Bürgerinitiative „Wir für unsere Stadt“ lud zum Plogging

Langsam hat der Frühling Einzug gehalten und überall werden die ersten ehrenamtlichen Müllsammelaktionen geplant. Traditionell startete auch die Bürgerinitiative „Wir für unsere Stadt“ eine eigene Aufräumaktion, in diesem Jahr jedoch hatte sie sich etwas Neues einfallen lassen.

Viersen – Aus Schweden ganz frisch herüber geschwappt ist das Plogging nach Deutschland und bundesweit treffen sich bereits die ersten Laufgruppen, die Sport und Umweltschutz miteinander verbinden. Plogging ist Joggen und Müll sammeln in Einem mit zusätzlichem Trainingseffekt. Warum nicht, dachte sich die Bürgerinitiative „Wir für unsere Stadt“ und lud ihre laufaffinen Mitglieder, Freunde und Bekannte zu ihrem ersten Viersener Plogging ein. „Wir haben zur dieser Aktion intern eingeladen um die Resonanz des neuen Trends zu testen“, so Olaf Josten, Vorsitzender der Bürgerinitiative. Siebzehn Teilnehmer haben sich angemeldet, alle mit Turnschuhen und Mülltüte bewaffnet. Eine gute Resonanz, mit der Josten zufrieden ist.

Das Wort „Plogging“ setzt sich aus dem schwedischen Wort „plocka“ = sammeln, aufheben und „Jogging“ zusammen. Dabei werden aber direkt mehrere Ziele angesteuert, denn nicht nur die Umwelt profitiert von der Idee, auch für den Jogger hat das Plogging einen positiven Nebeneffekt. Durch die neue Bewegung beim Aufheben werden zusätzliche Muskelgruppen beansprucht und trainiert. Nicht nur in Schweden ist die Idee der Frühjahrstrend 2018, denn auch die Viersener Teilnehmer wollen weitermachen. Dabei hat die Gruppe ganz unterschiedliche Zeiten und Strecken gewählt, sammeln während des Laufens Müll in die mitgebrachte Tüte und entsorgen ihn am Ende ordnungsgemäß.

„Ob organisierte Müllsammel-Aktionen oder individuelles Plogging, wir alle können mit ein paar Handbewegungen helfen, dass Viersen sauberer wird“, sagt Michelle (17), die jüngste Teilnehmerin der Gruppe. „Die Idee ist nicht nur gut für die Gesundheit, sie ist auch gut für Geist, Seele und Umwelt.“ Sie selbst würde bisher immer viel zu wenig Sport treiben, es sich aber immer vornehmen. Mit dem Plogging-Konzept hätte sie jedoch einen weiteren Anreiz, nur zu nass sei es ihr momentan. Die Idee findet nicht nur sie witzig und frisch. Manfred (46) wirft einen Becher in den Müllbeutel mit den Henkeln, den er in seiner Hand hält. Er arbeitet bei der Deutschen Bahn in der IT-Entwicklung. Seine Frau hat ihn auf die Aktion aufmerksam gemacht. „Ich dachte mir, das klingt verrückt, da machen wir mit.“ Beide möchten nachhaltiger leben, sind erst vor kurzem von Köln aus in die Region gezogen. „Eine solche Gruppe gibt es in Köln auch“, sagt Maria (41). Eine Freundin sei in der Domstadt aktiv dabei und habe ihr von der Idee erzählt. Als dann in Viersen darüber nachgedacht wurde war sie sofort dabei. „Plogging ist Training für Oberschenkel- und Rückenmuskulatur“, lacht sie. In ihrer Tüte sammeln sich Flaschen, Hundekot-Beutel, Papier. Ein wenig neugierig werden sie von einer Passantin beäugt, doch als sie erfährt, worum es sich handelt, erntet die Gruppe Lob. Dass es nicht nur positive Stimmen geben wird, das weiß jeder Teilnehmer. „Es gibt so viele ungewöhnliche Hobbys, warum nicht? Outdoor-Sport und Umwelt gehören zusammen“, da ist sich Michelle sicher. „Schließlich wollen wir nicht durch einen Park laufen der dreckig ist. Dass ich den Müll anderer wegräume interessiert mich nicht. Ich hoffe viel mehr, dass ich den Umweltsündern ein Vorbild sein kann und die die lachen, die sollten sich einmal an die eigene Nase fassen.“

Doch nicht nur in Schweden und Deutschland sind Plogging-Gruppen aktiv. Auch beispielsweise in den USA, Thailand und Bosnien-Herzegowina haben sich im letzten halben Jahr Gruppen gebildet. Auf Instagram tauchen immer häufiger Müll-Sammler-Fotos aus der ganzen Welt auf. Nur ein Trend oder ein Social-Media-Lifestyle? Das sei eigentlich egal solange es Spaß macht, da sind sich die Teilnehmer einig, die auch in Zukunft den inneren Schweinehund überwinden wollen – mit Laufschuhen und Mülltüte. „Es ist sicherlich von allem ein bisschen“, sagt BI-Vorsitzender Olaf Josten. „Wir wollten bei den jährlichen Müllsammelaktionen, von denen einige im Laufe der Zeit aufhören mussten, weil einfach zu wenig Teilnehmer dabei waren, einfach etwas anderes anbieten, etwas Neues und ein bisschen Verrücktes.“ (wh)

Foto: wh