Briefsendung: Wenn Nachbarn sich vernetzen 

Bereits vor einigen Wochen wunderten sich die Anwohner in Viersen-Rahser über die eigenartige Einladung in ihren Briefkästen, jetzt lädt in Dülken und Süchteln eine Gruppe aus der Nachbarschaft zur Vernetzung ein. Was steckt hinter den ungewöhnlichen Flugblättern die aussehen, als wären sie mit einem einfachen Textprogramm erstellt und frisch aus dem Kopierer verteilt worden?

Viersen – Die Idee „einfach mal zwei Eier zum Backen zu leihen“ auf dem gefalteten Zettel im Briefkasten oder an Pinnwänden in Geschäften regen zu ganz unterschiedlichen Vermutungen an. Hat sich wirklich eine Nachbarschaftsgruppe gebildet, die Eier tauscht oder sich zum Lauftraining verabredet? Dabei kommt der Zettel gar nicht aus der Nachbarschaft, sondern ist eine gut getarnte Werbung des Berliner-Unternehmens www.nebenan.de.

„Mit nebenan.de bieten wir Nachbarn eine Plattform zum verbesserten und vereinfachten Austausch innerhalb der Nachbarschaft. Die Nachbarschaft mit Leben zu füllen und zu einem noch lebenswerteren Ort zu machen, liegt jedoch vor allem an euch – den Nachbarn!“, schreibt das Start-Up, das zurück zur traditionellen Vernetzung mit Verbindung digitaler Möglichkeiten tendiert. Christian Vollmann, Mitbegründer des Netzwerks hatte die Idee, als er nach einem Umzug an den Haustüren seiner Nachbarn klingelte um diese kennen zu lernen.

„Wir möchten, dass sich die Menschen in ihrer Straße und ihrem Viertel Zuhause fühlen und aus Fremden Nachbarn werden. Denn gerade Nachbarschaft kann Antworten auf Themen wie demographischer Wandel, Anonymisierung der Gesellschaft, nachhaltiger Umgang mit Ressourcen und Sicherheit liefern“, heißt es weiter. Auf der Seite können Netzwerke gebildet werden, in die nur Menschen Zugang haben die wirklich in der Nachbarschaft leben und sich mit ihrem Klarnamen in die Gemeinschaft einbringen. Dabei funktioniert der Code auf den verteilten Zetteln erst einmal gar nicht, was viele Neugierige zunächst abhält hier weiter zu forschen. Einen funktionierenden Code gibt es erst mit der Verifizierung der Adresse bei der Registrierung und wird unter anderem per Postkarte übermittelt.

Für die Nachbarn ist das Ganze kostenlos. Dies soll auch in Zukunft so bleiben. „Derzeit werden wir von Investoren finanziert. Zu diesen gehören unter anderem der Burda Verlag sowie der Risikokapitalgeber Lakestar. Auf Dauer kann eine Unternehmung wie nebenan.de allerdings nur bestehen, wenn sie Mittel und Wege findet, sich aus eigener Kraft zu refinanzieren. Wir glauben, dass unser Weg dorthin über die intelligente Einbeziehung der lokalen Gewerbetreibenden vor Ort führt. Wir planen schon in Kürze damit zu beginnen, lokale Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomen, aber auch Handwerker, Anwälte, Ärzte, Reinigungsfachleute, Babysitter und all jene, die als Gewerbeschaffende Teil der Nachbarschaft sind, in die Plattform einzubinden,“ so nebenan.de.

In den größeren Städten mit meist unbekannten und anonymen Nachbarn sind solche Netzwerke erfolgreich, wie es sich in den Viersener Stadtteilen entwickelt hängt dann von den Interessierten ab. Ein solches Nachbarschaftsnetzwerk wird von den Unternehmern nämlich erst gegründet, wenn sich mindestens zehn Nachbarn für die Idee interessieren. Ob das Netzwerk den Sprung aus der virtuellen Welt schafft, das liegt dann an der Nachbarschaft. (cs)

Collage: viersen-inside.de