Das Leben in den Zeiten von Corona – Interview mit Andrea Kuhrmann

Andrea Kuhrmann arbeitet in der Buchbranche und lebt mit ihrem Mann und ihren drei kleinen Kindern in Berlin. Vom Vorlesen, Erzählen, Lachen und Einschlafen war es nur ein kleiner Schritt bis hin zur eigenen Geschichte.

Kultur – Sie ist überzeugt: Kinder möchten Geschichten, die sie ernst nehmen, aus ihrer eigenen Lebenswirklichkeit kommen und sich einer Sprache bedienen, die sie intuitiv verstehen.

Wie hat sich Ihr Alltag verändert in den letzten Wochen?
Anfänglich ziemlich stark. Ich war über eine Woche im HomeOffice, weil ich für meinen Arbeitgeber auf einer Veranstaltung war, bei dem es einen nachgewiesenen Corona-Fall gab. Und dann waren plötzlich auch meine drei Kinder zu Hause: Kindergarten zu, Schule zu. Jetzt gehe ich gelegentlich wieder ins Büro. Neben meiner schriftstellerischen Tätigkeit bin ich nämlich im Einzelhandel tätig. Dort organisieren wir gerade einen Lieferservice für unsere Kunden.

Wo schreiben Sie aktuell – Schreibtisch, Sofa, Küchentisch, Balkon, Garten?
Vorzugsweise am Küchentisch oder im Büro meines Mannes – je nachdem, wo sich gerade weniger Familienmitglieder aufhalten. Mit Laptop ist man ja innerhalb der Wohnung mobil.

Wer leistet Ihnen zu Hause Gesellschaft?
Meine drei Kinder (8, 6 und 4 Jahre) und mein Mann, der eigentlich freiberuflich als Architekt arbeitet und sich nun wundert, wer alles in seinem Büro sitzt.

Welche Schutzmaßnahme fällt Ihnen überraschend leicht?
Die viele Zeit zu Hause fällt mir nicht schwer. Ich bin beruflich auf so vielen Veranstaltungen, dass die Zeit zu Hause mit der Familie eigentlich ganz schön ist.

© Tomas Rodriguez

Und was fehlt Ihnen am meisten oder wofür brauchen Sie am meisten Disziplin?
Es kommt mir komisch vor, im Gespräch so weit voneinander weg zu stehen. Wenn ich z.B. eine Nachbarin treffe, habe ich immer den Reflex, näher auf den Menschen zuzugehen. Da muss ich mich echt disziplinieren..

Was hilft, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt? Haben Sie einen Tipp?
Frische Luft. Wir wohnen direkt am Waldrand und Laufen und Radfahren ist ja nicht verboten. So ein Wald ist groß, da kann man sich gut aus dem Weg gehen, und den gibt es durchaus auch in Großstädten.

Wovon haben Sie Vorräte angelegt?
Bücher und Gesellschaftsspiele – davon kann man nicht genug haben. Ok. Ich habe vielleicht noch mehrere Pakete Mehl und Trockenhefe. Das ist aber unabhängig von Corona. Ich brauche immer das Gefühl, notfalls einen Hefezopf backen zu können. Der hilft einem in JEDER Lebenslage!

Wie viele Rollen Klopapier besitzen Sie aktuell?
Hätten Sie mich gestern gefragt, hätte ich sagen müssen: keine. Aber kurz bevor die letzte Rolle aufgebraucht war, hat mein Mann dann doch noch ein Paket im Supermarkt gefunden.

Was ist die richtige Lektüre, um die nächsten Wochen zu überstehen?
Heinz Strunk, „Fleisch ist mein Gemüse“. In verrückten Zeiten muss man viel lachen. Das ist gut für das Gemüt.

Welches Kinderbuch empfehlen Sie, wenn der Vorlesestoff demnächst ausgeht?
Meinem Sohn (6 Jahre) habe ich gerade den „Räuber Hotzenplotz“ vorgelesen. Für jüngere Kinder empfehle ich die Bücher von „Lauras Stern“. Die reflektieren den Alltag der Kinder und sind zugleich originell und spannend geschrieben. Ich freue mich schon, wenn im Herbst der neue Laura-Film in die Kinos kommt. Da gehe ich mit meiner jüngsten Tochter (4 Jahre) bestimmt rein.

Warum lohnt es sich, Ihr aktuelles Buch zu lesen?
Als meine Kinder 2-3 Jahre alt waren, habe ich kaum Lesestoff gefunden. Die Buchhandlungen sind voll, aber es gibt entweder Pappbilderbücher mit einfachen Abbildungen oder – wenn die Kinder älter sind – Bilderbücher mit dann schon relativ langen Texten. Kaum ein Buch schien mir geeignet, kleinere Kinder (um die 2 Jahre) an das erzählende Buch heranzuführen. Ich glaube, deshalb sind die Bilderbücher von Bobo Siebenschläfer so beliebt. Es sind erste Erzählungen mit einem kleinen Spannungsbogen, aber eben einfach geschrieben und aus dem Alltag der Kinder. Mit meinen Geschichten wollte ich genau das auch schaffen – nur vielleicht etwas zeitgemäßer geschrieben und moderner illustriert.

Welches Buch lesen Sie selbst gerade?
Der Dussmann-Lesekreis liest gerade Mariana Leky, Was man von hier aus sehen kann. Das Buch ist schon gekauft, gleich geht es los.

Was möchten Sie dem Buchhandel zum Durchhalten mitgeben?
Amazon verkauft jetzt Klopapier und Desinfektionsmittel. Ich weiß nicht, was einen mehr motivieren sollte, als sich gerade jetzt an den Bedürfnissen seiner Kunden zu orientieren. Oder wie Pipi Langstrumpf sagen würde: „Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe.“

Welchen Lieblingsbuchhändler/Lieblingsbuchhändlerin möchte Sie an dieser Stelle besonders grüßen?
Natürlich Dussmann das KulturKaufhaus. 😊


Andrea Kuhrmann – LENNI LANGOHR – EIN HASE ZUM LIEBHABEN
Bildergeschichten für die Kleinsten

Mit Lenni Langohr wird’s nie langweilig! Denn zusammen mit seinen Eltern, seiner Schwester Klara und Kuscheltier Möhrchen erlebt der kleine Hase jede Menge Abenteuer. Im Park balanciert er mutig über einen Baumstamm und füttert mit Mama die Ziegen. Mit Papa pflanzt er einen kleinen Apfelbaum. Und auf dem Spielplatz rutscht er mit Klara und Möhrchen die laaaange Rutsche hinunter. Kein Wunder, dass Lenni am Abend ganz schön müde ist. Noch schnell ein Küsschen für alle, dann heißt es: Gute Nacht!
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