BUND Viersen kritisiert Baumfällungen während der Schonzeit

Nachdem bei Baumkontrollen im Viersener Stadtgebiet festgestellt wurde, dass mehr als dreißig Bäume gefällt werden, wendet sich der BUND Stadt und Kreis Viersen an die Viersener Baudezernentin.

Viersen – Die Stadt Viersen hat mitgeteilt, dass verschiedene Bäume, die bei Baumkontrollen geprüft wurden, kurzfristig gefällt werden müssen. Im Stadtteil Viersen sind sechs Birken, vier Kirschen, ein Ahorn, eine Erle, ein Tulpenbaum, eine Eiche und eine Kastanie bereits abgestorben oder durch verschiedene Pilze so stark geschädigt, dass sie nicht zu erhalten sind. In Dülken sind vier Birken, zwei Hainbuchen, eine Eiche, eine Erle, eine Birne sowie eine Gruppe von Fichten abgestorben und können nicht stehen bleiben. Das gilt auch für drei Erlen, eine Buche, eine Kirsche, eine Birke und eine Hainbuche in Süchteln. Mit den Fällungen erfülle die Stadt ihre Verkehrssicherungspflicht, in diesem Zusammenhang wendet sich der BUND Stadt und Kreis Viersen nun an die Baudezernentin und weißt die Stadtverwaltung nachdrücklich darauf hin, die gesetzlichen Schonzeiten für Singvögel und andere Kleintiere im Stadtgebiet Viersen entschieden einzuhalten und das Fällen von Bäumen in der Schonzeit zu stoppen.

„Der Gesetzgeber hat im Bundesnaturschutzgesetz eigens für die jährlich anstehenden Überprüfungen der Stadtbäume und der damit eventuell erforderlichen Fällungen (wegen Verkehrssicherheit) einen zeitlichen Rahmen gesetzt. In der verbleibenden Zeit vom 1. März bis 1. Oktober – in der sogenannten Schonzeit, in der Vögel aller Art etc. bei ihrem Paarungs-, Brut- und Nistverhalten besonders geschützt sind – darf in die Stadtvegetation nur in genehmigungsfähigen Ausnahmefällen eingegriffen werden“, so BUND-Vorsitzende Almut Grytzmann-Meister.

Wer die Pressemitteilungen der Stadt Viersen seit Beginn der Schonzeit verfolge, müsse allerdings feststellen, dass die Verwaltung zurzeit offensichtlich nur noch „Notfälle“ bearbeiten würde. Anders sei nicht erklärbar, dass die Stadt Viersen gerade erst wieder eine lange Liste von Gefahrenbäumen in Viersen veröffentlicht hat, „die plötzlich alle abgestorben sind und deshalb plötzlich alle abgeholzt werden müssen“.

„Jedes Kind in Viersen weiß, dass die dabei immer wieder angekündigten „Nachpflanzungen“ größtenteils nichts weiter sind als Augenwischerei; sie bieten in diesem Sommer weder den heimischen Vögeln Nist- und Brutplätze, für den die vielen kleinen Tiere Lebensräume, noch können sie für die kommenden heißen Sommertage genügend Schatten vor allem für ältere Bürger und Kinder spenden“, ergänzt Grytzmann-Meister. „Zudem weiß keiner, ob diese „Nachpflanzungen“ jemals älter als 1-2 Jahre werden – aus unterschiedlichen Gründen, manchmal einfach nur, weil sie kein Wasser bekommen.“

Die BUND-Vorsitzende unterstreicht, dass die Corona-Pandemie nicht zum Vorwand werden dürfe, wodurch die Ratsmitglieder und Umweltverbände nicht rechtzeitig über die bevorstehenden Fällungen informiert werden könnten. „Stattdessen werden wir alle mit einer lapidaren Pressemitteilung vor vollendete Tatsachen gestellt“, so Grytzmann-Meister, welche die Viersener Baudezernentin Susanne Fritzsche darum bittet, sich genau an die gesetzliche Schonzeitregelung im Bundesnaturschutzgesetz zu halten und dementsprechend nur die nachweislichen Gefahrenbäume fällen zu lassen.

Quelle: BUND Stadt und Kreis Viersen