BUND: Verbot von Kunststoffgranulat auf Kunstrasenplätzen unausweichlich

In der Debatte über den Einsatz von Mikroplastikpartikeln auf Kunstrasen fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ein Verbot von Kunststoffgranulat auf Sportplätzen. Eine BUND-Recherche zeigt, dass Kunstrasenplätze die fünftgrößte Eintragsquelle von Mikroplastik in die Umwelt in Deutschland sind. Deshalb müssen auch nach Ansicht des BUND Stadt und Kreis Viersen umgehend der Einsatz von Kunststoffgranulat beendet und umweltfreundlichere Alternativen genutzt werden.

Kreis Viersen – „Ein Verbot ist unausweichlich“, betont Nadja Ziebarth, BUND-Expertin für Mikroplastik. „Denn Fakt ist: Das Granulat gelangt in die Umwelt, insbesondere der Eintrag ins Wasser, zum Beispiel durch Witterung oder Stollenschuhe, kann nur unzureichend verhindert werden. Es geht uns nicht um ein grundsätzliches Verbot von Kunstrasenplätzen. Problematisch ist jedoch das derzeit noch überwiegend aus Kunststoff bestehende Granulat, das auf diesen Plätzen ausgebracht wird.“ Kunststoffgranulat sei letztlich nichts Anderes als umweltschädliches Mikroplastik. „Sobald es einmal in der Umwelt ist, gibt es keine Möglichkeit, Mikroplastik wieder aus Boden und Gewässern herauszuholen“, erklärt die BUND-Expertin.
Nach Auffassung des BUND müssen deshalb alternative Materialien gefunden und ihre Praxistauglichkeit schnellstens überprüft werden.

„Selbstverständlich ist auch der BUND Stadt und Kreis Viersen dafür, dass einerseits die Gesundheit der Spieler vor den lebensbedrohlichen Auswirkungen des Kunststoffrasens geschützt werden. Andererseits bewahren wir mit einem raschen Verbot auch die gesamte Umwelt und vor allem unser Lebensmittel Wasser vor weiterer Vergiftung“, so die BUND-Organisation im Kreis Viersen. „Es kann nicht sein, dass das kommerzielle Gewinnstreben der Fußballvereine und des Deutschen Fußballverbandes noch länger die schon jetzt bestehenden Schäden vergrößert; die Zeit drängt – lange Übergangsfristen sind lebensbedrohend für alle.“

Vielversprechende Optionen für Alternativen wären Sand statt Kunststoffgranulat oder alternative Füllmaterialien wie Kork oder Kokosnussschalen. „Hamburg macht es vor: Die Stadt setzt auf ihren öffentlichen Kunstrasenplätzen schon seit mehreren Jahren Sand ein“, sagt Ziebarth. Doch auch bei den umweltfreundlicheren Alternativen sollte der Materialeinsatz so gering wie möglich gehalten und damit natürliche Ressourcen geschont werden.
„Wir halten – anders als der Deutsche Fußball-Bund – nichts von langen Übergangsfristen. Mikroplastik im Kunstrasen ist schon jetzt eine Gefahr für unsere Umwelt und muss ebenso wie Mikroplastik in Kosmetik- und Reinigungsartikel schnell verboten werden“, so Ziebarth. Nach Auffassung des Umweltverbandes müssen bei dem Austausch von Kunststoffgranulat insbesondere kleine Vereine finanziell unterstützt werden. „Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Bundesinnenminister Horst Seehofer sollten sich schnellstmöglich mit dem DFB zusammensetzen und eine tragfähige Lösung für Umwelt und Vereine auf den Weg bringen“, so die BUND-Expertin weiter. Vereine müssten darüber hinaus auch in einer Übergangsphase in der Pflicht stehen, den Eintrag von Kunststoffgranulat in die Umwelt bei bestehenden Plätzen zu verringern. „Neue Kunstrasen-Sportplätze sollten zudem nur noch mit einem alternativen Füllstoff geplant und umgesetzt werden“, so Ziebarth abschließend.

Immer mehr Studien zeigen, dass Mikroplastik in der Umwelt weit verbreitet ist und sich dort ansammelt. Das Alfred-Wegener-Institut veröffentlichte vergangene Woche eine Untersuchung, die Mikroplastik sogar in entlegenen Regionen wie der Arktis und den Alpen nachweist. Dorthin gelangt es über die Atmosphäre mittels Windes und Niederschlag.
Insbesondere in Gewässern sind schädliche Wirkungen auf Organismen und Ökosysteme wahrscheinlich. Eine aktuelle Studie des Institutes für Ostseeforschung (IOW) hat nachgewiesen, dass Mikroplastik sich im Meer nicht zersetzt – dies macht es umso dringender, die Einträge aus Mikroplastik zu beenden.