Blick in die Stadt: Casinogarten – Nächtliche Partymeile, Tatort und lästige Nager

Gefahrensituationen, Ratten, Angsträume und ein kostenintensiver Brunnen, der gerne zum Schaumbad wird – nur einige Punkte, die nach der Umgestaltung des Casinogartens vor sechs Jahren noch heute für Diskussionen sorgen. Eine Neugestaltung, bei der zudem Stilelemente der Landschaftsarchitektur der 50er bis 70er Jahre und ein Zeugnis Viersener Geschichte zerstört wurden.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Viersen – Seinen Namen erhielt der Casinogarten durch das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Casino, ein Gesellschaftshaus für die gebildete Bürgerklasse. Heute noch ist der Grundriss sichtbar. Die damals dort liegenden privaten Gärten wurden nach und nach zu einer öffentlichen Parkanlage ausgeweitet, und so sehr der Casinogarten tagsüber der Erholung dient, so sehr wird der Park in den Abend- und Nachstunden zum Party- und Angstraum. Dabei hat sich daran seit 2013 nichts geändert, als unter Bürgermeister a. D. Günter Thönnessen (SPD) die Neugestaltung des Casinogartens geplant und in 2014 fertig gestellt wurde, die 281.000 Euro verschlang.

Foto: Rheinischer Spiegel

Schon bei der Bürgerinformation ein Jahr zuvor platzte der kleine Saal im Ev. Gemeindehaus aus allen Nähten, kein Platz war mehr frei als es um die Erweiterung von rund 3.000 qm ging. Immer wieder fiel der Wunsch nach mehr Licht im Casinogarten um die dunklen Ecken auszumerzen, die schon zu dieser Zeit für Unbehagen sorgten. Der Leiter der städtischen Betriebe wies darauf hin, dass für zusätzliche Leuchtmittel das Geld nicht reichen würde, wohl aber ein neuer Brunnen würde entstehen, an dem die Kinder, die den nahe gelegenen Spielplatz nutzen, Wasser sammeln könnten. Die Frage nach einer „altmodischen“ Pumpe wurde abgewiegelt, mit dem Brunnen auf die gestalterische Planung verwiesen.

‚Ob denn auch die Pflege des Casinogartens und des Brunnens gesichert wäre‘, fragte Almut Grytzmann-Meister vom BUND Viersen, die ebenfalls die geplanten Baumfällungen kritisierte. Andere Anwesende gaben zu bedenken, dass die 1953 angelegten Wasserbecken in den 70er Jahren einfach zugeschüttet wurde. Pflege und Erhaltung wären durchgeplant, so die Antwort der städtischen Verantwortlichen, dem Vandalismus sollte durch mehr Besucher die Stirn geboten werden.

Foto: Rheinischer Spiegel

Heute, rund sechs Jahre später, zeigt sich der Kinderspielplatz immer noch regelmäßig neu verdreckt, in den Büschen wohnen Ratten, die sich in den Müllresten wohlfühlen. Die Erinnerung an die geplanten Musikveranstaltungen, mit denen der gewonnen Platz gefüllt werden sollte, sind verblasst, erst durch die Initiative der Jungen Union wurde hier im vergangenen Jahr erstmals ein Food-Festival veranstaltet.

Im Januar 2014 versuchten Jutta Curtius, Landschaftsarchitektin AKNW, und Sachverständige gemeinsam mit dem Heimatverein Viersen auf die erhaltenswerten Bereiche aufmerksam zu machen. Doch die Stilelemente der Landschaftsarchitektur der 50er bis 70er Jahre, mit denen der Casinogarten als einer der wenigen erhaltenen Gärten punktete, sind in Teilen zerstört worden, in den immer noch dunklen Ecken kommt es immer wieder zu Gefahrensituationen bei denen nicht selten Drogen im Spiel sind. Auch tagsüber huscht gerne die eine oder andere Ratte an den Büschen vorbei, während der vielgepriesene Brunnen in den vergangenen Wochen mehrfach als Seifenbad auf sich aufmerksam machte. (dt)