stadtteil Eichelbusch, in der Gaststätte Bäckers „Zur Reichsbahn“ die Ei Bu Ka gegründet wird. 26 Mitglieder zählt die Eichelnbuscher Karnevalsgesellschaft. Ein Name, der nicht blieb und eine Gesellschaft, die trotz bestehender Ideen zur Zusammenführung mit der KG Hamm wer net um 1970 doch eigenständig blieb. 1973 zog die KG in ihre eigentliche Heimat ins Bockert, gründete 1974 ihre eigene Tanzgarde.

Lange ist alles her, das neue Jahr ist bereits nicht wenige Tage alt, Januar 2019. An den ursprünglichen Namen erinnern sich heute nur noch wenige, ein Blick auf die Erinnerungen an der Bühnenrückwand lässt jedoch noch einen Hauch vergangener Zeiten erahnen. Im Vorfeld haben die Mitglieder der Blau-Wetten Jonges viel Atem gelassen, der Saal im Ev. Gemeindehaus ist mit bunten Luftballongirlanden geschmückt. Sechzig karnevalistische Jahre, ein stolzes Jubiläum und ein ungewohntes Bild zweier Generationen Sitzungspräsidenten. Vor der Bühne sitzt erstmals Jürgen Moll, über viele Jahre hinweg hat er das Programm moderiert, zum Schmunzeln und Lachen die Gäste verführt. Auf der Bühne erstmals Jürgen Vogt und Dirk Hechel , noch ein wenig nervös, doch nicht weniger sympathisch und wohl gewählte Nachfolger für die beliebten Sitzungen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Joachim Müller

Noch hat das Programm nicht richtig Fahrt aufgenommen, zunächst sind die Ehrungen an der Reihe. Die Würdigung des neuen Ehrensenators gebührt Klaus Scholz, doch auch der KLN ist zu Gast. Verdienstorden in Bronze für Jürgen Vogt, in Silber für Marlies Moll und in Gold für Jürgen Moll wechseln unter jubelndem Beifall die Besitzer. Aktive Verdienste, die eine Gesellschaft so lebendig gestalten wie sich die Blau-Wetten Jonges an diesem Abend präsentieren. Dann ertönt das Klingeln des Schellenbaums, das Schlagen des Trömmelchens. Zum ersten Mal in dieser Session zieht das Viersener Tambour Corps 1925 e.V. mit dem Prinzenpaar und der Prinzengarde ein. Die Paukenschläge lassen einen kurzen Augenblick lang den Atem erstarren, sie sind der Beginn eines bunten Abends.

Nicht mehr unbekannt den meisten Gästen die getanzte romantische Liebeserklärung des Viersener Prinzenpaares Thilo I. und Ute I. Jubelnd stehen einige auf den Stühlen, klatschen im Takt, während bei den Tänzen der Prinzengarde im Anschluss nicht wenige zu ihren Gesprächen zurückfinden. Zu früh für Unruhe im Saal? Kein Problem für Willi und Ernst, die auch Koblenz nach Viersen gereist sind. Im Jahre 2011 wurden Willi und Ernst in die Nachwuchsförderung des Kölner literarischen Komitees aufgenommen. Mittlerweile haben die „2 Rentner aus Leidenschaft“ schon in der ZDF Mädchensitzung, der ARD Rosenmontagssitzung und beim WDR „Blötschkopp und die Rampensäue“ wiederholt auf sich aufmerksam gemacht. Mit Leidenschaft und Begeisterung ziehen sie auch die Viersener Karnevalisten in ihren Bann und übergeben die Bühne an ein bestgelauntes Publikum für die Kleinsten der Blau-Wette Jonges. „Hach, sind die süß“, entfährt der silberhaarigen Dame zwei Stühle weiter.

Foto: Rheinischer Spiegel/Joachim Müller

Auch Änne aus Dröpplingsen, die Kultfigur aus dem Sauerland gehört an diesem Abend zum Programm, ebenso wie Christan Pape mit seinem Kollegen Dr. Bimmermann, die bereits eine Woche zuvor auf derselben Bühne standen. Langsam wird es wieder unruhiger im Saal, doch es war nun auch Zeit genug um sich auf den Stühlen auszuruhen, denn mit der Showtanzgruppe Revolution heißt es runter von den „vier Buchstaben“ und mitgemacht. Da gibt es auch für die Prinzenpaare kein Aussetzen, egal wie warm es unter den langen Kleidern sein mag.

Den Höhepunkt bilden in dieser Freitagnacht jedoch die sechs Vollblutmusiker der Gruppe „Hätzblatt“ mit ihrem neuen Hit „All dat es Heimat“. Rheinische Hits, eigene Lieder und Partysongs lassen keinen mehr ruhig sitzen, der Saal tanzt. Ohne einige Zugaben dürfen sie nicht von der Bühne und auch nachdem die Live-Musik im Saal verklungen ist wird noch geschunkelt – und als die Melodie im Kopf langsam verblasst bleibt der Gedanke an einen famosen Abend. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Joachim Müller