Boisheim beantragt Selbstständigkeit: Stadtverwaltung prüft Umbenennung

In zwei Jahren jährt sich der Tag der kommunalen Neugliederung. 1970 nämlich, in 2020 exakt vor 50 Jahren, wurde Boisheim zum Viersener Stadtteil. Damals wie heute ruft diese Entscheidung in Boisheim viel Unmut hervor, weshalb die Boisheimer nun Nägel mit Köpfen machen wollen – sie haben ihre Selbstständigkeit bei der Landesregierung beantragt.

Foto: Rheinischer Spiegel

Viersen-Boisheim – Am 2. Juli 1969 trat der Landtag zusammen um über den Gesetzesentwurf der Landesregierung zur kommunalen Neugliederung zu beraten. Eine kommunale Neugliederung die am 1. Januar 1970 in Kraft trat und aus den 32 Gemeinden des Kreises Kempen-Krefeld ein völlig neues Bild der Region schuf. Während die Stadt Viersen ihre Kreisfreiheit verlor, wurde Boisheim ein Teil der Stadt Viersen. Eine Zuordnung, die von vielen Boisheimern auch heute noch mit Missmut gesehen wird, fühlen sie sich doch häufig von den Viersenern vergessen und in Entscheidungen übergangen.

„Das Fass zum Überlaufen“ brachte die Untätigkeit der Stadtverwaltung dem Wunsch vieler Boisheimer nach einer vierten Mispel auf dem Viersener Stadtwappen nachzukommen. Auf blauem Grund halten die drei Mispelblüten des Viersener Wappens noch heute die Erinnerung an die Geschichte des geldernschen Herzogtums lebendig – stehen für die damals selbstständigen Städte Viersen, Süchteln und Dülken. Die Entscheidung darüber träfe der Rat der Stadt Viersen, ebenso wie die Bezirksregierung Düsseldorf, die der Änderung des historischen Stadtwappens zustimmen müsste. Doch trotz mittlerweile jahrelangen Hinweisen, getan hat sich nichts. „Wir wollen nicht länger das Stiefkind der Viersener sein“, so S. Pott, die einer langen Reihe traditionsreicher Bauern in Boisheim angehört. „Deshalb haben wir uns entschieden die Selbstständigkeit bei der Landesregierung zu beantragen.“

Noch sei nichts entschieden, eine Unterschriftenaktion bei den Boisheimern jedoch hatte eine 111-prozentige Zustimmung der rund 2.000 Einwohner erbracht. „Und nicht nur das“, so S. Pott weiter, „wir fordern auch die Grundstücke zurück, die bei der kommunalen Neugliederung an die Gemeinde Schwalmtal gefallen sind.“
Hierdurch würde sich auch die Fläche von aktuell 5,91 Quadratkilometern nochmals vergrößern. Boisheim selbst war ursprünglich eine fränkische Siedlung, wird 1304 erstmals erwähnt. „Wir schauen auf eine lange Geschichte zurück als Siedlung, Teil der Grafschaft Kessel oder des Kölner Stift St. Pantaleon. Wir wurden mehrfach geplündert und standen doch wieder auf. Wir wurden 1945 von der 84. US-Infanteriedivision eingenommen und haben einen Tornado in diesem Jahr überstanden. Wir sind eben Boisheimer.“

Aus gut unterrichteten Kreisen verlautete, dass mittlerweile auch der Ortsteil Clörath, der ursprünglich der Gemeinde Neersen zugehörig war, und der Ortsteil Hagen, der aus der Gemeinde Oedt gelöst wurde, über eine Selbstständigkeit nachdenken.
Ein schwerwiegender Schritt für die Stadt Viersen, sollte die Landesregierung den Anträgen zustimmen. Aus dem Rathaus wurde bereits mitgeteilt, dass man in einem solchen Fall ebenfalls über eine Umbenennung des Stadtnamens von Viersen in Dreisen nachdenken müsste. Eine Entscheidung, die dann gemeinsam mit den politischen Gremien getroffen werden muss und hohe Kosten mit sich bringen würde. Auf Nachfrage zu der Viersener Geschichte, durch die der Namen entstanden ist, wurde auf die drei Mispeln im Stadtwappen verwiesen, die eine Namensänderung rechtfertigen würden. Eine vierte Mispel nur für den Wunsch der Boisheimer und um diese gleichberechtigt im Wappen darstellen zu können, könnte jedoch nicht durchgesetzt werden. (S. A. Tire)

Achtung Satire! Wir freuen uns, dass Sie geneigter Leser sich bis hierhin durch unseren Bericht gewühlt haben. Weder Boisheim, noch Clörath oder Hagen haben allerdings einen Antrag auf Selbstständigkeit gestellt. Soweit fällt unser Bericht mit allen Informationen zu einer kommunalen Selbstständigkeit unter unsere Satirereihe zum Beginn des Wochenendes. Sonst allerdings enthält er zu den geschichtlichen Daten viel Wahres. Die Forderung nach der vierten Mispel gibt es übrigens ebenfalls und kann bei uns nachgelesen werden. Ihr Team des Rheinischen Spiegels! (dt)

Die vierte Mispelblüte für Boisheim

Ähnliche Themen

2 Kommentare

  1. Ich liiiiiiiiiiiiiebe eure Satireberichte. Sie sind Witzig und man kann dabei sogar noch was über unsere Geschichte lernen. Bitte macht weiter.

Kommentare sind geschlossen.