Buchvorstellung „Dem Tod entgegenbalancieren“ von Prof. Dr. Albert Damblon

Erneut wurde ein Buch mit dem obigen Titel von Albert Damblon in der gut besuchten St. Michael-Kirche in Mönchengladbach-Holt vorgestellt. Das war seine sechste Veröffentlichung.

Mönchengladbach – Eröffnet wurde dieser Abend von Jutta Kuhlen-Bauer mit ihrem Akkordeon, die eine ruhige Komposition ausgewählt hatte, um die Leute auf das Buch einzustimmen.

Gertrud Schuchort

Gertrud Schuchort vom Leitungsteam der GdG St. Benedikt begrüßte die Anwesenden und wünschte ihnen einen gemütlichen und spannenden Abend.

Die Bestatterin Katrin Fleßer-Elfroth sprach in ihrer Einführungsrede darüber, wie es überhaupt zu dem Buch gekommen war. Vielleicht auch deshalb, weil ihr als Bestatterin jeden Tag Vertrauen geschenkt wird von Menschen, die mit diesem Balance-Akt konfrontiert werden – durch den Tod eines lieben Angehörigen.

Das Werk ist autobiografisch. Damblon lebt gerne, so gerne, dass er bei dem Gedanken an den Tod, das Ende des Lebens, in Panik verfällt. Damit möchte er sich lieber nicht auseinandersetzen, obwohl er Pfarrer bei Beerdigungen oder auch in der Seelsorge immer ein verlässlicher Begleiter ist, aber der eigene Tod, das ist dann schon schwieriger.

Katrin Fleßer-Elfroth

Genauso geht er mit Formalitäten im Zusammenhang mit einer evtl. schweren Erkrankung, die möglicherweise zu einer Unmündigkeit oder gar zum Tode führen könnte, wie eine Betreuungsvollmacht oder eine Patientenverfügung um. Diese Formulare füllt er zunächst mit Bleistift aus, für die Tinte reicht es nicht.

Sehr schön beschreibt Damblon, wie er eine Anleitung aus dem Buch eines Arztes ausprobieren möchte. Eine Anleitung für junge Ärzte zur Sterbebegleitung. Dabei stellt er sich die Frage, wie sich der Gedanke anfühlt, nur noch 24 Stunden zu leben. Diese Sterbeübung nimmt Damblon einen Tag vor seinem runden Geburtstag vor. Er setzt sich dazu gemütlich mit einem Glas Wein auf den Balkon, an einem wunderschönen waren Sommerabend. Und alles um ihn herum, die Blätter in den Bäumen, der Himmel, eine Katze, der Blick in den Hinterhof, die Frage: ob ein Glas Rotwein überhaupt zu einem lauen Sommerabend passt, lenken von der eigentlichen Aufgabe ab – das Leben drumherum und die Gedanken an den bevorstehenden Geburtstag. Die Aufgabe war so nicht zu lösen. Am Geburtstag selbst gab es eine Flasche Wein mit dem Gruß „ad multos annos“ = auf viele Jahre.

Obwohl das Buch sich einem eher schweren Thema widmet, ist es heiter in Damblons ganz natürlicher Erzählweise geschrieben. Oft schmunzelt man auch, besonders bei Personenbeschreibungen wie z.B. der des rundlichen Busfahrers in Straubing, dessen krauses Haar so gar nicht zu seiner Figur passen will und der scheinbar in seinem Leben schon viel Weizenbier getrunken hat und dessen braune Augen oberhalb der Pausbacken leuchten.

Jutta Kuhlen-Bauer

Ihre Einführung schlossen mit den Worten: es ist ein hoffnungsvolles, berührendes, persönliches Buch, geschrieben von einem tiefsinnigen, realistischen und lebensfrohen Betrachter seiner Umwelt.

Nach einem Akkordeon-Stück von Jutta Kuhlen-Bauer begann Albert Damblon mit der Vorstellung seines Buches. Er wies drauf hin, das jedes Buch ein Titelbild und einen Titel haben müsse. Dieses ist dann entstanden in einer Auseinandersetzung mit dem Lektor des Verlages. Zuerst war er nicht einverstanden, hat es dann aber doch genehmigt. Es ist ein Glaubensbuch mit vielen Zweifeln, auch für diejenigen, die mit Auferstehung nichts anfangen können.

Seine erste Geschichte erzählte von einem Manfred Düwel, der als Rentner Zeit hatte, seinen Stammbaum zu erforschen. Aber so einfach war die Sache nicht. Es war schwierig, den richtigen Eintrag in den alten Kirchenbüchern zu finden. Einige Monate später traf Damblon Düwel wieder und dieser berichtete stolz, dass er bis 1800 seine Vorfahren ermittelt habe. Danach verschwammen die Spuren. Aber Düwel suchte weiter.

