Coronavirus oder Grippe? Das sind die Unterschiede!

Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus und die „echte“ Grippe (Influenza) werden häufig miteinander verglichen: Beide verursachen ähnliche Symptome und können schwer verlaufen. Tatsächlich handelt es sich aber um unterschiedliche Virenarten. Lesen Sie hier, wie sich die Krankheiten genau unterscheiden.

Ratgeber – Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 und die verschiedenen Grippeerreger gehören zwar zu unterschiedlichen Virenstämmen, sie verursachen aber sehr ähnliche Symptome, vor allem:

  • Fieber
  • Frösteln
  • Abgeschlagenheit
  • Trockener Husten
  • Halsschmerzen
  • Kopf- und Gliederschmerzen

Beide Erkrankungen können sich zu einer gefährlichen Lungenentzündung entwickeln. Schnupfen, Übelkeit und Erbrechen sowie Durchfall sind bei beiden Erkrankungen eher seltene Begleiter.

Wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist vor allem das Tempo, in dem sich die Erkrankungen entwickeln: Grippesymptome treten meist schlagartig auf. Die Patienten fühlen sich innerhalb von Stunden sehr krank und entwickeln häufig hohes Fieber.
Eine Coronavirus-Infektion verschlimmert sich eher langsam über Tage.
Eine Coronavirus-Infenktion geht häufiger mit Schnupfen einher als eine Grippe.
Spezielles Symptom einer Infektion mit Sars-CoV-2 ist Beobachtungen zufolge ein vorübergehender, aber gravierender Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns im späterer Krankheitsverlauf.

Letzte Gewissheit darüber, ob das neuartige Coronavirus oder Influenzaviren hinter einer Erkrankung stecken, bringt nur ein Virentest im Labor. Dazu wird für gewöhnlich über einen tiefen Rachen- oder Nasenabstrich eine Probe gewonnen. Später kann man die Erkrankung auch anhand von Antikörpern im Blut testen, die der Körper im Verlauf der Erkrankung gegen das Virus bildet.

Coronavirus oder Grippe: Welche Krankheit ist gefährlicher?
Das neuartige Coronavirus scheint etwas gefährlicher als die meisten Grippeviren zu sein. Wohl auch, so vermuten Fachleute, weil es erst kürzlich von Tieren auf den Menschen übergesprungen ist. Das menschliche Immunsystem hat daher noch keinerlei Erfahrung mit diesem speziellen Erreger


 

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Tendenziell schwerere Verläufe bei Covid-19
Covid-19, wie die Erkrankung an dem Coronavirus Sars-CoV-2 genannt wird, scheint häufiger schwer zu verlaufen als eine Grippe. Nach bisherigen Erkenntnissen erkranken etwa 15 Prozent schwer an Covid-19, fünf Prozent erkranken kritisch. Nach jüngsten Auswertungen sterben ungefähr 1,4 Prozent der Patienten. Bei Grippe sind es 0,1 bis 1 Prozent.

Genau lässt sich die tatsächliche Gefährlichkeit der neuen Coronavirus-Infektion aber erst abschätzen, wenn die Epidemie überwunden ist. Die aktuellen Daten schwanken je nach Region zum Teil erheblich.

Kann ich gleichzeitig an Grippe und Covid-19 erkranken?
Grundsätzlich kann man sich mit beiden Krankheiten parallel infizieren. In diesem Fall kann ein Patient deutlich schwerer erkranken als bei einer Infektion mit nur einer Virusart. Sein Immunsystem muss sich gleich mit zwei Krankheitserregern auseinandersetzen. Aus diesem Grunde raten Mediziner gefährdeten Personen, sich auch jetzt noch gegen Grippe und die Pneumokokken impfen zu lassen, die Lungenentzündungen hervorrufen.

Welche Patienten sind besonders gefährdet?
Besonders Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen erkranken sowohl durch Grippeviren als auch durch Sars-CoV-2 häufiger schwer. Zu diesen Vorerkrankungen gehören:

  • Herzkreislauferkrankungen
  • (schlecht eingestellter) Diabetes
  • chronische Atemwegserkrankungen (z.B. Asthma, COPD)
  • Krebs
  • Immunschwäche

Coronavirus: Für Kinder wohl ungefährlicher als für Erwachsene
Im Unterschied zur Grippe, an der auch Kinder nicht selten schwer erkranken, verläuft eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bei ihnen meist ohne Symptome oder sehr mild. Darauf weisen zumindest bisherige Untersuchungen hin. Schwere oder gar kritische Verläufe wurden nur bei einem sehr kleinen Teil der betroffenen Kinder und Jugendlichen in China beobachtet. Bislang ist weltweit noch kein Fall bekannt, bei dem ein Kind unter zehn Jahre an Covid-19 starb.

Sind Schwangere besonders gefährdet?
Eine Grippe verläuft bei Schwangeren oft schwerer als normal. Darum raten Ärzte allen schwangeren Frauen zu einer Grippe-Impfung. Bei einer Coronavirus-Infektion scheinen Schwangere hingegen kein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf zu haben.

Wie steckt man sich mit Grippe und Covid-19 an?
Beide Erkrankungen breiten sich auf ähnlichem Wege aus, nämlich überwiegend durch Tröpfchen, die beim Husten, Niesen oder Sprechen herausgeschleudert werden. Ein weiterer Infektionsweg sind Kontaktinfektionen durch verunreinigte Gegenstände wie Türgriffe.

