CDU Viersen: Ratsmitglieder sollen bei Stolpersteinen frei entscheiden

„Leider müssen wir feststellen, dass es in den letzten Wochen seitens der Verwaltung offensichtlich keinerlei Versuche mehr gegeben hat, die Hauseigentümer, die bisher ihre Zustimmung nicht gegeben haben, in ein Gespräch einzubinden und ihre Sorgen und Ängste an- und ernst zu nehmen“, so die CDU Viersen in einer aktuellen Pressemeldung.

Foto: Rheinischer Spiegel, wh

Viersen – „Das Vergessen wollen verlängert das Exil, und das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung.“ Diese jüdische Weisheit zitierte Richard von Weizsäcker in seiner berühmten Rede vor dem Deutschen Bundestag am 8. Mai 1985. In Sinne dieser Weisheit bekennt und hat sich die Viersener CDU bekannt zu der derzeit diskutierten Kunstaktion der Verlegung von Stolpersteinen, als einen von vielen Schritten des täglichen Erinnerns an das Leid und die Verbrechen des menschenverachtenden Systems des Nationalsozialismus, auch in unserer Stadt.
In dieser Rede sagte von Weizsäcker: „Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.“

„In der aktuellen Diskussion geht es nicht um die Frage des OB wir Stolpersteine verlegen. Es geht lediglich um die Frage, unter welchen Begleitumständen wir dies tun. Und in diesem Zusammenhang sind wir allen dankbar, die sich für die Verlegung der Stolpersteine aktiv einsetzen und Zeit und Geld für diese Aktionen opfern.
Zu einer klaren Sicht auf die Dinge gehört aber auch die Tatsache, dass es Menschen in unserer Stadt gibt, die sich mit dieser Aktion schwer tun und die Verlegung von Stolpersteinen vor ihrem Haus ablehnen“, so die CDU Viersen. „Ja, man kann diese Bedenken relativieren, man kann sicherlich zu der Ansicht gelangen, dass die Sache des Erinnerns wichtiger ist als die Kümmernisse Einzelner. Mit gleicher Berechtigung kann man jedoch auch der Meinung sein, dass es richtiger ist, mit diesem Menschen zu sprechen, sie gewinnen zu wollen für die Erinnerungsaktionen und ihnen zu signalisieren, dass wir die Gemeinsamkeit mit ihnen suchen und sie nicht ausschließen wollen. Gerade in diesen Tagen, aber auch an vielen anderen Stellen haben wir sehen müssen, dass der Abbruch des Gesprächs, das ein einfaches „Wir machen das jetzt so und basta“ für die vermeintlich Gutmeinenden einfach ist, aber Menschen ausschließt und verletzt. Und gerade bei diesem Thema ist es uns ein Anliegen, möglichst viele zu erreichen und zu gewinnen für die gemeinsame Erinnerung. Für uns gehört zu den Lehren der Vergangenheit, dass Ausgrenzung kein Ziel demokratischer Politik sein kann und sein darf.“

Leider müsse die CDU Viersen feststellen, dass es in den letzten Wochen seitens der Verwaltung offensichtlich keinerlei Versuche mehr gegeben habe, die Hauseigentümer, die bisher ihre Zustimmung nicht gegeben haben, in ein Gespräch einzubinden und ihre Sorgen und Ängste an- und ernst zu nehmen.
Ausgesprochen dankbar sei sie den Initiatoren der Initiative, weil sie uns noch einmal darauf aufmerksam gemacht haben, wie defizitär unsere Erinnerungskultur in Viersen ist.

„Ja, ohne private Initiativen und Aktionen von Verbänden und einzelnen Schulen müsste man fast von einer totalen Abwesenheit einer solchen Erinnerungskultur sprechen.“ Die CDU Fraktion wird dies zum Anlass nehmen und auf dem Antragswege die Entwicklung eines Konzeptes zur Erinnerungskultur einzufordern, um so die offensichtlichen Defizite abzustellen. Dabei müsse ein Gedanke leitend sein, den Richard von Weizsäcker ebenfalls bereits 1985 äußerte: Jüngere und Ältere müssen und können sich gegenseitig helfen zu verstehen, warum es lebenswichtig ist, die Erinnerung wachzuhalten.

„Leider war die Diskussion etwa in den sog. sozialen Medien in den vergangenen Wochen nicht immer von Sachlichkeit geprägt. So wurden einzelne Fraktionsmitglieder, aber auch Mitglieder anderer Ratsfraktionen in zum Teil unverständlicher Weise verbal angegriffen und zum Teil auch beleidigt. Auch für diese für unsere Stadt sicherlich sehr wichtige Diskussion gilt für uns allerdings in aller Deutlichkeit: Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“ so die CDU Viersen weiter. „Weil wir wollen, dass jedes Ratsmitglied seine Entscheidung möglichst frei fällen und auch in der Stimmabgabe dokumentieren kann, werden wir geheime Abstimmung beantragen.“ In einer solchen Diskussion müsse gelten, dass jedes Ratsmitglied nur seinem Gewissen verpflichtet sein darf in seiner Entscheidung. „Wir wollen von unserer Seite alles tun, dass dies auch bei dieser Entscheidung so ist.“