BUND Viersen stellt Anzeige gegen Viersener Baudezernentin Beatrice Kamper

Der ausgebliebene jährliche Rückschnitt der Viersener Platanen war seit Herbst Diskussionspunkt vieler Gespräche in der Viersener Fußgängerzone. Immer wieder hatte die Stadt den Rückschnitt verschoben, seit dem 1. März hat die Schonzeit begonnen. Während die Stadt in dem nun erfolgten Rückschnitt von Ästen mit einer Länge von mehr als drei Meter einen Pflegeschnitt sieht, weist der BUND Stadt und Kreis Viersen auf einen vorsätzlichen Verstoß gegen das Landschaftsgesetz hin und fragt: „Warum darf die Stadt, aber der Bürger nicht?“

Viersen – Gestern ist sie beim Kreis Viersen eingegangen, eine Anzeige gegen die Baudezernentin der Stadt Viersen, Beatrice Kamper, wegen vorsätzlichen Verstoßes gegen den § 64 des Landschaftsgesetzes. Gestellt hat sie der BUND Stadt und Kreis Viersen, der von verärgerten Bürgern auf den Radikalschnitt der Platanen in der Viersener Fußgängerzone hingewiesen worden war. Üblich ist dieser Schnitt jedoch im Herbst. Nun, nachdem am 1. März die Schonzeit für Bäume begonnen hat und die Platanen bereits ausgetrieben sind, sieht der BUND das Verhalten der Stadtverwaltung in dieser Sache als inakzeptabel.

„Hier wird vorsätzlich und ohne Sensibilität für natürlich Abläufe, auf Kosten des Arten- und Baumschutzes, Stadtnatur zerstört. Beim Beschneiden zur falschen Zeit können zudem die Platanen nachhaltig geschädigt und zerstört werden. In einem vorangegangenen Telefonat hatte uns die Baudezernentin der Stadt Viersen zugesichert, dass das Beschneiden der Platanen bis Ende Februar abgeschlossen sein würde. Ein Schnitt, der nun erst zwei Wochen später vorgenommen wurde“, so Almut Grytzmann-Meister, BUND-Vorsitzende. „Die in der Pressemitteilung der Stadt Viersen gemachten Gründe für das Beschneiden der Bäume sind außerdem unzutreffend und unfachlich.“ Dabei verweist sie auf ein Zitat aus der Pressemitteilung der Stadt Viersen vom 16. März 2018: „… Pflegeschnitte in der vorgesehenen Form sind ebenso wie Arbeiten zum Erhalt der Verkehrssicherheit unabhängig von Schutzzeiten zulässig. Die Arbeiten sollten nach Plan früher stattfinden. Sie mussten jedoch wegen dringenderer Maßnahmen nach dem Sturm „Friederike“ zurückgestellt werden.“

„Hierbei handelt es sich im Gegenteil nicht, wie die Stadtverwaltung behauptet, um Pflegeschnitte,
sondern um radikales Beschneiden von Baumästen auf der gesamten Länge der Fußgängerzone, die beschnittenen Äste waren teilweise mehr als drei Meter lang“, sagt Grytzmann-Meister weiter. „Den späten Zeitpunkt der Maßnahmen dann auch noch mit dem Orkan „Friederike“ zu begründen, ist eine unqualifizierte Ausrede für ein offenbar mangelhaftes Arbeitsmanagement.“ Auch die Stadt Viersen sei verpflichtet sich an die Vorgaben des Landschaftsgesetzes und den § 39 Absatz 5 des Bundesnaturschutzgesetzes zu halten.  Dort heißt es: Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen; zulässig sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen. Ein Rückschnitt in einem solchen Umfang sei aber weder schonend noch ein Pflegeschnitt.

„An diese Gesetze hat sich die Stadt ebenso wie jeder Bürger zu halten“, ergänzt Almut Grytzmann-Meister. „Auch wenn die Baudezernentin persönlich andere Präferenzen bei der Gestaltung der Stadt Viersen hat kann es nicht sein, dass sie und ihre Mitarbeiter gesetzliche Vorschriften nicht beachten, obwohl dies von jedem Bürger dieser Stadt erwartet wird.“ Dies scheine nach Ansicht des BUND auch ein organisatorisches Problem der Verwaltung zu sein, die es offensichtlich nicht geschafft hätte innerhalb der gesetzlichen Fristen ihre diesbezüglichen Arbeiten zu erledigen. „Wir bedauern sehr, dass die Stadt Viersen keinerlei Anstrengungen unternimmt für ihre Bürger in dieser Sache endlich auch eine Vorbildfunktion auszuüben. Auch andere Verstöße z. B. an der Hofstraße wurden uns angezeigt. Bei der Stadtverwaltung Viersen scheint das Umwelt- und Naturschutz-Bewusstsein äußerst defizitär zu sein. Daher haben wir diesen Vorgang der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis Viersen angezeigt und gebeten die Vorsätzlichkeit dieses Verstoßes zu ahnden, da hierzu zudem keine Sondergenehmigung des Kreises vorlag.“ (nb)

Foto: oj