Das Leben in den Zeiten von Corona – Interview mit Romy Fölck

ROMY FÖLCK wurde 1974 in Meißen geboren. Sie studierte Jura, ging in die Wirtschaft und arbeitete zehn Jahre für ein großes Unternehmen in Leipzig. Mit Mitte dreißig entschied sie, ihren großen Traum vom Schreiben zu leben.

Kultur – Sie kündigte Job und Wohnung und zog in den Norden. Mit ihrem Mann lebt sie heute in einem Haus in der Elbmarsch bei Hamburg, wo ihre Romane entstehen..

Wie hat sich Ihr Alltag verändert in den letzten Wochen?
Gar nicht so grundlegend, da ich in der Schreibphase stecke und in den nächsten Monaten eh zu Hause arbeite. Aber die Konzentration ist nicht so gut wie sonst, da mich natürlich viele Dinge beschäftigen und ablenken. Vor allem die Sorge um meine Lieben.

Wo schreiben Sie aktuell – Schreibtisch, Sofa, Küchentisch, Balkon, Garten?
Ich schreibe am Esszimmertisch in unserem Wohnzimmer mit Blick in den Garten.

Wer leistet Ihnen zu Hause Gesellschaft?
Mein Lebensgefährte und unsere Katze, die aber die ganze Krise verschläft.

Welche Schutzmaßnahme fällt Ihnen überraschend leicht?
Wahrscheinlich die Maßnahme, zu Hause zu bleiben, weil unsere grüne Oase hier in der Elbmarsch immer mein Rückzugspunkt ist, wo ich gut auftanken kann.

© Kerstin Petermann

Und was fehlt Ihnen am meisten oder wofür brauchen Sie am meisten Disziplin?
Mir fällt es echt schwer, mich jetzt nicht mit meiner Familie und meinen Freunden treffen zu können. Aber wir halten via Telefon etc. viel Kontakt und stärken uns gegenseitig den Rücken.

Was hilft, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt? Haben Sie einen Tipp?
Sport! Anfang des Jahres habe ich mit Yoga angefangen, weil ich durch das viele Sitzen beim Schreiben Rückenprobleme hatte. Yoga ist mein bester Ausgleich – neben dem Kochen.

Wovon haben Sie Vorräte angelegt?
Von einigen guten Lebensmitteln und Zutaten, um neue Rezepte zu probieren. Vorräte, die ich immer im Hause habe? Gute Bücher. Was sonst?

Wie viele Rollen Klopapier besitzen Sie aktuell?
Wir haben nicht zu viel und nicht zu wenig im Haus.

Was ist die richtige Lektüre, um die nächsten Wochen zu überstehen?
Schwierig, Geschmäcker sind ja so verschieden! „Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens hat mich sehr berührt. Aber auch „Mittagsstunde“ von Dörte Hansen. Ein spannender Kriminalroman ist ebenfalls immer allerbeste Ablenkung!

Welches Kinderbuch empfehlen Sie, wenn der Vorlesestoff demnächst ausgeht?
Es gibt einen großartigen Krimikollegen aus der Schweiz, Sunil Mann, der auch klasse Kinderbücher schreibt. „Immer dieser Gabriel“ handelt vom jüngsten Schüler im Engelsinternat „Wolkenschloss“.

Warum lohnt es sich, Ihr aktuelles Buch zu lesen?
Mein aktueller Roman „Sterbekammer“ ist nicht nur ein spannender Kriminalroman, er passt auch zum Thema Isolation. Denn darin wird eine junge Frau entführt und in eine geheime Kammer gesperrt, wo sie lange Zeit auf sich allein gestellt ist und um ihr Überleben kämpft. Viele LeserInnen waren zutiefst berührt von den Szenen, die sich in dieser Kammer abspielen. Aber Vorsicht, es ist keine Lektüre für schwache Nerven.

Welches Buch lesen Sie selbst gerade?
Ich lese „Im Namen der Lüge“ von Horst Eckert, einen großartigen Polit-Thriller aus Deutschland. Protagonistin ist Melia Khalid, die das Referat für Linksextremismus beim Inlandsgeheimdienst leitet.

Was möchten Sie dem Buchhandel zum Durchhalten mitgeben?
Ihr seid das Bollwerk, welches diesen schweren Sturm abhalten muss. Ich habe tiefen Respekt vor dem, was ihr Buchhändlerinnen und Buchhändler gerade da draußen leistet! Tausend Dank, dass ihr die Menschen mit Büchern versorgt, die sie gerade jetzt dringend brauchen.

Welchen Lieblingsbuchhändler/Lieblingsbuchhändlerin möchte Sie an dieser Stelle besonders grüßen?
Stellvertretend für alle Händler grüße ich die Buchhandlung Lavorenz in Uetersen, meinen Buchhändler des Vertrauens. Und meine Herzens-Krimibuchhändlerin, Miss Marple in Berlin, Cornelia Hüppe. Tausend Dank für euer enormes Engagement!


Romy Fölck – STERBEKAMMER

In einer abgelegenen Deichmühle wird die Leiche eines alten Mannes gefunden, der als starrköpfiger Eigenbrötler bekannt war. Als Polizistin Frida Paulsen in der Mühle auf eine verdeckte Bodenklappe stößt, ist sie zutiefst erschüttert, denn die Tür führt zu einer Kammer, die wie ein Gefängnis anmutet. Ihr Kollege Bjarne Haverkorn erinnert sich an eine junge Frau, die vor Jahren spurlos in der Marsch verschwand. Alles deutet darauf hin, dass die Entführte in der Kammer gefangen gehalten wurde …
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