Bundesgerichtshof lässt Verfahren im Fall um getöteten Luca Z. aus Dülken neu aufrollen

Nachdem das Landgericht Mönchengladbach vor über einem Jahr das Urteil im Todesfall um den fünfjährigen Luca aus Dülken bekannt gegeben hat, hat der Bundesgerichtshof nun entschieden, dass das Verfahren neu aufgerollt wird.

Foto: Gerichtsverfahren im Fall Luca Z. am Landgericht Mönchengladbach

Viersen-Dülken – Über ein Jahr hat sich der Bundesgerichtshof Zeit gelassen mit seinem Beschluss, der nun gefallen ist. Auf die Revision des Angeklagten Martin S. wird das Urteil des Landgerichts Mönchengladbach, soweit es ihn betrifft, in den Aussprüchen über die Einzelstrafe im Fall II. 4. der Urteilsgründe und über die Gesamtstrafe aufgehoben; jedoch bleiben die jeweils zugehörigen Feststellungen aufrechterhalten. Damit steht nun eine neue Verhandlung um den Tod des fünfjährigen Luca Z. an, der in Dülken hohe Wellen geschlagen hatte. Für eine Mahnwache waren hunderte von Trauernden in Dülken zusammen gekommen. Noch im Juni 2017 hatte das Landgericht Mönchengladbach Martin S. (28) zu lebenslanger Freiheitsstrafe wegen Totschlags, Körperverletzung und schwerer Körperverletzung verurteilt beide Beklagten, die Mutter des Verstorbenen Jungen und der Lebensgefährte hatten Revision gegen die Entscheidungen des Gerichts eingelegt.

Im Fall um den fünfjährigen Luca aus Dülken wurde der Lebensgefährte der Mutter, Martin S. (27), zu lebenslanger Freiheitsstrafe wegen Totschlags, Körperverletzung und schwerer Körperverletzung verurteilt, Amanda Z. erhielt wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen durch Unterlassung das Strafmaß der Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten. Die Strafen wurden nicht zur Bewährung ausgesetzt. Beide Verteidiger zeigten sich bereits nach der Verhandlung unzufrieden mit dem Urteilsspruch, der Verteidiger der Mutter verwies in diesem Zusammenhang auch auf die neue Schwangerschaft der Mutter des verstorbenen Fünfjährigen.
Der Vorsitzende Richter der 7. Großen Strafkammer des Landgerichts Mönchengladbach, Lothar Beckers, gab in seiner Begründung zum Urteil an, dass der Junge am Ende erwürgt wurde. Bis heute hätte jedoch niemand vollständig ermitteln können, was genau in der Tatnacht passiert war. Die Ergebnisse der Rechtsmedizin wären eindeutig und wiesen klar auf die beiden Angeklagten als Täter hin. Beide Angeklagten hatten angegeben, den Fünfjährigen im Oktober letzten Jahres ohne Lebenszeichen in seinem Bett vorgefunden zu haben, die Versuche der Wiederbelebung der Rettungskräfte und im Krankenhaus blieben erfolglos. An den Verhandlungstagen stellte sich den Anwesenden ein grausames Bild dar, welches auf Misshandlungen über einen größeren Zeitraum hinwies.

Ein Motiv hätte sich in den Verhandlungstagen bei dem Angeklagten Martin S. heraus kristallisiert. Verärgerung und Wut hätten ihn angetrieben zu der von dem Gutachter dargestellten sadistischen Tat. Alle Indizien sprächen für den damaligen Lebensgefährten, wobei auch die Mutter des getöteten Kindes aus Dülken, Amanda Z., nicht schuldfrei wäre. Der Richter sprach von einer schlechten Mutter, die in allen Belangen versagt hätte. Ihre Interessen stellte sie über die des Fünfjährigen, handelte selbstsüchtig und ließ ihn in seinem Schmerz alleine. In der Beziehung hätte sie ihren Lebensgefährten gegen den Kindesvater ausgespielt, einen klaren Vorsatz den Jungen zu töten konnte ihr jedoch nicht nachgewiesen werden.
Keine Zweifel hatte das Gericht an den Misshandlungen zu Beginn letzten Jahres, bei denen u. a. der Rücken des Jungen verbrannt wurde. Eine Verurteilung wegen Mordes kam für das Gericht nicht in Frage, weil ein klares Mordmerkmal nicht erkennbar war. Er war nicht sicher, ob eine klare Tötungsabsicht vorgelegen habe, da die Tat allerdings in ihrem Unrechts- und Schuldgehalt mit einem Mord aufzuwiegen wäre, wurde der Angeklagte Martin S. zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.

„Der Angeklagte habe zwar insgesamt erhebliche, über das zur Tötung des Jungen erforderliche Maß hinausgehende stumpfe Gewalt angewendet. Zugunsten des Angeklagten sei jedoch davon auszugehen, dass er den Tötungsvorsatz erst zu dem Zeitpunkt gefasst habe, als er die zum Tode führende Gewalt gegen den Hals des Kindes ausgeübt habe, welche für sich genommen nicht als grausam zu werten sei. … Eine Nähe zu Mordmerkmalen bestand den Urteilsgründen zufolge allenfalls in Bezug auf grausames Handeln. Damit ist der Gesamtwürdigung des Landgerichts, auf die es die Annahme eines besonders schweren Falles des Totschlags gestützt hat, weitgehend die Grundlage entzogen. Die Strafe ist daher insoweit neu zu zumessen“, so der Bundesgerichtshof. „Die Aufhebung der im Fall II. 4. der Urteilsgründe verhängten lebenslangen Freiheitsstrafe hat die Aufhebung des Ausspruchs über die Gesamtstrafe zur Folge.“ Nach einer Prüfung hat der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hierzu nach Anhörung des Beschwerdeführers und des Generalbundesanwalts einstimmig beschlossen die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen. (Az: 3 StR 47/18, nb)

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