Im Evangelischen Gemeindehaus brodelte am gestrigen Abend wieder der karnevalistische Herzschlag, als die Karnevalsgesellschaft Hamm wer net 1950 e.V. mit ihrer Damensitzung den Schlusspunkt unter einen prall gefüllten Veranstaltungsreigen setzte.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Martin Häming
Viersche – Bienen, Pfauen, Sterne, Feen … die Kostüme waren farbenfroh und bunt gemischt. Nach zwei umjubelten Sitzungen am Wochenende zuvor gehörte der gestrige finale Abend der KG Hamm wer net ganz den Närrinnen und jecken Feierbiestern – und sie machten vom ersten Moment an klar, dass hier keine Müdigkeit, sondern ausgelassene Jubelstimmung und Lebensfreude regierten. Der Saal, der als Straßenkarte von Vierschen Hamm angelegt war, war erfüllt von Lachen, Musik, Glitzer und der besonderen Energie, die nur eine echte Damensitzung entfalten kann.

Schon der mitreißende Auftakt ließ keinen Zweifel daran, dass dieser Abend ganz im Zeichen von Leidenschaft, Tempo und karnevalistischer Begeisterung stand. Getreu dem Sessionsmotto „Ti amo – Erste Liebe Hamm“ marschierte die KG Hamm wer net mit in den festlich geschmückten Saal ein. Von der ersten Sekunde an sprang der Funke über, doch damit nicht genug – der Abend hielt gleich zu Beginn eine ganz besondere Überraschung bereit: In Würdigung und Anerkennung seiner langjährigen und herausragenden Verdienste um den Erhalt und die Förderung des heimatlichen Karnevalsbrauchtums verlieh der Karnevalsverband Linker Niederrhein e. V. den Verdienstorden in Gold an Michael Berghausen. Überreicht wurde die hohe Auszeichnung von Konrad „Konni“ Kreuzberg – zur großen und sichtlich bewegenden Überraschung des Hamm-wer-net-Präsidenten Michael Berghausen selbst.

Strahlende Gesichter bestimmten das Bild, bevor sich nahtlos das Prinzenpaar der Narrenherrlichkeit Viersen, Prinz Wolfgang III. und Prinzessin Estefania I. – die nun den liebevollen Beinamen „Unser Aperölchen“ trägt -, mit ihrem imposanten Gefolge anschloss. Begleitet von der Viersener Prinzengarde bot sich ein prachtvoller Anblick, der den Saal in ein Meer aus Applaus und Begeisterung tauchte. Mit Charme, Herzlichkeit und einem feinen karnevalistischen Augenzwinkern begrüßten die Tollitäten ihr Publikum und verstanden es meisterhaft, sofort eine Nähe herzustellen, die den ganzen Abend tragen sollte.

Gekrönt wurde dieser Auftritt durch die Darbietung der Viersener Prinzengarde, die einmal mehr eindrucksvoll bewies, warum sie zu den Aushängeschildern des regionalen Karnevals zählt. Der Saal hielt den Atem an, als schließlich das Solomariechen Anna-Lena die Bühne betrat. Mit scheinbarer Leichtigkeit, technischer Brillanz und einem Lächeln, das bis in die letzte Reihe funkelte, zog sie das Publikum in ihren Bann. Jeder Sprung, jede Drehung saß punktgenau, ihre Ausstrahlung verlieh dem Auftritt eine besondere Magie. Gemeinsam mit der Regimentstochter entwickelte sich daraus ein karnevalistisches Gesamtkunstwerk, das längst Tradition hat und dennoch jedes Mal aufs Neue begeistert.

