CDU-Aufstellungsparteitag Viersen: „Wir wollen Möglichmacher sein.“

Das Süchtelner Weberhaus platzte fast aus allen Nähten, denn die CDU-Mitglieder des Stadtverbandes Viersen waren trotz der aktuellen weltweiten Gesundheitslage zu ihrem Aufstellungsparteitag zusammengekommen, um ihr Team für den anstehenden kommunalen Wahlkampf zu bestimmen und zu stärken.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Viersen – Minister Herbert Reul, Landtagsabgeordneter Marcus Optendrenk, Landrat Dr. Andreas Coenen, Ehrenvorsitzende der CDU im Kreis Viersen Peter Van Vlodrop oder Bürgermeisterin a. D. Marina Hammes, viele Namen der Teilnehmer waren wohlbekannt. Für die CDU-Viersen ergab sich mit ihnen ein stattliches Bild im Süchtelner Weberhaus, in welchem der Parteitag zur Wahl der Kandidaten für die Kommunalwahl im September am Anfang dieser Woche stattfand. Fünfundzwanzig Wahlbezirke galt es zu besetzen, hinzu kamen Direktstellvertreter sowie eine Reserveliste und Kreistagsbewerber, die mit der erforderlichen Mehrheit die Zustimmung der Versammlung erhielten.

Parteivorsitzende Sebastian Achten nutzte die Begrüßung, um seine Partei auf den Wahlkampf in diesem Jahr einzuschwören. Das erste Mitglied der Mannschaft für die kommenden fünf Jahre habe man bereits mit dem Bürgermeisterkandidaten Christoph Hopp gewählt. Das Bild einer Mannschaft lag ihm besonders am Herzen, denn die Kandidaten hätten sich ganz bewusst dazu entschieden für das Wohl von Viersen einstehen und das „rote Rathaus“ gemeinsam mit Hopp stürmen zu wollen. „Ich bin von der Qualität unserer Kandidaten absolut überzeugt“, so Achten. „Ich bin stolz darauf, dass es uns als CDU-Stadtverband Viersen gelungen ist eine Mischung aus jung und alt, erfahren und weniger erfahren, männlich und weiblich präsentieren zu dürfen.“ Wolfgang Broichsitter, Erhard Braun und Anne Daniels traten nicht mehr für den Stadtrat an vorderster Stelle an, Daniels wird den Sprung in den Kreistag versuchen.

Im Gespräch mit Innenminister Herbert Reul: CDU-Bürgermeisterkandidat Christoph Hopp und CDU-Stadtverbandsvorsitzender Sebastian Achten – Foto: Rheinischer Spiegel

Der Parteivorsitzende verwies in seiner Rede zusätzlich auf den Austritt der langjährigen CDU-Ratsfrau Angelique Vootz, die ihr Mandat in der vergangenen Woche mit zu den Grünen genommen hat. „Die Tatsache, dass ihr in der Bezirksversammlung nicht mehr das mehrheitliche Vertrauen ausgesprochen wurde und somit nicht mehr für einen Wahlbezirk nominiert wurde, hatte wohl zur Folge, dass sie sich mit der CDU nun nicht mehr identifizieren konnte. Eine Entscheidung, die mein Parteivorstand und ich natürlich sehr bedauern, aber akzeptieren werden“, erklärte Sebastian Achten. Ebenfalls Wolfgang Genenger tritt wieder für einen Platz im Rat der Stadt Viersen an, er erhielt für sein Engagement trotz der Niederlange im Dezember und für seine Arbeit „im Sinne der Mannschaft“ bestätigenden Applaus.

Im Mainstream der politischen Berichterstattung sei Fridays for Future und Klimaschutz in den Fokus gerückt. Achten beantwortete diese Entwicklung gelassen, denn die CDU hätte den anderen Mitbewerbern das christliche Menschenbild mit der Bewahrung der Schöpfung mit Klimaschutz sowie dem vernünftigen Umgang mit Mensch und Natur voraus. So müsse man das Rad nicht immer neu erfinden. Zu der ursprünglichen Identität müsse die Partei zurückfinden, so der Parteivorsitzende, der den Wahlkampf sowie die Arbeit innerhalb der Kommunalpolitik als Möglichmacher bestreiten will.

