Coronavirus oder Heuschnupfen: Was Allergiker wissen sollten

Triefnase, brennende Augen, Hustenreiz – viele Pollenallergiker machen sich derzeit Sorgen, ob ihre Symptome tatsächlich allergisch bedingt sind oder doch auf eine Infektion mit dem Coronavirus hindeuten. Wie man die Krankheiten unterscheidet und worauf Allergiker derzeit besonders achten sollten. #corona #covid19 

Ratgeber – Rund 15 Prozent aller Deutschen reagieren Schätzungen zufolge allergisch auf Blütenpollen. Und besonders viele auf die der sogenannten Frühblüher wie Birke, Eiche, Erle, Esche, Hasel oder Pappel. In den warmen Tagen der letzten Märzwoche stieg in Deutschland die Pollenbelastung durch einige dieser Arten stark an. Und sie wird mit der nächsten Wärmeperiode noch weiter steigen.

Beschwerden sind manchmal ähnlich
Bei Pollenallergikern führt das zu einer starken Zunahme von Symptomen wie Fließschnupfen und Niesreiz, juckenden oder brennenden Augen, Halskratzen und Hustenreiz und dem Gefühl einer allgemeinen Abgeschlagenheit – Beschwerden, wie sie ganz ähnlich auch bei Covid-19 auftreten können.

Kommt noch ein allergisches Asthma hinzu, können zusätzlich trockener Hustenreiz und – in besonders schweren Fällen – Luftnot auftreten. Die Sorge, eine Coronavirus-Infektion nicht rechtzeitig zu erkennen und dadurch sich selbst und andere in Gefahr zu bringen, ist verständlich.

Unterschiede zwischen Covid-19 und Pollenallergie
Dennoch gibt es ein paar Unterschiede, die zwar keine endgültige Sicherheit, aber dennoch gute Hinweise darauf geben, was wahrscheinlich hinter den Symptomen steckt:

  • Pollenallergiker haben in der Regel kein Fieber, allenfalls leicht erhöhte Temperatur. Bei Covid-19 gehört Fieber über 38,2 Grad dagegen bei rund der Hälfte der Erkrankten zu den Symptomen.
  • Bei Heuschnupfen ist neben dem Fließschnupfen der in Wellen auftretende Niesreiz ein besonders typisches Symptom. Bei Covid-19 ist Schnupfen zwar möglich (bei ca. 28% der Infizierten), starker Niesreiz aber nach derzeitigem Wissensstand nicht typisch.
  • Die Symptome einer Pollenallergie haben oft einen stark wellenförmigen Verlauf, treten also schlagartig zu bestimmten Tageszeiten oder nach bestimmten Auslösern (nach dem Aufstehen, einem Spaziergang oder dem Lüften der Wohnung) sehr stark auf und lassen deutlich nach, wenn der Pollenkontakt nicht mehr besteht. Bei Covid-19 entwickeln sich die Symptome allmählich und nehmen über Stunden bis Tage weiter zu.
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Was tun bei Verdacht auf Corona?
Können Sie anhand dieser Hinweise keine ausreichende Unterscheidung treffen, oder machen Sie sich – etwa, weil Sie einen Kontakt zu möglicherweise infizierten Personen nicht ausschließen können – weiterhin Sorgen um eine mögliche Coronavirus-Infektion, sollten Sie telefonischen Kontakt zu Ihrem Hausarzt oder HNO-Facharzt aufnehmen und mit ihm das weitere Vorgehen beraten. Dasselbe gilt für Menschen, bei denen eine Pollenallergie bisher nicht bekannt ist.

Wichtig: Allergie-Medikamente weiter einnehmen
Wer seine allergische Erkrankung erfolgreich mit Medikamenten behandelt, also medikamentös gut eingestellt ist, sollte diese Therapie unbedingt fortsetzen. Denn die abschwellende und entzündungshemmende Wirkung der Medikamente ist nicht nur wichtig, um vor Komplikationen der allergischen Grunderkrankung zu schützen – wie einer bakteriellen Infektion der Nasennebenhöhlen (Sinusitis), der Bronchien oder des Lungengewebes.

Auch gegen Viren wie das neuartige Coronavirus können sich Schleimhäute mit einer weitgehend intakten Barrierefunktion besser schützen. Die Deutsche Atemwegsliga rät daher, auch kortisonhaltige Medikamente zur Inhalation wie Nasensprays oder Dosieraerosole weiter wie verordnet anzuwenden.

Risikofaktor Allergisches Asthma
Der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) weist darauf hin, dass Menschen mit allergischem Asthma ein höheres Risiko haben, an einer Coronavirus-Infektion schwer zu erkranken, als Gesunde. Das gilt insbesondere, wenn sie medikamentös schlecht eingestellt sind.

Die DAAB-Experten betonen deshalb, dass Betroffene frühzeitig ihre Allergiemittel besorgen und konsequent anwenden sollen. Es gibt überdies aktuell keine Hinweise, dass die Kortisondosen, die Allergiker inhalieren müssen, das Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf erhöhen. Deutlich gefährlicher ist das plötzliche Absetzen der Medikamente: es droht ein schwerer Asthmaanfall.

Was sollten Allergiker noch beachten?
Allgemein gilt: Halten Sie streng die Schutzmaßnahmen ein. Das heißt:

  • Regelmäßig gründlich Händewaschen, idealerweise 20 Sekunden
  • Halten Sie Abstand zu Erkrankten, mindestens anderthalb Meter, besser zwei.
  • Berühren Sie nicht das Gesicht mit ungewaschenen Händen (Augen, Mund, Nase).
  • Niesen und husten Sie in Ihre Armbeuge.
  • Außerdem empfehlen die Experten des Robert Koch-Instituts, dass sich Patienten mit schwerer Allergie gegen Pneumokokken und Influenza impfen lassen. Vermeiden Sie am besten auch andere Reizstoffe, wie Tabakrauch, Duft- oder Reinigungssprays, Staub und Abgase.

Pollenallergiker sollten zudem Pollen so gut es geht aus dem Weg gehen. Halten Sie sich während der schlimmsten Stunden eines warmen, trockenen und windigen Tages idealerweise in Innenräumen mit geschlossenen Fenstern auf. In der Stadt lüften Sie am besten morgens, auf dem Land abends. Idealer Zeitpunkt zum Spazierengehen ist nach einem Regenschauer – auch in Zeiten des Coronavirus und der Ausgangsbeschränkungen.

Jens Richter, Chefredakteur und Humanmediziner/LVM-Versicherung – Quellen:
Deutsche Atemwegsliga e.V.: www.atemwegsliga.de (Abrufdatum: 30.03.2020)
Deutscher Allergie- und Asthmabund: www.daab.de (Abrufdatum: 30.03.2020)

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