BUND Viersen kritisiert Abschuss von Damwild und Einzäunung im Brachter Wald

Die Damwild-Hegegenehmigung im Brachter Wald soll verlängert werden, teilte der Kreis Viersen mit, der Zaun bis 2022 erhalten bleiben.  Zu dieser Entscheidung meldet sich nun der BUND Viersen zu Wort.

Brüggen – Der drei Meter hohe Zaun, der 21 km lang das alte Munitionsdepot im Brachter Wald einzäunt ist nicht zu übersehen. Nach 1996 wurde das über 1.000 Hektar große Gebiet zum Naturschutzgebiet, nachdem 1996 die Briten abzogen. Der Zaun sperrt jedoch auch das dort lebende Damwild ein. 2009 verhungerten Tiere in diesem Gebiet, weil sie zu wenig Nahrung fanden, seit 2019 wird der Bestand kontrolliert, im Fall der zu großen Vermehrung sogar geschossen. Der damalige Umweltminister Remmel forderte den Abbau des Zauns. Eine Forderung die der Kreis nicht nachkam, denn die AG „Wildbestand Brachter Wald“ votierte in einer Mehrheit für die Erhaltung des Zauns.

Vor der Sitzung des Kreistages am Donnerstag, den 6.7.17 meldet sich nun der BUND Viersen in einer Stellungnahme zu Wort und kritisiert die Entscheidung des Kreises scharf. „Als BUND- Mitglied im Landschaftsbeirat Viersen und als Mitglied der AG „Wildbestand Brachter Wald“ habe ich von Anfang an gegen die dauernde Beibehaltung der Einzäunung des Naturschutzgebietes „Brachter Wald“ votiert. Nach unserer BUND-Überzeugung widerspricht es den Prinzipien des Natur- und Tierschutzes, wenn Wild-Tiere – hier vor allem Damwild – in einem Naturschutzgebiet wie dem „Brachter Wald“ zooähnlich gehalten werden“, sagt Horst Meister (BUND). „Und weil sich ihre Zahl durch die geschlossene Zaunhaltung rasch vermehrt, müssen jährlich  eine unverhältnismäßig große Zahl dieser Tiere abgeschossen werden. Deshalb sollte nach unserer Überzeugung der 21 km lange und ca. 3 m hohe Zaun (noch aus Zeiten des britischen Munitionsdepots) innerhalb einer kürzeren Übergangszeit schrittweise zurückgebaut werden.“

Der BUND Viersen war der einzige Naturschutzverband im Kreis Viersen, der diese Forderung von Anfang an öffentlich vertreten hat –  und der sich zeitweise auch das NRW-Umweltministerium anschloss. Leider wurden die Fristen einer Zaunentfernung seit 1996 immer wieder hinausgeschoben, u. a. auch, weil es beim „Wild-Monitoring“ und bei der Beweidung von Heideflächen immer wieder Schwierigkeiten gab.

„Die jetzige Lösung, die Beibehaltung des Schutzzaunes bis zum Ende des Monitorings 2022 ist aus Sicht des Natur- aber auch des Tierschutzes unbefriedigend“, so Meister und verweist auf das § 1 des Deutschen Tierschutzgesetzes, in dem es unmissverständlich heißt: „Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“. Es sei für ihn nicht nachvollziehbar, was an einem jährlichen Massenabschießen von Tieren „vernünftig“ sein soll. (dt)

Foto: Hans Benn