Covid-19 sorgt für Terminstau bei Fahrprüfungen

In Deutschland müssen Fahrschüler derzeit in fast alle Regionen deutlich länger als üblich auf einen Termin für die praktische Führerscheinprüfung warten.

Service – Vor dem Beginn der Covid-19-Pandemie war eine Wartezeit zwischen ein und maximal drei Wochen üblich. Inzwischen müssen Fahrschüler je nach Auslastung ihrer Prüfungsstelle teilweise sechs Wochen oder länger auf ihre Führerscheinprüfung warten. Dies trifft laut einem Fahrlehrer der Fahrschule Rettig in Bonn auch auf Führerscheinprüfungen im Rheinland und am Niederrhein zu.

Verantwortlich dafür ist laut dem TÜV die Covid-19-Pandemie. „Während der beiden Lockdowns im vergangenen Jahr und in diesem Jahr durften Fahrschüler nicht ausgebildet werden und konnten somit auch nicht geprüft werden“, erklärt ein Sprecher der Prüfstelle. Die Nachfrage ist demnach aktuell deutlich höher als normal.

Covid-19-Pandemie als Ausrede?

Jochen Klima, der Vorsitzende des Fahrlehrerverbands Baden-Württemberg ist der Meinung, dass nicht die erhöhte Nachfrage, sondern die Prüfstelle selbst für die langen Wartezeiten verantwortlich ist. „Die Fahrschulen in ganz Baden-Württemberg beschweren sich massiv über die Terminvergabe. Das Problem nur auf Corona zu schieben, ist unglaubwürdig“, so Klima.

Ursächlich für den aktuellen Stau ist laut Klima die neue Optimierte Praktische Fahrerlaubnisprüfung (OPFEP), die Fahrschüler seit Anfang 2021 absolvieren müssen. Diese ist statt 45 Minuten nun 55 Minuten lang. „Ein Prüfer kann statt elf nur noch neun Prüfungen abnehmen“, erklärt der Vorsitzende des Fahrlehrerverbands Baden-Württemberg.

Foto: andibreit/Pixabay

Führerschein teurer

Aufgrund der langen Wartezeiten kommt es bei vielen Fahrschülern zu Extrakosten. Diese entstehen, weil die eigentlich prüfungsreifen Schüler zusätzliche Fahrstunden nehmen müssen, um vor der Prüfung nicht die nötige Routine zu verlieren. Im Mittel sind dies zwei bis vier Stunden.

„Wegen der Wartezeiten nehmen die Fahrschüler vor der Prüfung noch mal Stunden, um nicht aus der Übung zu kommen. Es braucht mehr Prüfer oder der TÜV muss sein Monopol bei den Fahrprüfungen verlieren“, fordert der Fahrlehrer Peter Hörnle.

Außerdem ist es laut Hörnle, der seit 1995 eine Fahrschule betreibt, problematisch, dass Fahrschüler im Vorfeld nicht mehr genau wissen, wann sie ihre Prüfung absolvieren können. „Wir können keine Prognosen mehr abgeben, wann es einen Prüfungstermin für die Fahrschüler gibt. Das ist für sie und uns frustrierend“, erklärt der erfahrene Fahrlehrer.

Gegenmaßnahmen sollen Wartezeit verkürzen

Wie der Radiosender Welle Niederrhein berichtet, möchte der TÜV in Kooperation mit den Fahrlehrerverbänden die Wartezeiten durch Gegenmaßnehmen wieder verkürzen. Diese betreffen vor allem das Personal. „Die Fahrprüfer leisten Mehrarbeit und verschieben in Absprache mit dem Betriebsrat ihren Urlaub. Soweit möglich, werden amtlich anerkannte Sachverständige aus anderen Arbeitsgebieten ausgeliehen, zum Beispiel aus der Hauptuntersuchung von Fahrzeugen“, erklärt Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands.

Ein Problem in der Monopolstellung des TÜVs, der in Deutschland als einzige Prüfungsstelle dazu berichtige ist, Fahrprüfungen durchzuführen, sieht Bühler im Gegensatz zu Hörnle jedoch nicht. „Wenn die Alleinbeauftragung fällt, gibt es nicht automatisch mehr Prüfkapazitäten. Auch dort, wo es eine freie Wahl der Prüforganisation gibt, gab es Verzögerungen. Das zeigt, dass wir uns mit den konkreten Herausforderungen und nicht mit Systemfragen beschäftigen sollten“, so der Geschäftsführer des TÜV-Verbands. (opm)

 

 

 

Ein Kommentar

  1. Das gibt es nur in Deutschland eine Monopolpolitik in vielen Bereichen sind heute eigentlich nicht mehr Standart. Was will man von den heutigen Verantwortlichen noch verlangen. Man sieht die heutigen Entscheidungen in der Bundesrepublik Deutschland jeder kocht seine eigene Suppe und dann dieser Leitsatz von oben: ,,Wir Schaffen Das“. Man kann die Jugend dann verstehen, und den Popolist ebenso.

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