Corona: Ansturm auf die Restaurants bleibt aus

Seit rund zwei Monaten durften die Gaststätten und Restaurants keine Gäste vor Ort bewirten. Viele stiegen auf Abholung und einen Lieferservice um. Seit mittlerweile einer Woche ist das Genießen im Restaurant wieder erlaubt – doch die Nachfrage der Gäste ist verhalten.
Von RS-Redakteurin Ebru Ataman

Viersen/Region – Der Corona-Shutdown hatte den Gaststätten und Restaurants schwer zu schaffen gemacht, weshalb viele andere Möglichkeiten der Bewirtung gefunden haben. Von Abholung bis Lieferung war alles dabei, mittlerweile dürfen Gäste unter strengen Hygieneauflagen wieder begrüßt werden. Hierzu arbeiten die Kellner durchweg mit einer Maske, die Tische wurden reduziert um den benötigten Abstand einhalten zu können und sowieso dürfen nur maximal zwei Haushalte an einem Tisch sitzen.

Die Gastronomie hoffte trotz dieser Einschränkungen auf einen kleinen Ansturm, denn das schöne Wetter lädt gerade dazu ein die eigenen vier Wände zu verlassen. Während die Bestellungen weiterhin außer Haus laufen, bleiben in vielen Restaurants Tische frei. Die Nachfrage ist verhalten, viele haben Angst sich mit den Corona-Viren trotz der Abstände anzustecken, andere wollen ihre Daten nicht hinterlassen. Nicht wenige der größeren Gasthöfe, die von Hochzeiten und Trauerfeiern leben, haben erst gar nicht geöffnet.

Mit den Außer-Haus-Bestellungen werden viele der hiesigen Gastronomen zumindest überleben, die ersten Schließungen sind bereits erfolgt. Umso wichtiger ist es für die übrigen Gaststätten, dass die Gäste zurückkehren – damit eine vielfältige Restauantlandschaft erhalten bleibt. „Die Branche fordert bereits seit längerem einen Rettungsschirm, getan hat sich hier allerdings bisher nichts“, so Kosta Kotanidis, der im Rahser die Olive Taverne betreibt. Die Abholer geben sich am Sonntagabend fast die Klinke in die Hand, nur wenige jedoch wollen Platz nehmen. Dem Gastronomen fehlt der Kontakt zu seinen Gästen – zu sehen, wie es ihnen schmeckt, wie es ihnen geht. Damit er dies wieder kann, hat er umfassende Hygienemaßnahmen getroffen – jetzt müssen die Gäste nur noch bleiben und so lockt er gerne mit neuen Ideen und fast künstlerisch angerichteten Tellern, die den Genuss vor Ort abrunden und ein wenig Urlaubsfeeling mit sich bringen.

Dem Olive Taverne-Team im Rahser fehlt während der Corona-Auflagen der Kontakt zu den Gästen – zu sehen, wie es ihnen schmeckt, wie es ihnen geht. Damit sie dies wieder können, lockt Gastronom Kosta Kotanidis gerne mit neuen Ideen und fast künstlerisch angerichteten Tellern, die den Genuss vor Ort abrunden und ein wenig Urlaubsfeeling mit sich bringen. Foto: Rheinischer Spiegel

Ebenfalls der Branchenverband Dehoga fordert ein Rettungspaket, welches direkte Hilfen für die Branche umfassen muss, die auch nach den ersten Lockerungen noch helfen werden. „Abstandsregelungen, zusätzliche Hygienemaßnahmen und geändertes Gästeverhalten bei geringerer Kaufkraft wegen höherer Arbeitslosigkeit und Kurzarbeitergeld werden zu perspektivischen Umsatzausfällen zwischen 50-80 Prozent führen bei gleichzeitig steigenden Kosten. Viele Betriebe werden sich wegen der Einschränkungen überlegen müssen, ob sie überhaupt wieder öffnen sollen“, beschreibt Bernd Niemeier die Ausgangslage vor den Lockerungen. Zudem fordert der DEHOGA einen gesetzlichen Anspruch auf Pacht-/Mietminderung für eine gerechte Risikoverteilung in Pacht- und Mietverhältnissen. „Momentan tragen wir Gastronomen und Hoteliers das alleinige Risiko. Ein Minderungsanspruch ist die Frage eines gerechten Lastenausgleichs“, so Niemeier.

Das Gastgewerbe erlebe gerade die schlimmste Zeit seit Ende des Krieges. Die Betriebe wurden als erste geschlossen und dürfen als mit letzte öffnen. Die Kurzarbeiter-Quote in Nordrhein-Westfalen liegt bei rund 98 Prozent. Die Umsatzeinbußen auf ähnlich traurig hohem Niveau. Abhol- und Lieferangebote lindern, aber lösen das Problem genauso wenig wie Übernachtungen von Geschäftsreisende in Hotels. Wo kein Geschäftsreiseverkehr, da keine Übernachtungen. Vor Corona arbeiteten in rund 51.000 Betrieben mehr als 400.000 Beschäftigte, allein in NRW. Kurzfristig geht der DEHOGA NRW davon aus, dass ein Drittel der Betriebe vor dem finalen Aus steht. In absoluten Zahlen bedeutet das das Aus für mehr als 15.000 Betriebe und dementsprechend Beschäftigte. „Wir glauben, dass es sich auch seitens des Staates besonders lohnt, für das Gastgewerbe zu kämpfen, weil es nicht nur system-, sondern auch lebens- und sozialrelevant ist“, so Niemeier abschließend. (ea)