Der Zufall spielte Damblon seinen eigenen Stammbaum in die Hand. Er fand einen Namensvetter, der nicht weit entfernt lebte. Sie trafen sich und es stellte sich heraus, dass sie weitläufig verwandt waren. Besonders interessant ist, dass sein Vater Josef seiner jungen Frau Maria im Jahre 1905 zur Hochzeit ein Buffet für das Wohnzimmer schenkte. Diese Vitrine von Josef und Maria hat zwei Weltkriege überlebt und steht heute noch im Wohnzimmer von Damblon.

Er traf Düwel erneut auf der Straße und erzählte ihm von seinem Stammbaum. Durch ihn hatte er gelernt, dass er stärker an seinem Ich hängt, als er bisher vermutet hatte.

Seine zweite Geschichte handelt von Herrn Brocken, der 85 Jahre alt war und alle, die ihn kannten, nannten ihn Opa. Auf Wunsch seines Sohnes sollte Damblon ihm die Osterkommunion bringen. Nach dem Klingeln musste er lange waren, ehe Opa Brocken ihm die Tür öffnete. Langsam schlichen sie ins Wohnzimmer, wo bereits alles vorbereitet war. Wieder erschrak Damblon über die nässende Kopfwunde von Opa Brocken, obwohl er sie schon öfter gesehen hatte. Am liebsten hätte er weggeschaut, doch er wollte Opa Brocken anblicken. Dieser erzählte bei jedem Besuch, dass er an einem aggressiven Hautkrebs litt. Wahrscheinlich hätte er Damblon gerne den Anblick erspart, aber das ging nicht, denn die Kommunion lässt sich nur von Angesicht zu Angesicht reichen. Traurig führte Opa Brocken an, dass seine Urenkel Angst vor ihm haben, vor seinem Gesicht.

Unwillkürlich dachte Damblon zurück an das Blatt des Kunstkalenders, das er gestern abgerissen hatte. Dieses stellte die Auferstehung Jesu dar. Als die beiden zum Schluss versuchten, gemeinsam ein Lied zu singen, mühte Opa Brocken sich den Ton zu treffen. Mund und Gaumen waren für den Gesang verschont geblieben. Sie sangen einen anderen Text, denn „Rubinen gleich die Wunden all“ kam nicht über ihre Lippen. Danach fuhr Damblon nach Hause. Die Sonne blieb versteckt und der Himmel verdüsterte sich zur Nacht. Erst am Mittwoch schien wieder die Sonne.

In seiner dritten und letzten Geschichte erzählte Damblon von den letzten Worten. Er wies darauf hin, dass diese bereits vor dem Tod seiner Mutter geschrieben wurde.

In seiner Familie war es üblich, dass Damblon seine Mutter einmal die Woche anrief. Sie wartete immer auf diesen Anruf und er spürte am Telefon, wie sehr sie sich freute von ihm zu hören. Es waren immer kurze Gespräche, weil noch der Gebührenzähler tickte. Nach der Frage, wie es ihr ginge und die Antwort gut war, ging seine Mutter immer zum Wetter über. Wenn nichts außergewöhnliches passiert war, wurde das Gespräch bald beendet. Es reichte die Stimme des anderen gehört zu haben.

Als er einmal in Italien war, suchte er verzweifelt nach einem Telefonhäuschen. Es dauerte einige Tage, ehe er ein Telefonat nach Deutschland führen konnte. Aber es war dann ein kleiner Sieg, als er die Stimme seiner Mutter hörte und sie ihn. Als Damblon dann mit seinem Handy reiste, war es plötzlich möglich, an jedem Ort und zu jeder Zeit die Nummer seiner Mutter zu wählen, man brauchte nur ein starkes Netz. Trotzdem haben sie nicht öfter miteinander telefoniert. Oft wartete er auf einen Anruf seiner Mutter, aber es kam nichts.

Bestatterin Katrin Fleßer-Elfroth, Dr. Albert Damblon (Autor), Jutta Kuhlen-Bauer (Akkordeon)

Das Fazit dieser Geschichte ist, dass das letzte Wort eines Menschen so kostbar ist. Die letzten Worte werden gesammelt und aufbewahrt wie Vermächtnisse. Leider hat er die letzten Worte seiner Mutter nicht behalten, aber das schweigende Handy im Urlaub erinnert ihn daran.

Zwischen den einzelnen Erzählungen und zum Abschluss dieser sehr emotionellen Buchvorstellung stellte Jutta Kuhlen-Bauer mit ihrem Akkordeon ihr Können unter Beweis.

Die GdG St. Benedikt bat anschließend zu einem kleinen Umtrunk mit Wein und Wasser. Auch konnte das Buch gekauft und von Damblon signiert werden.

Kaufen kann man das Buch für 9,90 Euro in jeder guten Buchhandlung, z.B. Buchhandlung Degenhardt, Friedrichstraße 14 in Mönchengladbach. ISBN 978-3-429-05410-6

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