Das Süchtelner Weberhaus platzte fast aus allen Nähten – Foto: Rheinischer Spiegel

Redner an diesem Abend war zudem, neben Bürgermeisterkandidat Christoph Hopp, der sich erneut die Unterstützung der Mitglieder als Mannschaft sicherte, ebenfalls Innenminister Herbert Reul, der die entstehende Pause zwischen dem ersten und zweiten Wahlgang für einen umfassenden Beitrag nutzte. „Wir haben so viele populistische Regierungschefs wie noch nie, wir haben so viele autoritäre Strömungen. Wir haben eine Situation, in der Menschen nicht mehr miteinander umgehen mit der Überschrift ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar‘, sondern genau das Gegenteil. Hass, Hetze. Wir haben Wahlergebnisse in Thüringen gehabt, wo es in der Mitte der Gesellschaft, wenn Sie alle demokratischen Parteien zusammennehmen, trotzdem nicht reicht eine Mehrheit zu organisieren, weil rechts außen und links außen so stark geworden sind“, so Minister Herbert Reul. „Und ich finde spätestens an der Stelle müsste man sagen: Hier stimmt doch etwas nicht im Staate Dänemark. Wie konnte das passieren?“ Es habe immer Menschen gegeben, die in jedem Jahr unterschiedlich gewählt haben. Immer wieder sei jemand „abgestraft“ worden.

Foto: Rheinischer Spiegel

Neu sei seiner Meinung nach allerdings, dass die Menschen anfangen dem Staat nicht mehr zu vertrauen. Diese Situation sei dramatisch, führe sie doch, wie in Thüringen, zu einer Regierungsunfähigkeit. „Nun kann man sagen, die Leute wählen falsch und sich zurücklehnen und sagen ‚das müssen wir denen jetzt beibringen‘, aber ich glaube das reicht nicht“, so Reul. „Ich glaube, wir müssen auch die Frage stellen, was ist denn da in der Politik nicht gut gelaufen. Ich glaube, dass auch damit zu tun, wie wir uns viele Jahrzehnte als Politiker dargestellt haben. Als Leute, die alle Probleme dieser Welt lösen, so simsalabim, alles versprechen, aber nicht alles halten können, weil die Wirklichkeit viel zu kompliziert ist.“

Es gäbe eben diese schnellen Lösungen nicht, er sähe den einzigen Weg darin, kleine Schritte zu gehen mit deren Erfolgen dann das Vertrauen nach und nach zurückgewonnen werden könne. „Versprechen die man halten kann und nicht den Eindruck erwecken man wäre der größte Zampano“, ergänzte Reul. In seiner Rede warb er ebenfalls für Respekt gegenüber der Polizei, zeigte auf, dass zurzeit die niedrigste Straftatenrate herrscht, die in den letzten dreißig Jahren gemessen werden konnte. „Aber die Gefühlswelt der Menschen ist total anders. Wir haben eine Aufklärungsrate, die ist die höchste seit 1960“, so der Innenminister. Statistiken würden hier jedoch nicht reichen, denn es gelte auch das Sicherheitsgefühl wiederherzustellen. „Stück für Stück, jeden Tag beweisen, dass man es wieder hinkriegt.“ Gerade die Kommunalpolitiker, die nah an den Menschen seien und helfen wo sie gebraucht werden, hätten die besten Chancen das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen. Zustimmendes Nicken im Raum – entscheiden werden die Wähler am 13. September, bis dahin haben die CDU-Kandidaten die Möglichkeit zu überzeugen, damit sie in den kommenden fünf Jahren Viersen zukunftsfähig gestalten können. (dt)


Besetzung der Wahlbezirke/CDU/97 Stimmberechtigte:
801 – Rainer Thielmann, 802 – Alexander Bex, 803 – Manuela Krienen, 804 – Jan Winterhoff, 805 – Simone Gartz, 806 – Thomas Gütgens, 807 – Jürgen Kalina, 808 – Michael Aach, 809 – Paul Mackes, 810 – Susanne Sartingen, 811 – Niklas Vath, 812 – Wolfgang Genenger, 813 – Uwe van de Venn, 814 – Friederike Rahn, 815 – Ralf Robertz, 816 – Volker Rose, 817 – Anne Kolanus, 818 – Hans-Willy Bouren, 819 – Wolfgang Dörenkamp, 820 – Sebastian Achten, 821 – Stephan Sillekens, 822 – Stephan Seidel, 823 – Ole Wiggers, 824 – Anne Bieler, 825 – Dr. Jürgen Moers