Bürgermeister im Kreis Viersen fordern Impfangebot für Schüler ab 12 Jahren

Mit einem Brief haben sich die neun Bürgermeister des Kreises Viersen an Ministerien in Düsseldorf gewandt. Sie fordern ein Impfangebot für Schüler ab 12 Jahren, denn bei der aktuellen Auflistung der Landesregierung für mobile Impfangebote vermissen die Verwaltungsspitzen die weiterführenden Schulen.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Kreis Viersen – Die Empfänger sind klar definiert, an Ministerin Yvonne Gebauer und Minister Karl-Josef Laumann ist das Anliegen der neun Bürgermeister der Kommunen gerichtet, die zum Bereich des Kreises Viersen gehören. Für diese drückt Karl-Heinz Wassong, Bürgermeister der Gemeinde Niederkrüchten und Sprecher der Bürgermeister zunächst die Würdigung der Anstrengungen von Bund, Land und Kommunen im Kampf gegen Corona-Pandemie aus. „Hygieneregeln, Lockdown, lmpfen und Testen haben uns weit gebracht. lnsbesondere die lmpfungen kommen gut voran und bringen uns einer angestrebten hohen Durchimpfungsrate näher“, so ein Auszug.

Doch eine Bevölkerungsgruppe scheint aus Sicht der Verwaltungsspitzen mit einer nicht ausreichenden bzw. aussichtsreichen Perspektive versehen. „Die Schülerinnen und Schüler der Grund- und weiterführenden Schulen sowie der Berufskollegs stehen im Impfplan weit hinten an bzw. bekommen noch nicht einmal eine Impfempfehlung. Dabei warnen Teile der Wissenschaft eben auch bei dieser Personengruppe bei einer Erkrankung insbesondere vor den drohenden Langzeitfolgen einer Infektion.“

Als Nebeneffekt würde in den Augen der Bürgermeister das lmpfen dieser Bevölkerungsgruppe ebenfalls ein wesentlicher Faktor zur Erreichung der gewünschten Herdenimmunität sein. In ihrem Schreiben weisen die Bürgermeister darauf hin, dass zudem gerade Kinder und Jugendliche in den letzten anderthalb Jahren aufgrund der Einschränkungen besonders in bildungstechnischer Hinsicht aber auch sozial schwer gelitten haben. Sie sind sich sicher: Eine vierte lnfektionswelle mit der Delta-Variante ohne Perspektive auf eine lmpfung wäre fatal und stattdessen lediglich Maskenpflicht, Testen und Lüften in Aussicht zu stellen, wäre die Missachtung einer ganzen Generation. „Die Strategie ,,Wait and See“ nach den Ferien halten wir für unzureichend.“

ln der Fortschreibung des Erlasses zur lmpfung der Bevölkerung gegen Covid 19 vom 2. Juli wird den Kreisen und kreisfreien Städten ab sofort ermöglicht, mobil aufsuchende lmpfangebote für die Allgemeinbevölkerung zu schaffen, um eine möglichst hohe Durchimpfungsrate der Bevölkerung zu erreichen. Allerdings vermissen die Bürgermeister bei dieser Auflistung die weiterführenden Schulen als mögliche Einsatzorte. „Vor diesem Hintergrund schlagen wir lhnen vor und fordern, den Schülerinnen und Schülern der weiterführenden Schulen nach den Sommerferien ein explizites lmpfangebot vor Ort zu machen und dazu mobile lmpfteams einzusetzen. Die Schülerinnen und Schüler ab 12 Jahren könnten sich dann mit dem Einverständnis ihrer Eltern zügig impfen lassen und so zum Schutz der Gesamtbevölkerung beitragen.“

„Ich begrüße die Initiative der Bürgermeister, doch leider richtet sie sich an den falschen Adressaten. Die Bürgermeister sollten Ihren Brandbrief an die ständige Impfkommission richten, dort wäre er richtig platziert. Eltern brauchen eine klare Impfempfehlung, diese müssen die Experten der STIKO möglichst bald aussprechen, dies kann nicht durch die Politik geschehen. Die Empfehlung muss meines Erachtens auch mögliche Langzeitfolgen für Kinder und Jugendliche mit beachten, die auftreten, wenn unsere Kinder und Jugendlichen nicht bald wieder einen normalen Alltag erfahren“, meint Dietmar Brockes, Vorsitzender der FDP-Niederrhein und Landtagsabgeordneter.

Anders als die Bürgermeister fordert Brockes nicht erst bis nach den Ferien mit einem Impfangebot vor Ort zu warten, sondern gerade die Ferien auch zu nutzen. „Der Kreis Viersen hat bereits heute die rechtlichen Möglichkeiten. Er kann niederschwellige Impfangebote anbieten und zum Beispiel vor Jugendtreffs, Sport- und Freizeiteinrichtungen mit mobilen Teams aktiv werden. Hier sollten sich die Bürgermeister sehr schnell mit dem Landrat zusammensetzen und ein kreisweites Aktionsprogramm starten“, sagt der Liberale, der seine 16-jährige Tochter auch bereits impfen ließ. „Eltern die sich weiterhin nicht sicher sind, empfehle ich, mit dem Kinder- oder Hausarzt darüber zu sprechen“, so Brockes. (dt)