Blau-Wette Jonges: Piraten – Eine humoristische Begebenheit

Wussten Sie, dass der Name Störtebeker von dem bekannten Trinkgruß „Stürz den Becher“ abgeleitet wurde? Oder, dass die Karnevalsgesellschaft Blau-Wette Jonges schon einmal Kontakt zur „modernen Piraterie“ hatte?
Geschrieve von d’r Ex-Prinz Leo Dillikrath

Närrische Kolumne/Viersen – Fangen wir doch einmal ganz, ganz vorne an. Seeräuber gab es bereits in der Antike, als die Küstenpiraterie überwog und mit Ruderbooten und Galeeren Küstenorte überfallen wurden. In der hellenistischen Epoche zählte Kreta zu den berüchtigten Piratenstandorten und erst im 2. Jahrhundert verschob sich der europäische Schwerpunkt der Piraterie nach Kilikien. Selbst in Rom wurden die Piraten sogar zu einer nahezu existentiellen Bedrohung. Von Ende des 8. Jahrhunderts bis zum beginn des 11. Jahrhunderts suchten dann die Wikinger die Küsten heim. Die Geschichte der Piraten zieht sich von einem Jahr zum anderen, und häufig können die historischen Fakten nicht von dem großen Mythos um die Piraterie abgegrenzt werden. Wer kennt also nicht die Legenden um den großen Hamburger Seeräuber und Freibeuter Klaus Störtebeker. Seinen Namen gab ihm die Eigenschaft, dass er einen Stiefel-großen Krug mit Bier in einem Zug leeren konnte und woraus der Trinkspruch „Stürz den Becher“ sich über viele Jahrzehnte lang in den Tavernen an Elbe und Spree verbreitet hatte.
Oder, wer hätte das für möglich gehalten, das Eustachius, der schwarze Mönch, einer der berühmtesten Piraten des früheren Mittelalters, der wegen Mordes verurteilt werden sollte, Hautprotagonist einer besonderen Legende wurde. Schließlich konnte er bei seiner Verhandlung erreichen, dass alle Männer an denen er nach seiner Enthauptung noch vorbeilaufen sollte, freigesprochen wurde. Elf Männer passierte der Körper ohne Kopf und er hätte weitere Schritte gemacht, hätte der Scharfrichter ihm nicht ein Bein gestellt.

Sie sehen, geneigter Leser, Legenden und Wahrheit verschwimmen und die Piraterie hat sich bis heute erhalten – auch, wenn sie sich im Laufe der Zeit gewandelt hat. Die Karnevalsgesellschaft Blau-Wette Jonges, die in die närrische Session mit einem Piratenmotto startet, weiß dabei genau wovon sie spricht, denn es war schon fast etwas wie Piraterie, die dafür sorgte, dass mehrfach ein Quartiersumzug möglich wurde.
Gerade einmal drei Jahre war der Verein jung als er im Drießen-Hof seine ersten Schritte wagte. Die Sitzungen waren so gut besucht, dass immer zu wenig Plätze zu vergeben waren und die Nachfragen sich stapelten. Also zog die Gesellschaft in das Marienheim, wo das „närrische fahrende Volk“ auf ganze sieben Viersener Bürger trafen, die dem jecken Wesen nichts abgewinnen konnten. In Ruhe und Frieden wollte man dort leben. Prinz Leo Dillikrath griff in seiner Rede die Problematik auf und forderte: „Die Kaiserstraße und das Marienheim werden total saniert und abgerissen – und zu einer Grünfläche mit Gras eingesät. Diese Fläche wird dem Friedhofsamt zugeteilt damit die sieben Anwohner endlich ihre Ruhe haben. Die Inschrift der Gedenktafel: Hier hat der Karneval ins Gras gebissen.“

Bürgermeisterin Marina Hammes nahm sich den lauten Rufen der Ruhesuchenden an und öffnete die Festhalle für die Karnevalisten. Vier oder vielleicht auch sechs Jahre ging alles gut, aus drei Sitzungen wurden aufgrund der Größe der Festhalle zwei. Doch dann trafen die Karnevalisten auf die moderne Piraterie, denn der neue Bürgermeister verpachtete die Festhalle nur noch mit allem Drum und Dran und die Gesellschaft konnte die Kosten nicht mehr erwirtschafteten – daran hat sich bis heute nichts geändert. Von den bürokratischen Freibeutern geschlagen, zogen die Blau-Wette Jonges in das Evangelische Gemeindehaus, wo sie seit vielen Jahren gastieren und mit viel Elan sowie neuen, jungen Gesichtern den Verein auch nach über 60 Jahren stetig gedeihen lassen.
„En Viersche es emmer jet los“ und so darf der Verein bereits zum dritten Mal einen Prinzen aus der Familie Pesch begrüßen. Die Tradition begann mit Vater Fredi, wurde fortgeführt durch Andreas Pesch und wird zur jecken Tradition durch Prinz Rudi I. mit seiner Fabienne I.

Sie werden natürlich dabei sein, wenn die Blau-Wette-Jonges zu ihrer Galasitzung am 10. Januar 2020 in das Evangelische Gemeindehaus einladen. Die Karten (22 Euro) sind erhältlich bei der Bäckerei Berns im Bockert, bei Daniela Vogt (0179 734 56 05, ela-vogt@t-online.de) oder bei allen Mitgliedern der Gesellschaft. Das Programm bestreiten der Feuerwehrmann Kresse, die Geschwister in de Bütt, die wunderbare Tanzgarde der Gesellschaft, Jens Ohle, die Mennekrather, „Was besonderes“ und die Showband Confetti. (ld)