Nach diesem glanzvollen Auftakt übernahm dann Kaschämm die Bühne und verwandelte das Evangelische Gemeindehaus im Handumdrehen in eine kölsche „Spelunke“ voller Lebensfreude, Lachen und ausgelassener Stimmung. Frontmann Daniel Herzog, charmant, stimmgewaltig und mitreißend, riss die Damen vom ersten Ton an mit und führte durch ein Feuerwerk kölscher Klassiker und karnevalistischer Hits. Carina Hinz wirbelte durch die Menge – jede Note schien wie von selbst den Saal zu erfüllen, mal zart, mal kraftvoll, immer mit einer unbändigen Spielfreude, die jeden mitriss. Sebastian Kuhlen und Philipp Thomas sorgten auf Gitarre und Bass für den satten Rhythmus, der die Füße unwillkürlich auf den Boden stampfen ließ, während Sebastian Wegener am Schlagzeug jeden Beat präzise und doch mitreißend setzte. Elias Kys ergänzte die Klangfülle auf Keyboard und Posaune und verlieh mit seinen Gesangseinlagen dem Sound noch zusätzliche Tiefe.
Kaschämm verstand es den kölschen Spirit authentisch zu transportieren: Mit energiegeladenen Arrangements, überraschenden Akzenten und der perfekten Mischung aus Tempo, Humor und Spielfreude gab es kein Halten mehr. Jeder Song wurde neu interpretiert, jeder Refrain zum Mitgrölen, jede Melodie zum Schunkeln. Die Karnevalistinnen klatschten, sangen und jubelten, die Hände gingen in die Höhe, und immer wieder erfüllte lautes Lachen den Saal.

Kaum war der letzte Ton verklungen, ging es Schlag auf Schlag weiter. Der Hammer Show Express ließ das Evangelische Gemeindehaus erneut wackeln. Die aus den Reihen der KG Hamm wer net hervorgegangene Gruppe zeigte eindrucksvoll, was entsteht, wenn Leidenschaft, Kreativität und karnevalistischer Wahnsinn zusammentreffen. Mit hohem Tempo, überraschenden Wendungen und einer mitreißenden Energie jagte ein Höhepunkt den nächsten. Die Freude der Akteure war greifbar, ihre Begeisterung übertrug sich unmittelbar auf den Saal. Hier wurde nicht nur getanzt und gesungen – hier wurde Karneval gelebt, gefeiert und mit jeder Faser zelebriert.

Mit den Jeck Street Boys betrat anschließend das wohl heißeste Trio des Kölner Karnevals die Bühne. Steven, Sascha und Andreas kombinierten Gesang, Tanz und Entertainment zu einer modernen, dynamischen Show, die bei den Damen für Begeisterungsstürme sorgte. Steven Timmerman überzeugte als geborener Entertainer mit tänzerischer Eleganz, Sascha Breuer-Rölke führte charmant und stimmgewaltig durch das Programm, während Andreas Hardegen mit seiner markanten Bass-Stimme und Beatbox-Elementen das Fundament legte. Die Mischung aus kölschem Lebensgefühl, zeitgemäßen Beats und charismatischer Ausstrahlung machte ihren Auftritt zu einem weiteren Höhepunkt des Abends.

Beste Stimmung herrschte auch, als die Les Hammphries die Bühne eroberten. Die heimischen Publikumslieblinge verstanden es mühelos, den Saal für sich zu gewinnen. Mit viel Humor, Charme und einem großen Herzen für den Karneval präsentierte die Hobby-Formation ein ebenso kreatives wie liebevoll gestaltetes Programm. Medleys, überraschende Übergänge und augenzwinkernde Einlagen sorgten für Lacher und Begeisterung. Ihr Auftritt wurde vom Publikum mit lang anhaltendem Applaus belohnt. Zu Recht? Oh ja, mehr als zu Recht und mit diesem wunderbaren Gefühl im Herzen, in Viersche lebt die jecke Zeit.

