Boisheimer St. Martin gab sein Schwert weiter

Als in der Nacht der Regen einsetzte, da saßen in Boisheim die Kinder bereits wieder zu Hause nach einem Abend voller Brauchtum, Tradition und glücklichem Lachen. Der St. Martins Verein Boisheim hatte zum Fackelzug eingeladen und sorgte für bleibende Erinnerungen.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Viersen-Boisheim – Gut, es scheint zunächst ungewöhnlich den Geist des Brauchtums mit einer Kokosnuss wieder aufleben zu lassen. In Boisheim allerdings gehört bei der St. Martinstradition genau diese Besonderheit dazu. Früher immer in der Leckertüte dabei und irgendwann eingeschlafen, finden hier die Kinder neben Süßigkeiten und Äpfeln mittlerweile wieder eine Kokosnuss – zur Überraschung der Kleinen und Freude der Großen.

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490 Tüten hatten die fleißigen Helfer in diesem Jahr gepackt, die Corona-bedingt bereits vor dem Fackelzug am Schulgebäude abgeholt werden konnten. Längst roch es zu dieser Zeit hier und da in Boisheim nach frischen Mutzen, die am Kindergartengebäude Haus Kafarnaum zum Verkauf angeboten wurden, und kunstvoll gestaltete Laternen säumten zahlreich die Fenster. So wuchs stetig die Freude bald wieder gemeinsam den heiligen St. Martin ehren zu können. Vom Aufstellplatz der Schule bis hin zum Bolzplatz mit dem traditionellen Martinsfeuer erschallten die bekannten Lieder hoch in den Himmel, und erreichten dort sicherlich das Ohr des erfreuten Heiligen, auf dessen Leben das mit viel Leidenschaft gepflegte Brauchtum ruht.
Für die Sicherheit sorgten neben der Karnevalsgesellschaft Ki Ka Kai a auch die Feuerwehr, der neue „Dorfscheriff“ Dominic Leiterer und zahlreiche weitere Helfer – ihnen allen gilt der Dank des Boisheimer Martinsvereins.

Wo nach der langen Lockdownzeit Altes wieder begann, dort stellte sich in diesem Jahr eine weitere Neuerung ein, denn auf dem Pferd ritt nicht, wie in den vergangenen 37 Jahren, Norbert Mertens. Nach wohlverdienten Jahrzehnten als St. Martin und über 60 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit im Verein ging er in diesem Jahr in den Ruhestand und übergab sein Schwert zum Teilen des Mantels an Johannes Gartz.

Mittlerweile 75 Jahre alt, hatte Norbert Mertens 1960 begonnen als Knecht Ruprecht den heiligen Nikolaus zu begleiten, seit 1984 ritt er hoch zu Ross dem Fackelzug an St. Martin voran. „Für diese Zeit möchten wir uns ganz herzlich bedanken“, so Vorsitzende Michaela Theven. „Norbert war unserem Martinsverein immer eine großartige und absolut verlässliche Unterstützung. Ohne ihn und sein Engagement wäre vieles nicht möglich gewesen.“ Umso erfreulicher sei, dass er dem Martinsverein und auch dem neuen St. Martin weiterhin zur Seite stehen wird. „Angelernt“ hat er seinen Nachfolger ganz hervorragend, denn Neu-St. Martin Johannes Gartz ritt um Feuer und armen Mann, dargestellt von Wolfgang Theven, so gekonnt, als ob er nie einen anderen Auftritt beim traditionellen Fest gehabt hätte. (dt)

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