CDU-Ratsfrau Anne Kolanus wechselt zu den Viersener Bündnis 90/Die Grünen

In den vergangenen 16 Jahren vertrat Anne Kolanus die CDU im Viersener Stadtrat. Für die Partei überraschend hat sie am Donnerstag ihren Austritt erklärt. Bereits am Abend nahm sie ihren neuen Sitz im Kreistag bei den Grünen ein.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – Dass nun die 53-Jährige überraschend ihren Austritt aus der CDU erklärt hat und noch am selben Tag bereits im Kreistag für die Grünen vereidigt wurde, traf die politische Landschaft und verändert die Verteilung der Sitze in den Gremien, denn Kolanus hatte ihren Wahlbezirk erfolgreich gewonnen.

„Es ist nicht mehr die CDU, in die ich 1998 eingetreten bin“, erklärt Anne Kolanus auf Nachfrage. „Heute gibt es weniger Frauen in unseren Reihen als zu Beginn meiner politischen Laufbahn. Es ist ein Rückschritt und zeigt, dass die CDU keine frauenfreundliche Partei mehr ist.“ Anne Kolanus kritisiert den Rückgang von weiblichen Mandatsträgerinnen. „Im CDU-Vorstand sind die drei stellvertretenden Vorsitzenden weiblich, aber eben auch nur in der zweiten Reihe – auch 3 x Vize bleibt Vize! Die politischen Entscheidungen werden aber diskutiert und entschieden in den Ratsgremien und dort ist die Anzahl der CDU-Mandatsträgerinnen eindeutig gesunken.“

In den vergangenen Tagen sei die Entscheidung in ihr gereift die CDU verlassen zu wollen, der sie am Tag nach Helmut Kohls Wahlniederlage bei der Bundestagswahl 1998 beigetreten war. Für Anne Kolanus sei nur die Partei Bündnis 90/Die Grünen in Frage gekommen, denn neben den Themen Straßenverkehr, Ordnung und Jugendhilfe und lagen ihr die Umweltthemen immer schon am Herzen, nicht umsonst hatte sie den Spitznamen „Die Grüne in der CDU“.

„Zum Beispiel in der Diskussion zum Pestizideinsatz auf Außenflächen hatte ich mich gegen den Einsatz ausgesprochen, leider wurde mein Standpunkt in der Vergangenheit nicht gehört“, erklärt Anne Kolanus. „Wenn diese Gifte jedoch aufgebracht sind, um dem Unkraut Herr zu werden, dann sind sie in der Welt. Dabei dürfen wir nie vergessen, dass wir uns unsere Gesundheit nicht kaufen können.“ Ein weiteres Thema, welches die Nähe der Ratsfrau zu Umweltthemen aufzeigt, ist der Antrag zur „Mobilitätswende in Viersen“, den sie im Oktober 2019 ausgearbeitet hat und der vom Stadtrat beschlossen wurde. Die Verkehrswende ist und bleibt ihr ein wichtiges Anliegen.

Anfang November dann wurden die ersten Gespräche mit der Fraktion der Grünen in Viersen geführt, denn mit ihrem Wechsel bringt Anne Kolanus Sitze im Kreis- und Stadtrat mit und sorgt dafür, dass die Grünen nun elf statt zehn Ratsmitglieder stellen können. Ebenfalls im Kreistag verliert die CDU einen Sitz und kommt nun auf 26 Mitglieder in dem 64-köpfigen Gremium, die Grünen auf 15.
„Die Grünen haben mich mit offenen Armen aufgenommen und haben gestern Abend bei der Kreistagsfraktion geklatscht“, lächelt Anne Kolanus. Ihre Entscheidung fühle sich richtig an, es sei ein zum Start sehr angenehmes und offenes Miteinander.

Am kommenden Dienstag wird sie erstmals auf der Seite der Grünen im Viersener Stadtrat sitzen. Es mag ein neuer Blickwinkel sein, aber es sind weiterhin die Ziele, mit denen Kolanus im Wahlkampf das Vertrauen ihrer Wähler gewonnen hat und für die die Ratsfrau Kolanus unter anderem eintritt. Denn die Kommunalwahl ist eine Personenwahl und Anne Kolanus ist und bleibt „die Alte“ und Ansprechpartnerin für ihre Wählerinnen und Wähler. (nb)

In den vergangenen 16 Jahren vertrat Anne Kolanus die CDU im Viersener Stadtrat. Für die Partei überraschend hat sie am Donnerstag ihren Austritt erklärt. Bereits am Abend nahm sie ihren neuen Sitz im Kreistag bei den Grünen ein. Foto: privat

4 Kommentare

  1. Wusste die Dame nicht vor der Wahl???? Da werden sich Einige aber ganz schön getäuscht fühlen! Naja Schwarz-Grün wird wohl um unser „wohl“ besorgt sein und die Spaltung der Gesellschaft voran treiben.Wasser predigen und Wein saufen

  2. Gerade erst für die CDU gewählt – schon die Seiten gewechselt! Ein starkes Stück! Dass sie sich in der CDU nicht mehr wohlfühlt, wird sie nicht erst in den letzen Wochen gemerkt haben. Trotzdem für sie anzutreten, ist unredlich! Und inkonsequent: denn jetzt ist es noch eine Frau weniger bei der CDU!

  3. Eine gute Entscheidung, Frau Kolanus hat sich immer schon für Umweltschutz eingesetzt. Ich wünsche ihr viel Erfolg auf ihrem Weg.

  4. Weder Täuschung noch späte Einsicht kann man Frau Kolanus vorwerfen, denn sie wurde als Person Kolanus gewählt und das Mandat gehört ihr und nicht der Partei. Konsequente Entscheidung, wenn es mit der CDU nicht mehr passt. Wer weiß was da vorgefallen ist?

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