Es begann mit einem leisen Anschlag auf die Gitarrensaiten – und endete in einem warmen Leuchten, das weit über die Viersener Hardter Straße hinausstrahlte.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Martin Häming
Viersen-Bockert – Während rund 100.000 LED-Lämpchen das Bockerter Lichterhaus in ein funkelndes Meer aus Farben verwandelten, blieb für einen Moment alles andere stehen: der Verkehr, die Hektik, der Alltag. Im Zentrum dieses Abends stand ein Mann mit Gitarre, Stimme und Haltung – Tobias Janssen, vielen besser bekannt unter seinem Künstlernamen Tea Jäy.

Der Auftritt am Bockerter Lichterhaus war kein gewöhnliches Konzert. Es war ein musikalischer Zwischenstopp für den guten Zweck, eingebettet in eine Kulisse, die Jahr für Jahr Menschen aus der gesamten Region anzieht. Zwischen Lichterketten, Figuren und leuchtenden Motiven spielte Janssen Songs, die nicht laut sein mussten, um Wirkung zu entfalten. Seine Musik fügte sich ein in die besondere Atmosphäre dieses Ortes, der längst mehr ist als ein geschmücktes Haus – vielmehr ein Treffpunkt, ein Ritual, ein Symbol der Vorweihnachtszeit.
Musikalisch bringt Tobias Janssen eine Vita mit, die weit über den Niederrhein hinausreicht. Seine fundierte Ausbildung erhielt er am Konservatorium im niederländischen Arnheim, wo er Gitarre studierte und früh den Grundstein für seine stilistische Vielseitigkeit legte. Es folgten Jahre intensiver Arbeit: Janssen stand mit unterschiedlichsten Bands und Künstlern auf der Bühne, arbeitete im Studio und war auch im Fernsehen präsent.
Zwischen 2010 und 2016 schlug der Musiker ein unerwartetes Kapitel auf und widmete sich dem Musikkabarett. Humor, Timing und sprachliche Präzision prägten diese Phase, bevor Janssen wieder verstärkt zur Songform zurückfand. Gemeinsam mit Lars Greuel und Andre Hasselmann gründete er die Band FBKK. Parallel dazu zog es ihn zunehmend als Solokünstler durch das Land.
In den vergangenen Jahren verlagerte sich ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit auf das Songwriting. Tobias Janssen schreibt längst nicht mehr nur für sich selbst, sondern auch für andere Künstler. Dabei bewegt er sich sicher zwischen poetischen Bildern und klaren Emotionen. So, wie gestern Abend, als er unter anderem „Ich seh den Sternenhimmel“ von Hubert Kah oder „Ohne dich“ von Selig anstimmte.
All das schwang auch beim Auftritt am Lichterhaus mit. Die Besucherinnen und Besucher, warm eingepackt, blieben stehen, lauschten, sangen leise mit oder ließen einfach die besondere Stimmung auf sich wirken. Musik und Licht gingen an diesem Abend eine Verbindung ein, die gerade in der Vorweihnachtszeit ihre eigene Sprache spricht.
Doch viel Zeit zum Innehalten bleibt nicht mehr. Wer das Bockerter Lichterhaus in diesem Jahr noch erleben möchte, sollte sich beeilen. Am 21. Dezember steht die große Closing-Party an – ein Abschluss, der noch einmal verschiedene musikalische Facetten vereint. Ab 17 Uhr beginnt das Programm mit der Sängerin Iris Criens, die bereits mit der Gruppe Wind beim Grand Prix auf der internationalen Bühne stand, sowie Lizz & Michelle, die gleich zu Beginn für ausgelassene Stimmung sorgen. Zum Finale verwandelt sich der Platz in eine Aprés-Ski-Closing-Party: DJ Christ, bekannt aus der Skihalle Neuss, legt auf und sorgt für einen tanzbaren Ausklang der Lichtersaison.
Bis dahin gilt: Die beeindruckende Beleuchtung des Weihnachtshauses ist täglich von 17 bis 23 Uhr eingeschaltet. Lediglich am 20. Dezember bleibt das Lichterhaus dunkel – an diesem Tag richtet sich der Blick auf den Bockerter Weihnachtstreff an den Grotten und rund um die Kirche St. Peter, wo sich das Dorf auf andere Weise auf das Fest einstimmt. (nb)