Für frischen Wind sorgte anschließend „Tante Käthe“, die Partyband aus Köln, auf der Vierscher Bühne. Tante Käthe, die sich 2019 aus der bekannten Karnevalsformation „Kölsch à la Carte“ neu formierte, brachte nicht nur ein breitgefächertes Repertoire an nationalen und internationalen Hits mit, sondern auch ein Showkonzept, das pure Unterhaltung garantiert. Frontmann Marco „The Shark“ stand mit seiner Bühnenpräsenz sofort im Mittelpunkt. Seit Jahrzehnten ein Vollprofi, zeigte er eine enorme Stimmgewalt und Ausstrahlung, ließ das Publikum an seinen internationalen Erfahrungen teilhaben und nahm jeden Song mit einer unglaublichen Energie mit auf die Bühne.
An seiner Seite begeisterte Annika mit ihrem glasklaren Gesang, der sowohl zarte Balladen als auch kraftvolle Partyhits meisterhaft interpretierte. Mit mehr als einem Jahrzehnt Bühnenerfahrung bei den „Sweet Sisters“ und TV-Auftritten bei RTL+ zeigte sie nicht nur stimmliche Brillanz, sondern auch ein Gespür für Timing, Bewegung und Bühnenpräsenz. Keyboarder Christoph brillierte nicht nur mit seinem absoluten Gehör, sondern setzte auch in komplexen Arrangements präzise Akzente. Mit virtuoser Technik, spontanen Soli und einem unerschütterlichen Rhythmusgefühl brachte er das Publikum zum Staunen und verlieh den Songs zusätzliche Tiefe.
Fabian an Gitarre und Gesang setzte kraftvolle Riffs, präzise Läufe und rockige Akzente, während er mit seinem Sounddesign für den satten Bühnenklang sorgte. Drummer Frank, alias „Dr. Beat“, ließ die Trommeln sprechen: kraftvolle Rhythmen, elegante Fills und eine Bühnenpräsenz, die den ganzen Saal in Bewegung versetzte, machten jeden Song zu einem kleinen Feuerwerk. Schließlich komplettierte Mike Vega das Ensemble: am Bass und an der Gitarre, flexibel, präzise und immer mit dem Gespür für den richtigen Groove. Der Auftritt war eine Show für sich: Kostümwechsel verwandelten die Bühne in ein dynamisches Bühnen-Wohnzimmer, in dem die Musiker – oder besser gesagt die „Verwandtschaft“ von Tante Käthe – in unterschiedlichsten Rollen auftauchten. Mal wild, mal elegant, mal durchgeknallt, immer energiegeladen.

Zu später Stunde setzten die Fauth Dance Company Gentlemen ein weiteres Ausrufezeichen. Seit ihrer Gründung haben sie sich einen festen Platz im rheinischen Karneval erarbeitet, und auch an diesem Abend zeigten sie, warum. Moderne Choreografien, humorvolle Elemente und eine explosive Mischung aus Musikstilen sorgten für Begeisterungsstürme. Der Saal tobte, als die Gentlemen ihre rasanten Bewegungen mit Charisma und Spielfreude kombinierten.
Den finalen Höhepunkt lieferte schließlich MS Tacheles. Die sechs exzentrischen Charaktere nahmen das Publikum mit auf eine musikalische Achterbahnfahrt, bei der alles erlaubt war, solange die Stimmung stimmte. Karnevalsklassiker trafen auf Popsongs, Schlager verschmolzen mit Partyhits, eigene Kompositionen reihten sich nahtlos ein. Frontmann Rainer Schuster führte charmant, wortgewandt das Mikrofon, animierte zum Mitsingen, Mitklatschen und spontanen Tanzeinlagen und sorgte für eine perfekt orchestrierte Portion Chaos.
Franz Branntwein, Virtuose auf Gitarre und Keyboards, setzte präzise Akzente, jonglierte mal mit klassischen Karnevalsmelodien, mal mit poppigen Partyhits und verband sie mit humorvollen Einwürfen, die das Publikum zum Lachen brachten. Helwig-Maria Pingelmann überraschte mit exzentrischen Showeinlagen, wechselte zwischen Gesang, Percussion und kleinen Instrumentensoli und sorgte so immer wieder für unerwartete Wendungen auf der Bühne. Der schüchterne Schorsch, der seinem Namen alle Ehre machte, brachte mit seiner charmanten Zurückhaltung einen zusätzlichen komischen Effekt ins Spiel und überraschte im richtigen Moment mit pointierten Gesangs- und Instrumentalpassagen, die das Publikum begeisterten.
Elvis Massimiliano Maserati ließ mit seiner unverwechselbaren Performance den Rock’n’Roll-Geist der Bühne lebendig werden, während Magic Manni mit verblüffenden Tricks, witzigen Einlagen und virtuosen Rhythmus-Experimenten die Stimmung immer weiter eskalieren ließ. Zusammen verwandelten sie jeden Song in ein turbulentes Spektakel. Keine Nummer blieb unberührt, kein Genre verschont – alles wurde auf die Bühne geworfen, durch den Tacheles-Wolf gedreht und als ausgelassene, tanzbare Show wieder serviert. Mit skurrilen Rollen und spontanen Aktionen verging die Zeit wie im Flug. Die Vierscher Damenwelt sang, tanzte, lachte und schunkelte – was für ein fantastischer Abend, der den Geist der Damensitzung in all seiner Vielfalt widerspiegelte. Viel zu schön, um direkt nach Hause zu gehen, weshalb noch bis tief in die Nacht im kleinen Saal gefeiert wurde, hach, so schön ist das rheinische Brauchtum. (nb)