Wie kann ich mich vor dem Coronavirus und der Grippe schützen?
Derzeit herrschen deutschlandweit besondere Regeln, die die Ausbreitung von Sars-Cov-2 verlangsamen sollen. Dazu gehören insbesondere Maßnehmen zur Kontaktreduzierung. Die Bevölkerung soll sich soweit wie möglich zu Hause aufhalten. Der Aufenthalt im Freien ist nur in Gesellschaft von Personen des eigenen Haushalts gestattet, bzw. in manchen Bundesländern auch in Begleitung einer Person, die nicht im gleichen Haushalt lebt.

Da sich die Ansteckungswege gleichen, sind auch die Maßnahmen zum Schutz vor Grippe und Covid-19 in vieler Hinsicht gleich:

  • Häufiges gründliches Händewaschen
  • Meiden von Großveranstaltungen und Menschenansammlungen. (Diese sind derzeit im Rahmen der Regeln zu Kontakteinschränkungen aber ohnehin verboten.)
  • Abstand zu (möglichen) Infizierten
  • Vermeiden, sich mit ungewaschenen Händen Auge, Nase und Mund zu berühren
  • Verzicht aufs Händeschütteln
  • Grippeschutzimpfung
  • Ein wichtiger Schutz vor Grippe ist für gefährdete Personen die Grippeschutzimpfung. Gegen Sars-CoV-2 ist eine Schutzimpfung ist nach Einschätzung von Experten frühestens in etwa einem Jahr verfügbar.

So schützen Sie andere!
Um andere vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 zu schützen, sollten Sie folgende Tipps beachten:

  • Bei Krankheitsgefühl, Fieber und Atemwegssymptomen zu Hause bleiben!
  • Benutzte Taschentücher gleich entsorgen und Händewaschen.
  • In die Armbeuge husten oder niesen.
  • Den Arzt zuerst telefonisch kontaktieren.
  • Einfache Mundschutzmasken verhindern bestenfalls, dass bereits infizierte Personen die Erreger nicht durch ausgehustete Tröpfchen verbreiten. Vor einer Ansteckung schützen lediglich spezielle Feinpartikel-Masken (bei Influenza Stufe 2, bei Covid-19 besser Stufe 3) sofern sie korrekt angelegt werden

Was ist ansteckender – Grippe oder Sars-CoV-2?
Das neuartige Coronavirus scheint ansteckender als Grippe zu sein: Ein Infizierter steckt nach jetzigen Berechnungen 2 bis 3 andere an, bei der Grippe sind es 1 bis 2. Sowohl Grippe-Infizierte als auch Coronavirus-Infizierte können andere anstecken, bevor sie Symptome entwickeln. Das macht es schwieriger, die Ausbreitung einzudämmen.

Längere Inkubationszeit beim Coronavirus
Experten gehen derzeit davon aus, dass die Inkubationszeit von Covid-19, also die Zeit zwischen Ansteckung mit Sars-CoV-2 und den ersten Krankheitsanzeichen, bis zu 14 Tage betragen kann. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge erkranken Personen im Durchschnitt innerhalb von 5 Tagen nach einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Grippe zeigt sich meist deutlich schneller: Die Inkubationszeit erstreckt sich zwischen wenigen Stunden bis hin zu zwei Tagen.

Das bedeutet: Bei dem neuen Coronavirus ist die Zeitspanne deutlich größer, in der Infizierte unerkannt andere anstecken könnten. Unklar ist allerdings noch, wann genau die Weiterverbreitungsgefahr von Infizierten beginnt. Nach derzeitigem Kenntnisstand sind die meisten Patienten etwas 12 bis 24 Stunden vor Ausbruch der ersten Symptome ansteckend, manche aber auch schon eher.

Wie behandelt man Covid-19 und Grippe?
Sowohl bei Grippe als auch Covid-19 geht es vor allem darum, die Symptome zu lindern. Fieber senken, Husten lindern, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Bettruhe sind die wichtigsten Maßnahmen. Patienten, die sich mit dem neuen Coronavirus infiziert haben, werden zudem von anderen isoliert, direkte Kontaktpersonen bleiben 14 Tage in häuslicher Isolation. Tritt bei einer Grippe oder Covid-19 schwere Atemnot auf, erhält der Patient Sauerstoff. Bei Atemversagen muss er auf der Intensivstation beatmet werden.

Spezielle Medikamente nur gegen Grippe
Droht eine Grippe schwer zu verlaufen, etwa bei Vorerkrankungen oder Schwangerschaft, können spezielle Grippemedikamente gegeben werden, die gegen die Influenza-Viren wirken. Dabei gilt: je früher, desto besser! Infiziert sich ein Patient zusätzlich mit Bakterien, helfen Antibiotika.

Für das neue Coronavirus gibt es noch keine speziell zugelassenen Medikamente. Forscher arbeiten aber derzeit unter Hochdruck daran. In kritischen Einzelfällen versuchen Ärzte zudem, mit Medikamenten zu behandeln, die bereits zur Behandlung anderer Erkrankungen zugelassen wurden.

Text: Christiane Fux, Medizinredakteurin/LVM Versicherung – Quellen:
Prof. Christian Drosten – Poscast (20): Coronavirus-Update: Deutschland kann nur bedingt von anderen lernen, NDR-Radio, 24.03.2020
RKI, Steckbrief Coroanavirus, www.rki.de Abruf 10.03.2020
RKI, Epidemiologisches Bulletin Influenza, www.rki.de, Abruf 10.03.2020
Weltgesundheitsorganisation, Situationsreport Covid-19, www.who.int, Abruf 10.03.2020
Qifang Bi et al.: Epidemiology and Transmission of COVID-19 in Shenzhen China: Analysis of 391 cases and 1,286 of their close contacts, BMJ Yale Preprint, 10.03.2020
Charité Berlin: FAQ-Liste zu SARS-CoV-2, Abruf 10.03.2020